SVPler bezieht Prügel für Engagement gegen Massentierhaltung

Moment Wahl

Grossrat Stefan Hofer (SVP) unterstützt die Massentierhaltungsinitiative, die von Tierschutzaktivisten lanciert wurde. Parteikollegen äussern sich kritisch.

Wird von Parteikollegen für sein Engagement gegen Massentierhaltung kritisiert: Der Stadtberner SVP-Grossrat Stefan Hofer (Archivbild).

Wird von Parteikollegen für sein Engagement gegen Massentierhaltung kritisiert: Der Stadtberner SVP-Grossrat Stefan Hofer (Archivbild).

(Bild: Andreas Blatter)

Stephanie Jungo

Grüne Themen stehen zurzeit hoch im Kurs. Vor den Wahlen zeigen Politiker jeglicher Couleur, dass sie sich für Klima und Umwelt einsetzen. Auch der Stadtberner SVP-Grossrat Stefan Hofer: Er taucht auf als Unterstützer der Massentierhaltungsinitiative, die eine tierfreundlichere Landwirtschaft fordert.

Lanciert hat die Initiative der nationale Tierschutzverein Sentience Politics. Zahlreiche Tierrechtsorganisationen haben sich ihm mittlerweile angeschlossen. Als die Initiative Mitte September eingereicht wurde, hielt auch Stefan Hofer eine Rede. Seine Botschaft: Die Schweizer Landwirtschaft könnte und sollte ein Vorbild sein.

Wie passen ein SVP-Grossrat und eine Initiative von Tierschutzaktivisten zusammen? Innerhalb der SVP löst das Engagement von Hofer nicht nur Freude aus. Er habe einige kritische Rückmeldungen bekommen, sagt Hofer. Angefragte SVP-Exponenten zeigen sich verärgert über ihren Parteikollegen. Nicht jeder will sich zitieren lassen.

Der Tenor: Die Initiative entspricht nicht der Linie der SVP. «Eine Massentierhaltung, wie es die Initianten beschreiben, gibt es in der Schweiz schlicht nicht», sagt Hans Jörg Rüegsegger, SVP-Grossrat und Präsident des Berner Bauernverbands.

Die Beweggründe Hofers könne er sich nicht erklären. Ähnlich klingt es bei Erich Hess, der klar gegen die Initiative ist. «Einige SVP-Nationalräte haben sich mir gegenüber kritisch zum Engagement von Stefan Hofer geäussert», sagt er.

Grundsätzlich, so Hess weiter, stehe es allen SVP-Mitgliedern frei, für welche Themen sie sich einsetzen möchten. Dass sich Hofer ausge­rechnet ein Thema aussuche, das vor allem dem rot-grünen Lager Auftrieb verleihe, könne er nicht nachvollziehen.

Stefan Hofer selber lässt sich davon nicht beeindrucken. Einige Mitglieder der SVP hätten sich wohl zu wenig mit dem Inhalt der Initiative auseinandergesetzt, sagt er. «Die Forderungen sind nicht so extrem, wie manche vielleicht meinen.» Ihm gehe es um qualitativ gute Produkte und die Verdienstmöglichkeiten der Landwirte. Hofer folgert: «Massentierhaltung und die Schweiz passen nicht zusammen.»

Berner Zeitung

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