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Waldbesitzer schaffen ein Kässeli

Die Berner Waldbesitzer fahren fort in ihren Anstrengungen, Reiter, Radfahrer, Pilzler usw. für die Nutzung des Walds zur Kasse zu bitten. Sie haben am Freitag einen «Fonds für die Inwertsetzung von Erholungsleistungen» geschaffen.

Jeder Waldnutzer soll zahlen. Das fordern die Berner Waldbesitzer.
Jeder Waldnutzer soll zahlen. Das fordern die Berner Waldbesitzer.
Fritz Lehmann

Eigentlich gibt es den Fonds schon seit anderthalb Jahren, doch gab ihm der Verein der Berner Waldbesitzer BWB an seiner Hauptversammlung in Münsingen nun eine Grundlage: Die Mitglieder genehmigten ohne Gegenstimme ein Fondsreglement.

Der BWB verfolgt mit dem Fonds das Ziel, von den Nutzern des Walds eine Entschädigung für die Arbeit im Wald zu erhalten, von der eben auch Reiter, Radfahrer usw. profitieren. Lanciert wurde diese Debatte vom Geschäftsführer des BWB, als er in einem Zeitungsinterview von einer Waldvignette oder einem Waldpass sprach.

In den letzten Monaten schafften es die Waldbesitzer nicht, dieses Anliegen in die Revision des kantonalen Waldgesetzes einzubringen. Die Nutzer des Privatwalds - das sind 85 Prozent des bernischen Walds - sollen deshalb freiwillig in die Tasche greifen.

BWB will auf Organisationen zugehen

Der BWB will nun aktiv beispielsweise auf Tourismusorganisationen zugehen, um diese zu Zahlungen zuhanden den Fonds zu bewegen, falls sie den Wald für ihre Aktivitäten nutzen. Eine Firma tut dies bereits, wie BWB-Geschäftsführer Stefan Flückiger am Freitag in Münsingen sagte.

Es ist die Elektroveloherstellerin Biketec, welche eine sogenannte «Herzroute» für Touren mit ihren «Flyern» ausgeschildert hat. Diese Touren führen auch über Waldstrassen. Biketec-Chef Kurt Schär war Mitgründer des genannten Fonds.

Ob der BWB Erfolg hat mit dem Fonds, ist allerdings auch BWB- intern umstritten. Vizepräsident Fritz Ruchti sagte am Freitag vor den BWB-Mitgliedern, er glaube nicht, dass je jemand freiwillig Geld für die Nutzung des Walds aufwerfen werde.

BWB-Geschäftsführer Stefan Flückiger sagte dazu am Rand der Versammlung: «Das hat man bei den Robidogs und im Langlauf zuerst auch gesagt. Wir werden sehen». Zentral sei, die öffentliche Diskussion um die Abgeltung der Waldpflege im Gang zu behalten.

Das sei eine Voraussetzung dafür, dass die angestrebten Vereinbarungen mit Tourismusorganisationen zustande kämen. Der BWB hat auch schon eine Waldvignette entwerfen lassen und könnte sie laut Flückiger rasch in Druck geben, wenn plötzlich ein Interesse vorhanden wäre.

Falls der Fonds «Wald und Tourismus» dereinst einmal gefüllt sein sollte, könnte laut Reglement das Geld wie folgt verwendet werden: Für Entschädigungen an Waldbesitzer, die etwas für die Erholungsfunktion des Waldes tun. Dazu kommen Marketingmassnahmen sowie Zahlungen für die Aufwertung von Erholungseinrichtungen.

Eine Kommission wird den Fonds verwalten. Das Wort «Waldvignette» oder «Waldpass» kommt im Reglement nicht vor.

Knappe Mehrheit befürwortet Waldzertifizierung

An der Versammlung sprach sich eine knappe Mehrheit der Waldbesitzer für die Fortsetzung der Zertifizierung von Wald aus. 32'000 Stimmen gingen für die Fortsetzung ein, 28'000 dagegen, 26'000 Stimmen waren Enthaltungen. Es handelte sich um eine Konsultativabstimmung.

Der Vorstand des BWB wollte der Basis in dieser Frage den Puls fühlen, weil die Waldzertifizierung teuer ist und dem Verein einen Verlust in der Jahresrechnung beschert hat. Dies bei stetig sinkenden zertifizierten Waldflächen im Kanton.

BWB-Präsident Erich von Siebenthal sagte, der Vorstand werde nun das weitere Vorgehen besprechen.

SDA/cls

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