Neuer Frauenrekord bei den Kandidierenden

Für die 24 bernischen Sitze im Nationalrat kandidieren insgesamt 651 Personen, 274 Frauen und 377 Männer. Ihre Namen stehen auf einer der insgesamt 34 Listen.

Wie sieht der Nationalrat nach den Wahlen aus? Ein Besucher schaut die Sitzordnung an.

Wie sieht der Nationalrat nach den Wahlen aus? Ein Besucher schaut die Sitzordnung an.

(Bild: Keystone Peter Klaunzer)

Marius Aschwanden

Es ist keine zwei Monate her, dass in der Schweiz Hundert­tausende Frauen auf die Strassen gingen. Sie forderten Gleichstellung im Job, in der Familienarbeit, in der Politik. In National- und Ständerat ist diese noch längst nicht erreicht. Während der Frauenanteil in der grossen Kammer seit 2015 bei 32 Prozent liegt, so beträgt er im Stöckli gerade mal 15 Prozent.

Am 20. Oktober, wenn das nationale Parlament neu gewählt wird, könnte sich das ändern. Schon nur im Kanton Bern sind 42 Prozent der Kandidierenden für die nunmehr 24 Nationalratssitze Frauen. Das ist neuer Rekord. Der bisherige Höchststand betrug 37,9 Prozent und stammte aus dem Jahr 2003. Insgesamt kämpfen in Bern 651 Kandidatinnen und Kandidaten um einen Platz in der grossen Kammer, wie die Staatskanzlei am Dienstag mitteilte.

Den höchsten Frauenanteil unter den grösseren Parteien verzeichnen die Grünen. Auf ihrer Liste sind 58 Prozent weiblich. Die SP und die GLP haben auf eine exakte Ausgeglichenheit geachtet. Am anderen Ende befinden sich die EDU (17 Prozent) und die SVP (29 Prozent).

Wie viele Frauen am 20. Oktober dann tatsächlich in den Nationalrat gewählt werden, ist schwierig abzuschätzen. Bei den letzten beiden Wahlen schafften verhältnismässig mehr Frauen den Sprung ins Parlament, als ihr Anteil an den Kandidierenden vermuten liess. 2015 etwa betrug dieser 27 Prozent.

Gewählt wurden im Kanton Bern aber 10 Frauen und 15 Männer, was einer Quote von 40 Prozent entspricht. Bis 2007 war es umgekehrt. Der Anteil der Kandidatinnen war jeweils höher als jener der effektiv gewählten Nationalrätinnen.

Dieses Jahr wollen nicht nur mehr Frauen in die grosse Kammer, sondern generell mehr Po­litikinteressierte. Mit 651 Kan­didierenden liegt die Zahl um 84 Personen höher als 2015. Die Anzahl Listen ist von 26 auf 34 gestiegen, 9 stammen von Jungparteien.

Das Durchschnittsalter ist denn auch tiefer als in vorangehenden Jahren. 37,8 Prozent sind jünger als 30 Jahre (2015: 31,9). Erneut treten auch einige Exoten an. So gibt es etwa eine Liste mit dem Namen «Die liebe, sehr sehr liebe Partei».

Überraschungen hingegen bleiben weitgehend aus. Von den bisherigen Nationalräten treten lediglich Adrian Amstutz (SVP), Hans Grunder (BDP) und Margret Kiener Nellen (SP) nicht mehr an. Und dass Ex-TeleBärn-Moderatorin Michelle Renaud und Regierungsrätin Beatrice Simon für die BDP um einen Sitz kämpfen, ist bekannt.

Ebenso die Kandidaturen des Stadtberner Gemeinderats Reto Nause (CVP) und des Ex-Gemeinderats Alexandre Schmidt. Dass allerdings Schmidts Sohn Adrien ebenfalls in den Ring steigt, ist neu. Der Jung-FDPler ist gerade erst 18 Jahre alt geworden.

National bekannte Gesichter sind zudem Dimitry Rougy (SP), der das Referendum gegen die Sozialdetektive organisierte, oder der Vater der Hornkuhinitiative, Armin Capaul, der auf einer eigenen Liste kandidiert.

Am 20. Oktober wird neben dem Nationalrat auch der Ständerat gewählt. Die Kandidaturen für die beiden Berner Sitze im Stöckli müssen bis zum 19. August eingereicht werden.

Alle Listen und Namen der Kandidatinnen und Kandidaten finden Sie hier.

Berner Zeitung

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