Radikaler Tierschutz: Uniprofessor Petrus sorgt für Aufregung

Der im Zuge der Diskussion über radikale Tierschützer erneut in die Kritik geratene Uniprofessor Klaus Petrus verteidigt sich. Er distanziert sich von gewalttätigen Aktionen.

Dominic Ramel

Etwas mehr als ein Jahr nachdem er in die Schlagzeilen geraten war, wird der Berner Philosophieprofessor Klaus Petrus erneut in den Medien thematisiert, und es wird ihm eine gewisse Nähe zu radikalen Tierschützern angelastet. Jetzt wehrt sich der angeschossene Professor via Medienmitteilung.Sein geplantes Buch «Tierbefreiung und Aktivismus» befasse sich mit der Tierrechtsphilosophie und deren Anwendung, schreibt Petrus. Es enthalte Beiträge von renommierten Philosophen, Rechtswissenschaftlern, Soziologen und Politologen. «Zu Wort kommen auch Personen aus dem angewandten Tierschutz», schreibt Petrus. Somit biete der Band «eine umfassende Darstellung der Tierrechtsbewegung» aus theoretischer wie auch aus praktischer Sicht.«Rein akademisch»Für telefonische Anfragen und Interviews stand Petrus gestern nicht zur Verfügung. Auf die via E-Mail gestellte Nachfrage, ob auch der österreichische Tierschutzaktivist Martin Balluch am Buch mitarbeite, der im letzten Jahr wegen Verdachts auf kriminelle Organisation in Untersuchungshaft gesessen hatte, gab Petrus keine Antwort.In seiner Mitteilung schreibt Petrus, als Förderprofessor des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) beschäftige er sich mit Themen der Sprachphilosophie. Als Privatdozent der Universität Bern befasse er sich unter anderem mit Tierethik und dabei insbesondere mit Zielen und Strategien der Tierrechts- oder Tierbefreiungsbewegung. «Meine Auseinandersetzung mit dem radikalen Tierrechtsaktivismus im Allgemeinen sowie mit der Animal Liberation Front (ALF) im Besonderen ist somit rein akademischer Natur.»«Nicht terroristischer Art»Er habe sich mit der Frage auseinandergesetzt, ob die Aktionen der ALF terroristischer Art sind, schreibt Petrus. «In meinen Analysen bin ich zum Schluss gelangt, dass sie illegale Handlungen darstellen, die klar strafrechtlich zu verfolgen sind, indes die Kriterien terroristischer Akte, wie sie bisher angewendet wurden, nicht erfüllen.»Was die gegen Novartis-Chef Daniel Vasella erfolgten Aktionen betrifft, distanziert sich Petrus: Er verurteile derartige Taten «klar». «Ich vertrete die Auffassung, dass ausschliesslich gewaltfreie Aktionen moralisch gerechtfertigt werden können.»Petrus sorgte bereits im Sommer 2008 mit umstrittenen Ansichten und Stellungnahmen für Furore, dies teilweise als Professor der Uni Bern. So sprach er sich für ein Verbot von Haustieren aus und verglich den Einsatz von Blindenhunden mit der Versklavung von Schwarzen. Die Unileitung rügte Petrus deshalb. Zudem erliess sie im November 2008 Regeln mit «Weisungen betreffend Auftritte und Meinungsäusserungen von Universitätsangestellten mit Aussenwirkung». Demnach haben die Univertreter «Privates und Geschäftliches beim Auftritt in der Öffentlichkeit klar zu trennen». Regierung fordert AuskunftRegierungsrat Urs Gasche (BDP) ist der Meinung, dass der Regierung gegenüber der Uni eine gewisse Oberaufsichtskommission zukomme. Er geht deshalb davon aus, «dass man den Vorwürfen nachgehen wird». Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) hat bereits entsprechende Informationen von der Unileitung und Petrus angefordert. Gasche sagt weiter: «Sollte etwas dran sein, wird man die nötigen Schritte unternehmen, um korrigierend einzugreifen.»Die Unileitung ging gestern nicht auf konkrete Fragen ein. Sie teilte lediglich mit, dass sie sich von Äusserungen distanziere, welche als Unterstützung gewalttätiger oder anderer gesetzeswidriger Aktivitäten verstanden werden könnten. Petrus habe sich in seiner persönlichen Medienmitteilung «unmissverständlich von jeglichen gewalttätigen Aktionen militanter Tierschützer distanziert». Immerhin weist die Unileitung darauf hin, dass Petrus das Buch «Tierbefreiung und Aktivismus» als wissenschaftliche Publikation im Rahmen seiner akademischen Tätigkeit plane. Als Herausgeber übernehme er «die in dieser Funktion übliche Verantwortung». Es scheint, als wolle die Uni das Buch unter die Lupe nehmen.

Berner Zeitung

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