Zum Hauptinhalt springen

Olympia-Kandidatur kommt wohl vors Volk

Das Volk soll über eine Beteiligung des Kantons Bern an der Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2026 entscheiden. Das will der Regierungsrat.

Marius Aschwanden
Das Berner Stimmvolk entscheidet an der Urne über die Olympiakandidatur: Freiwillige Helfer kraxeln auf den Olympischen Ringen anlässlich der Spiele 2010 in Vancouver.
Das Berner Stimmvolk entscheidet an der Urne über die Olympiakandidatur: Freiwillige Helfer kraxeln auf den Olympischen Ringen anlässlich der Spiele 2010 in Vancouver.
Keystone

Fraueneishockey in Biel, Männereishockey in Bern und Skispringen auf der Normalschanze sowie nordische Kombination in Kandersteg: So lauten die Pläne für eine Berner Beteiligung an der Kandidatur für die Olympischen Winterspiele Sion 2026. Ob das Stimmvolk die Idee unterstützt, ist eine andere Frage. Und diese soll geklärt werden, wenn es nach dem Regierungsrat geht.

So teilte die Berner Regierung Am Donnerstag mit, dass der Kredit für die anfallenden Sicherheitskosten dem obligatorischen Referendum unterstellt werden soll. Somit wird der Grosse Rat im September 2018 sowohl über die Beteiligung als auch über die Frage nach einer automatischen Volksabstimmung befinden. Der Vorschlag des Regierungsrats dürfte gute Chancen haben. Grossräte von links bis rechts haben kürzlich in einer Motion genau das gefordert. Der Vorstoss wurde als Postulat mit nur zwei Gegenstimmen angenommen.

Für SP-Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann waren zwei Gründe ausschlaggebend für eine obligatorische Volksabstimmung. «So können wir einerseits Zeit sparen und den Terminplan einhalten. Andererseits benötigt ein solch kontrovers dis­kutierter Grossanlass auch eine genügend grosse Abstützung.»

«Gewisse Gelassenheit»

Unklar ist derzeit aber noch immer, wie hoch die finanzielle Beteiligung des Kantons überhaupt sein wird. Auf rund 10 Millionen Franken schätzte Ammann diese unlängst. Damals wusste er aber noch nicht, dass sich jene Kantone, die nicht als Austragungsorte fungieren, nicht an den Sicherheitskosten beteiligen wollen. Sprich: Die in den fünf Kantonen Bern, Wallis, Waadt, Freiburg und Graubünden benötigten zusätzlichen Polizisten werden voraussichtlich anders als an der Euro 2008 nicht gratis zur Verfügung gestellt. Rund 63 Millionen Franken dürfte das die Veranstalterkantone kosten.

Ob die Rechnung tatsächlich so hoch ausfallen wird, soll nun eine Analyse klären. Diese wird aufzeigen, wie viele zusätzliche Sicherheitsleistungen die jeweiligen Kantone einkaufen müssen. Ammann rechnet damit, dass die Analyse im März vorliegen wird. Sowieso schaue er dieser Debatte mit einer «gewissen Gelassenheit» entgegen. «Bern ist der zweitgrösste Kanton der Schweiz und verfügt über ein entsprechend grosses Polizeikorps», sagt Ammann. Deshalb rechne er nicht damit, dass allzu viele zusätzliche Dienststunden eingekauft werden müssten.

Auf Bern könnte jedoch weiteres Ungemach zukommen. Der «Bund» schrieb diese Woche, dass im Falle eines Defizits bei Sion 2026 die Austragungskantone zur Kasse gebeten werden könnten. Dazu sagt Ammann, dass man sich derzeit noch immer in einer Phase befinde, in der verschiedene Fragen geklärt werden müssten – auch jene nach einer Defizitbeteiligung.

Klar ist aber: «Unser Kreditantrag darf keine Wundertüte sein. Er wird eine klare Limite haben, die nicht verschiebbar sein wird.» Ob die 10 Millionen ausreichen werden, kann Ammann nicht abschätzen. Die Schmerzgrenze liege jedoch bestimmt im «tiefen zweistelligen Millionenbereich».

Geht der Zeitplan auf?

Der Urnengang im Kanton Bern soll im Februar 2019 stattfinden. Das nationale Bewerbungsdossier inklusive Finanzierungsgarantie muss aber bereits Mitte Januar 2019 beim Internationalen Olympischen Komitee eingereicht werden. Für Mitorgani­sator und SP-Ständerat Hans Stöckli ist das trotzdem kein Problem. Zum Zeitpunkt der Dossiereingabe müssten nur die Durchführungs- und Infrastrukturkosten gesichert sein.

«Da sich der Kanton Bern lediglich an den Sicherheitskosten beteiligen muss, kann das Stimmvolk auch erst im Februar darüber befinden», sagt Stöckli. Und was, wenn die Berner dann Nein sagen? «Über die Bedeutung einer allfälligen Ablehnung der Vorlage kann ich mich erst äussern, wenn deren Inhalt bekannt ist.»

Für die Durchführung der Olympischen Winterspiele rechnen die Organisatoren gesamthaft mit Ausgaben von rund 1,98 Milliarden Franken. Vor gut einem Monat hat der Bundesrat bekannt gegeben, dass er die Kandidatur mit höchstens einer Milliarde unterstützen will. Das letzte Wort dazu hat das eidgenössische Parlament im kommenden Frühling. Kommt die Finanzierung und damit die Kandidatur zustande, wird das Internatio­nale Olympischen Komitee im Herbst 2019 darüber befinden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch