Zum Hauptinhalt springen

Skilager: Pulver übergeht Richter

Der Kanton Bern will von Eltern auch künftig höhere Beiträge für Schullager verlangen, als es das Bundesgericht erlaubt. Erziehungs­direktor Bernhard Pulver befürchtet keinen Widerstand.

Regierungsrat Bernhard Pulver will die Beiträge von Eltern an Schullager trotz Bundesgerichtsentscheid nicht anpassen.
Regierungsrat Bernhard Pulver will die Beiträge von Eltern an Schullager trotz Bundesgerichtsentscheid nicht anpassen.
Andreas Blatter

Erstmals in einem Massenlager übernachten, den Schulkollegen harmlose Streiche spielen, sich nachts ins Mädchenzimmer schleichen, das Gemeinschaftsgefühl erleben: Skilager, Schulreisen und Landschulwochen sind jene Ereignisse während der obligatorischen Schulzeit, an die man auch Jahre später noch gerne zurückdenkt.Ein kürzlich publiziertes Bundesgerichtsurteil stellte die künftige Durchführung von solchen Lagern jedoch infrage. Die Richter aus Lausanne legten fest, dass Eltern in Zukunft noch maximal 10 bis 16 Franken mitfinanzieren müssen. Zum Vergleich: Im Kanton Bern bezahlen Eltern für ihre Kinder heute einen Lagerbetrag ­zwischen 20 und 30 Franken pro Tag.

Pulver: «nicht sakrosankt»

Die Erziehungsdirektion des Kantons Bern hat diesen Tarif aufgrund des Urteils nun zwar leicht gesenkt. Jedoch liegt die Bandbreite mit 15 bis 25 Franken immer noch deutlich über der Obergrenze des Bundesgerichts. Für Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) ist dies dennoch der richtige Weg: «Nach Rücksprache mit mehreren ­Juristen bin ich zum Schluss ­gekommen, dass die Festlegung der Kostenbeteiligung der Eltern im betreffenden Bundesgerichtsurteil lediglich ein Nebenschauplatz war.» Sprich: Pulver geht nicht davon aus, dass der Kostenrahmen von 10 bis 16 Franken sakrosankt sei. Zumal es derzeit danach aussehe, dass auch andere Kantone wie ­etwa Zürich eine ähnliche Richtung einschlagen würden wie Bern.

Heute breit akzeptiert

Pulver räumt ein, dass der Kanton und die Gemeinden mit der höheren Kostenbeteiligung Gerichtsverhandlungen riskierten. Es sei letztlich um ein ­Abwägen gegangen: «Halten wir strikt das Bundesgerichtsurteil ein, mit dem ­Resultat, dass künftig wohl viele Schulen keine ­Lager mehr hätten durchführen können? Oder interpretieren wir das Urteil mutiger und sichern so die Existenz der Lager?»

Die Tatsache, dass die heutige Regelung breit akzeptiert sei und trotz höherer Elternbeteiligung kaum je zu Diskussionen geführt habe, stimme ihn zuversichtlich. «Ich gehe davon aus, dass dieses Tarifmodell auch künftig von den Eltern mitgetragen wird.»

Hat Pulver recht, dann dürfen sich Schulkinder für die spannendste Schulzeit des Jahres weiterhin den einen oder anderen Streich überlegen.

phm

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch