GVB zahlt den Kunden keinen Überschuss aus

Sturm Burglind und Börsentaucher sorgen bei der Gebäudeversicherung des Kantons Bern für einen Gewinneinbruch.

Spur der Verwüstung: Sturm Burglind hat die alte Seilerei in Wichtrach zusammengelegt. Foto: Raphael Moser

Spur der Verwüstung: Sturm Burglind hat die alte Seilerei in Wichtrach zusammengelegt. Foto: Raphael Moser

Julian Witschi

Wenn es gut läuft, dann beteiligt die Gebäudeversicherung Bern (GVB) ihre Kunden am Gewinn. Davon profitieren alle Hauseigentümer im Kanton, die ihre Liegenschaft obligatorisch bei der GVB gegen Feuer- und Elementarschäden versichern müssen.

Für 2016 und 2017 stellte das Unternehmen insgesamt je 30 Millionen Franken in Aussicht. Für 2018 wird es zum ersten Mal seit sechs Jahren nichts geben. Spüren werden das die Versicherten 2020, da die GVB die Überschussbeteiligung jeweils erst im übernächsten Jahr auf der Prämienrechnung gutschreibt.

2018 sei ein sehr stürmisches und turbulentes Jahr gewesen, sagte GVB-Chef Ueli Winzenried am Freitag in Bern. Dies vor allem wegen des Sturmtiefs Burglind vom Januar, das zu einer hohen Zahl von fast 36000 Schäden geführt habe. Insgesamt stieg die Schadensumme um ein Drittel auf 128,6 Millionen Franken.

Auch die Turbulenzen an den Börsen mit deutlichen Kursrückgängen lasteten auf der GVB. So sank das mit den Kapitalanlagen erzielte Ergebnis von 61 Millionen Franken im Vorjahr auf –0,3 Millionen. In der Folge strich die GVB die Überschussbeteiligung für die Kunden. So blieb ein Gewinn von 1,1 Millionen Franken.

Wegen der vielen Schadenmeldungen nach Burglind stellte die GVB Temporärmitarbeitende ein und verlängerte die Arbeitszeiten. Inzwischen seien 90 Prozent der Schäden erledigt, sagte Winzenried. Burglind habe gezeigt, was das immer extremere Klima anrichten könne.

Das grösste Schadenpotenzial sieht die GVB aber nicht bei Windstürmen, sondern bei intensiveren und häufigeren Extremniederschlägen. Sie stützt sich dabei auf eine Studie zu Klimaszenarien, die der ETH-Professor David Bresch an der Jahresmedienkonferenz der GVB vorstellte.

Warnung vor Regenfluten

Extreme Regenfälle gefährdeten nicht nur Liegenschaften an Gewässern. Gerade im immer dichter bebauten Siedlungsraum könne das viele Wasser vom Himmel dann nicht schnell genug abfliessen. Winzenried ruft deshalb dazu auf, diese Gefahr zu prüfen. Das Geo-Webportal des Bundes auf www.map.geo.admin.ch biete zum Oberflächenabfluss detaillierte Gefahrenkarten an. Die GVB-Stiftung für Prävention unterstützt Schutzmassnahmen für Gebäude finanziell. Dies mit bis zu 10'000 Franken.

Prognosen können sich aber auch als falsch herausstellen. Vor einem Jahr hatte Winzenried wegen der extremen Schneemengen vor einer grossen Hochwassergefahr gewarnt. Das Klima schlug aber mit einer monatelangen Trockenheit ins andere Extrem um, und Hochwasser war kein Thema. Winzenried gewichtet den Kampf gegen den Klimawandel bei der GVB seit Jahren hoch.

Er zeigt auch Verständnis für die Schülerstreiks: «Es ist verständlich, dass sie verlangen, dass gehandelt wird.» Winzenried leitet die GVB noch bis nächsten Februar, dann geht er in Pension. Seinen Lohn legt das Unternehmen, das dem Kanton gehört, nicht offen. Total haben die sechs Geschäftsleitungsmitglieder letztes Jahr 2 Millionen Franken ausbezahlt erhalten.

Berner Zeitung

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