Vergewaltiger ziehen Berufung zurück

Drei junge Männer, die eine knapp 13-Jährige vergewaltigt haben, akzeptieren ihre Strafen.

Da die Angeklagten ihre Berufung zurückzogen, wurde das Urteil des Regionalgerichts rechtskräftig.

Da die Angeklagten ihre Berufung zurückzogen, wurde das Urteil des Regionalgerichts rechtskräftig.

(Bild: Keystone Peter Klaunzer)

Hans Ulrich Schaad

Der Fall liess vor einem Jahr fast niemanden im Saal kalt. Vor der Gerichtspräsidentin sass ein mittlerweile 14-jähriges Mädchen. Schluchzend erzählte es, was im April 2017 in der Agglomeration Bern passiert ist. Die damals knapp 13-Jährige war ein paar Tage zuvor aus einem Heim abgehauen und suchte nach Mitternacht eine Schlafgelegenheit. Auf einem Spielplatz traf sie auf junge Männer. Diese führten das Mädchen in einen nahe gelegenen Hobbyraum im Keller eines Mehrfamilienhauses.

Ausweglose Situation

Dort erlebte die junge Frau einen Alptraum. Nacheinander musste sie während über zweier Stunden mehrere Männer sexuell befriedigen, zum Teil ungeschützt. Sie habe sich nicht allzu gross gewehrt, gab sie vor Gericht zu Protokoll. Die Tür sei abgeschlossen, die Lage hoffnungslos gewesen, beschrieb sie.

Das Regionalgericht Bern-Mittelland verurteilte Ende August 2018 drei junge Männer, alle um die 20, wegen Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexueller Handlungen mit Kindern zu bedingten Gefängnisstrafen von 24, 20 respektive 18 Monaten. Zudem müssen sie dem Opfer eine Genugtuung von 35'000 Franken zahlen.

Die Männer hätten nur die eigene Befriedigung im Kopf gehabt. Der Alkohol habe enthemmt und das Hirn ausgeschaltet, fasste die Richterin zusammen. Es sei völlig abwegig, dass die junge Frau das wollte. Sie sei wie eine Sache behandelt worden. Der Staatsanwalt sprach von einem abnormalen, nicht nachvollziehbaren Verhalten.

Härtere Strafe möglich

Die Beschuldigten erklärten, dass die Jugendliche nicht Nein gesagt habe. Sie habe teilweise sogar aktiv mitgemacht. Zudem seien sie davon ausgegangen, dass das Mädchen älter sei. Sie selber hatte sich gegenüber ihnen als 15-Jährige ausgegeben. Die drei Männer zogen das Urteil ans Berner Obergericht weiter.

Diese Verhandlung war ab heute Dienstag angesetzt. Am Montag teilte das Obergericht mit, dass die drei Verurteilten ihre Beschwerde zurückgezogen haben. Weil der Staatsanwalt Anschlussberufung angemeldet hatte, drohte ihnen sogar ein härteres Urteil. Er hatte in erster Instanz Gefängnisstrafen von bis zu drei Jahren gefordert. Mit dem Rückzug ist das Urteil des Regionalgerichts rechtskräftig.

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