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Kanton will doch keine Winterzelte

Der Kanton krebst zurück: Er wird die Asylzelte in Lyss-Kappelen wie geplant Mitte Dezember abbrechen. Eine allfällige Nutzung über den Winter sei bloss als Notfallszenario im Raum gestanden, heisst es seitens des Kantons.

In den Armeezelten beim Durchgangszentrum Lyss-Kappelen hausen derzeit 85 Flüchtlinge. Die Zelte werden von einer externen Holzschnitzelheizung über Luftschläuche gewärmt.
In den Armeezelten beim Durchgangszentrum Lyss-Kappelen hausen derzeit 85 Flüchtlinge. Die Zelte werden von einer externen Holzschnitzelheizung über Luftschläuche gewärmt.
Urs Baumann
Der Kanton krebst zurück: Er wird die Asylzelte in Lyss-Kappelen wie geplant Mitte Dezember abbrechen.
Der Kanton krebst zurück: Er wird die Asylzelte in Lyss-Kappelen wie geplant Mitte Dezember abbrechen.
zvg
Zeltlager für Flüchtlingen in Kappelen Lyss. Beim Durchgangszentrum in Lyss wird ein Zeltdorf für 250 Flüchtlinge aufgebaut. Armeezelt bei der Asylunterkunft Kappelen-Lyss.
Zeltlager für Flüchtlingen in Kappelen Lyss. Beim Durchgangszentrum in Lyss wird ein Zeltdorf für 250 Flüchtlinge aufgebaut. Armeezelt bei der Asylunterkunft Kappelen-Lyss.
Urs Baumann
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Ein Winter im Zelt – eine frostige Vorstellung. Am Freitagmorgen noch deutete vieles darauf hin, dass auf die Asylsuchenden in den zehn Armeezelten in Lyss-Kappelen genau dieses Szenario wartet. Am Mittwoch hatte der Kanton bei der Gemeinde Kappelen nachgefragt, was er aus baurechtlicher Sicht unternehmen müsste, um die Zelte auch nach dem 15.Dezember stehen zu lassen. Zu diesem Zeitpunkt wären die drei Monate abgelaufen, in denen eine Unterkunft ohne Baugesuch stehen darf.

Nur als «Notfallszenario» im Raum gestanden

Vorerst schwieg sich der Kanton über das Thema aus (siehe Box). Doch nach energischem Nachhaken stellte das Amt für Migration am Freitag schliesslich klar: «Die Zelte werden wie vorgesehen nach drei Monaten in Lyss wieder abgebaut.»

Bei der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten würden viele verschiedene Varianten geprüft, steht in der schriftlichen Stellungnahme. «Als Notfallszenario» hätten deshalb auch «Abklärungen im Zusammenhang mit einer allfälligen weiteren Nutzung der Zelte im Raum» gestanden, heisst es seitens des Amtes für Migration.

Die 85 Bewohner sollen in Wohnungen oder bestehende Kollektivunterkünfte umplatziert werden. Das findet der Kappeler Gemeindepräsident Hans-Martin Oetiker (parteilos) gut. «Wir haben immer gesagt, dass Zelte als Unterkunft im Winter nicht geeignet sind.» Und Gemeindeschreiber Thomas Buchser betont: «Ökologisch und ökonomisch machen Zelte im Winter schlicht keinen Sinn.»

Heftige Kritik und Vorstösse von Links-Grün

Was genau der Grund für den raschen Rückzug des Kantons ist, bleibt auch nach mehrfachem Nachhaken beim Amt unklar. Mit sehr deutlichen Worten reagierten hingegen die Grünen und die SP auf das «Notfallszenario» des Kantons. Sie kritisieren die Zeltlösung scharf und fordern, dass für die Asylsuchenden möglichst rasch eine andere Lösung gefunden wird.

Beide Parteien wollen in der Novembersession dringliche Vorstösse einreichen, um die langfristige Planung von Asylunterkünften zu verbessern.

Enge Platzverhältnisse und unangenehme Stimmung

Die beiden Parteien reagieren zudem empört über die Zustände im Asylzentrum Kappelen, das in dieser Zeitung von verschiedenen Seiten scharf kritisiert worden ist. So ist zum Beispiel die Küche für 160 Personen konzipiert, wird aber mittlerweile von 300 Personen genutzt. Die Stimmung sei lethargisch und unangenehm.

Zentrumsleiter David Zaugg konterte am Freitag, dass ein Ausbau der Küche geplant sei und dass man tue, was man könne. In den Zelten werde nach anfänglichen Problemen zudem durchaus geheizt.

Das Amt für Migration äussert sich nicht zu den am Freitag geäusserten Vorwürfen und verweist stattdessen auf die Aussagen von David Zaugg.

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