Lehrmeister vergriff sich an Lehrtöchtern

Biel

Ein Bieler Lehrmeister wurde verurteilt, weil er zwei Lehrtöchter sexuell missbraucht hatte. Ausbildner ist er aber weiterhin.

Das Gericht in Biel hat einen Lehrmeister wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt.

Das Gericht in Biel hat einen Lehrmeister wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt.

(Bild: Martin Bürki)

Er ist schuldig wegen mehrfacher Ausnützung einer Notlage zum Nachteil von zwei jungen Frauen, die in seinem Betrieb in die Lehre gingen. Dafür hat ihn das Gericht in Biel zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt – bedingt, bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Obwohl er die beiden jungen Frauen sexuell missbraucht hat, darf er sich auch in Zukunft um die Auszubildenden kümmern. Richterin Silvia Holzer sagte bei der Urteilseröffnung: «Dem Gericht ist diese Entscheidung zwar nicht leichtgefallen, denn die Voraussetzung für einen Entzug dieser Aufgabe wäre gegeben.» Trotzdem entzieht das Gericht dem Lehrmeister die Lehrlingsbetreuung nicht. Weil er genau wisse, was auf dem Spiel stehe. Und weil er seit fünf Jahren nicht rückfällig geworden sei.

Über diesen Entscheid dürfte sich der Geschäftsführer freuen. Als er sich vor der Urteilseröffnung ein letztes Mal äussern konnte, sagte er: Er sei ein stolzer Ausbildner. Und er lege die Hand ins Feuer, dass so etwas nicht mehr vorkomme. «Ich habe meine Lektion gelernt.»

10'000 Franken Genugtuung

Nicht erspart bleiben ihm verschiedene Geldforderungen. So muss er der heute 26-Jährigen, mit der er Geschlechtsverkehr hatte, 10'000 Franken Genugtuung bezahlen. Für die psychologischen Behandlungen, die beide Frauen bis heute in Anspruch nehmen, muss er mehr als 9'000 Franken an die Opferhilfe des Kantons Bern berappen. Hinzu kommen die Kosten für Gericht und Voruntersuchung von über 24'000 Franken. Noch ausstehend ist das Honorar der Anwälte der Opfer – auch das wird er übernehmen müssen.

Dreistes Verhalten

Für das Strafmass erschwerend wirkte sich die Tatsache aus, dass der Angeklagte bei seinen sexuellen Handlungen stets egoistische Beweggründe hatte. Er nahm keine Rücksicht, obwohl er vom Missbrauch des ersten Opfers durch den Vater wusste. Als ihm das andere Opfer beim Übergriff in seinem Büro sagte: «Sie haben doch eine Familie», habe es beim Beschuldigten noch immer nicht klick gemacht, begründete Silvia Holzer das Urteil.

Er liess erst von ihr ab, als es an der Bürotür klopfte. Drei Tage später war er alleine mit ihr in einer Wohnung und versuchte es noch einmal. Dieses Verhalten bezeichnete die Richterin als «sehr dreist».

Berner Zeitung

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