In zehn Jahren sollen die Züge fahren

Der Ausbau der zweiten Lötschberg-Röhre soll bereits 2022 beginnen. Die Bevölkerung werde nicht stark belastet, sagt die BLS.

15 Kilometer der Weströhre und Querverbindungen des Lötschberg-Basistunnels sind erst im Rohbau ausgebrochen. Die BLS will sie nun zügig fertigstellen.

15 Kilometer der Weströhre und Querverbindungen des Lötschberg-Basistunnels sind erst im Rohbau ausgebrochen. Die BLS will sie nun zügig fertigstellen.

(Bild: Daniel Rihs (13 Photo))

Julian Witschi

Am Lötschberg könnte es jetzt relativ schnell gehen mit dem Ausbau der Doppelspur im Basistunnel. Schnell für ein Grossprojekt. Der Ausbau soll schon im nächsten Jahr von National- und Ständerat genehmigt werden. Dies, nachdem ihn der Bundesrat am Mittwoch doch noch in das Paket zum nationalen Bahnausbauschritt 2035 aufgenommen hat. Laut den Parlamentsdiensten sieht der ideale Zeitplan so aus, dass der Erstrat in der Frühlingssession darüber entscheidet, der Zweitrat im Sommer, und dass Differenzen im Herbst bereinigt sind.

Das Parlament könnte den Lötschberg-Ausbau zwar aus dem Paket herausnehmen. Auch ein Referendum ist noch möglich. Doch in der Vernehmlassung pochten Vertreter diverser Kantone auf das Projekt, und der Bundesrat hat es nun dem Ausbauschritt 2035 draufgepackt. Der Lötschberg steht also nicht in Konkurrenz zu anderen vorgesehenen Bahnausbauten.

Vorprojekt ist fertig

Obwohl noch nicht alle Signale auf Grün stehen, hat die BLS die Planung bereits weit vorangetrieben. Dies nicht einfach so auf eigenes Risiko. Sondern das Parlament hat diese Arbeiten 2014 noch im Rahmen des Bahnausbauschrittes 2025 gebilligt und finanziert.

Sechs Ingenieurbüros haben das Vorprojekt inzwischen abgeschlossen. Es enthält einerseits den Ausbau des fast 15 Kilometer langen Abschnitts der Weströhre zwischen Ferden und Mitholz (siehe Grafik). Dieser Abschnitt ist beim Bau des Basistunnels zwischen 1999 und 2007 zwar ausgebrochen, aber im Rohbau belassen worden. Das war ein Kompromiss, nachdem sich vorab Finanzminister Otto Stich gegen die Neat-Achse am Lötschberg gewehrt hatte.

Auch die vier Kilometer im Bereich des Bahnhofs Frutigen mit dem Engstligentunnel sollen nun auf Doppelspur ausgebaut werden. Rund sechs Kilometer des Basistunnels bleiben vorläufig einspurig. Trotzdem kann mit dem vorgesehenen Teilausbau laut BLS-Chef Bernard Guillelmon die Kapazität von heute 110 täglichen Zügen fast verdoppelt werden. Der für den Schienengüterverkehr wichtige Basistunnel ist stark ausgelastet, und ohne Teilausbau wäre es bald die einzige Intercity-Strecke ohne Halbstundentakt.

Sieben Jahre lang bauen

«Unser Ziel ist es, Anfang 2022 mit den Bauarbeiten zu beginnen und die Inbetriebnahme Ende 2028 zu ermöglichen», sagt BLS-Sprecherin Tamara Traxler. Zurzeit werden die Unterlagen für das Auflageprojekt ausgearbeitet. Voraussichtlich Anfang 2021 sollen die Bauarbeiten ausgeschrieben werden.

«Unser Ziel ist es, Anfang 2022 mit den Bauarbeiten zu beginnen und die Inbetriebnahme Ende 2028 zu  ermöglichen.»Tamara Traxler BLS

Die BLS schätzt die Kosten für den Teilausbau weiterhin auf 920 Millionen Franken. Zwischen Ferden und Mitholz muss im Tunnel zuerst die Betoninnenschale eingebaut werden, während im Abschnitt nördlich von Frutigen nur noch die Bankette und die Fahrbahn fehlen.

«Kaum wahrnehmbar»

Was kommt bei den Bauarbeiten auf die Anwohner zu? Dazu sagt BLS-Sprecherin Traxler, «wir gehen nach wie vor davon aus, dass die Bevölkerung gemessen an der Grösse des Projektes nicht stark belastet werden wird». Daniel Pixley, Leiter der Bauherrin Alptransit bei der BLS, hat in Frutigen im Januar bei einem Vortrag versprochen, «da der Grossteil der Arbeiten unter Tag ausführt werden, werden sie kaum wahrgenommen».

Der massenhaft benötigte Beton soll möglichst vor Ort auf dem Installationsplatz in Mitholz hergestellt und direkt per Lastwagen durch den Zugangsstollen in den Tunnel gebracht werden. Per Bahn werden die Zuschlagstoffe angeliefert. Die Bahntechnische Ausrüstung wie Schienen und Oberleitung soll vom Installationsplatz in Frutigen direkt auf der Schiene in den Tunnel gelangen. Auch hier erfolgt die Anlieferung grösstenteils per Bahn.

Für die Notausstiege zur Weströhre des Engstligentunnels in Frutigen wird es vorübergehend Baustellen geben. Um Fahrten auf der alten Kantonsstrasse ab Reichenbach und durch Frutigen zu vermeiden, ist eine provisorische direkte Zufahrt vorgesehen. Wie viele Transporte insgesamt nötig sind, ist offen, weil auch die benötigten Mengen noch nicht genau berechnet sind. Auch wird erst nach der Ausschreibung klar, wie viele Bauarbeiter beschäftigt sein werden.

Fragezeichen in Mitholz

Ein mögliches Problem ist diesen Sommer unverhofft aufgetaucht: Das Risiko einer erneuten Explosion im ehemaligen Munitionslager Mitholz ist wesentlich höher als bisher bekannt. Dabei ist in der Nähe ein Installationsplatz vorgesehen. Dort werden voraussichtlich, wie schon beim ursprünglichen Bau, auch Unterkünfte und Büros platziert. Welche Auswirkungen die neue Risikobeurteilung darauf hat, kann die BLS noch nicht sagen.

Berner Zeitung

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