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In zehn Jahren droht dem Kanton Bern ein massiver Pfarrermangel

Die reformierte Kirche steuert einem massiven Pfarrermangel entgegen. Längst nicht für jeden Pfarrer, der in den nächsten Jahren im Kanton Bern pensioniert wird, steht ein Theologiestudent in den Startlöchern.

Bald könnte es im Kanton Bern zu wenig Pfarrer haben, wenn nicht mehr Junge Theologie studieren.
Bald könnte es im Kanton Bern zu wenig Pfarrer haben, wenn nicht mehr Junge Theologie studieren.
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376 Personen studieren zurzeit an der Theologischen Fakultät der Uni Bern. Die meisten studieren Theologie. Doch gemäss der theologischen Fakultät entscheiden sich pro Jahrgang nur etwa 15 bis 20 Masterstudierende für ein Vikariat und die anschliessende Ordination, also für die praktische Ausbildung zum Pfarrer. Obwohl die meisten danach ein Pfarramt übernehmen, gibt es laut Studienfachberater Stefan Münger immer auch solche, die sich einem andern Berufsfeld zuwenden.

Zu wenig Nachwuchs

Doch in den nächsten zehn Jahren werden im Gebiet der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn pro Jahr 15 bis 30 Pfarrerinnen und Pfarrer pensioniert. Es brauchte also ebenso viele Ordinationen, sollten die frei werdenden Pfarrstellen wiederbesetzt werden können. «Die Schere zwischen Pensionierungen und Ordinationen wird aufgehen», prophezeit Stefan Münger. Obwohl die Mitgliederzahlen der Kirche sinken, werde sich die Situation nicht entschärfen. Münger sagt: «Ab etwa 2018 wird ein massiver Pfarrermangel herrschen.» Es werde schlicht nicht mehr genug Leute haben, «die genügend qualifiziert sein werden, den anspruchsvollen Beruf auszuüben», wenn sich die Zahl der Studentinnen und Studenten in den nächsten Jahren nicht erheblich verbessert.

Pfarrer prägen das Image

Münger wirbt für das Theologiestudium: Als geisteswissenschaftliches Studium sei es sehr breit und attraktiv, sagt er. Aber er weiss, dass der Beruf des Pfarrers bei vielen Maturanden mit Vorurteilen behaftet sei. Deshalb sei das «glaubwürdige Image der Pfarrleute» umso wichtiger. Münger zitiert eine interne Umfrage bei Studierenden, die zeige, dass bei weit über 50 Prozent der Befragten «eindrückliche Begegnungen mit Pfarrerinnen und Pfarrern» den wichtigsten Ausschlag für die Studienwahl gegeben hätten. In Bezug auf den sich abzeichnenden Pfarrermangel fügt Münger hinzu: «Einem Betrieb, der bei der Rekrutierung seines Personals keine Auswahl hat, geht es nicht gut.» Dessen sind sich die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn bewusst. Deshalb hat ihr Parlament im vergangenen Dezember für die Jahre 2011 bis 2013 einen wiederkehrenden Kredit von jährlich 38'000 Franken bewilligt. Damit soll eine seit 2005 in der deutschen Schweiz laufende Werbekampagne für das Theologiestudium unterstützt werden.

Eine Werbekampagne

Die Kampagne umfasst eine Website (theologiestudium.ch), Preise für herausragende Maturaarbeiten im Bereich Theologie, Religion und Ethik, einen Kinospot und ein Magazin. Zudem wird allen eventuell an einem Theologiestudium Interessierten die Möglichkeit geboten, während einer Woche in einem reformierten Pfarramt eine Schnupperlehre zu absolvieren. Doch diese wurde bisher nur vereinzelt genutzt – und nur von Leuten, die sich ohnehin für das Pfarramt interessierten.

Mit den römisch-katholischen und den christkatholischen stehen insgesamt 580 bis 600 Pfarrerinnen und Pfarrer auf der Lohnliste des Kantons Bern. Die Reformierten machen rund 80 Prozent aus.

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