Weil 36 Studierende einspringen, gibt es keine Lücke

Der Lehrermangel hält die Erziehungsdirektion auf Trab. Im neuen Schuljahr sind alle vakanten Stellen besetzt.

Weil 36 Studierende einspringen, konnten im Kanton Bern für das kommende Schuljahr alle Stellen besetzt werden.

Weil 36 Studierende einspringen, konnten im Kanton Bern für das kommende Schuljahr alle Stellen besetzt werden.

(Bild: iStock)

Stefan von Bergen@StefanvonBergen

Auf den letzten Drücker haben es die Bildungsbehörden noch einmal geschafft: Wenn am Montag im Kanton Bern das neue Schuljahr beginnt, wird in jedem Klassenzimmer der Volksschule eine Lehrerin oder ein Lehrer stehen. Das verkündete am Donnerstag die erleichterte Berner Erziehungsdirektorin Christine Häsler (Grüne) vor den Medien. Anfang Juli waren wegen akuten Lehrermangels noch 15 Lehrstellen unbesetzt gewesen.

Geburtenzahl legt zu

Dass jetzt keine Lücke mehr klafft, verdankt die Erziehungsdirektion (ERZ) auch 36 noch nicht diplomierten Studierenden der Pädagogischen Hochschule (PH) Bern, die als Teilzeitkräfte einspringen.

Die PH startet in diesem Sommer überdies ein Pilotprojekt: Studierende können das Lehrdiplom neu in vier statt drei Jahren erwerben und in den letzten zwei Jahren schon studienbegleitend unterrichten. Zur Verfügung stehen überdies 73 pensionierte Lehrkräfte, die sich nach einem Aufruf der ERZ bereit erklärten, ins Schulzimmer zurückzukehren.

Ausgestanden ist der Lehrermangel im Kanton Bern damit nicht. Christine Häsler teilte am Donnerstag nämlich mit, dass die Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler in Kindergärten und der Volksschule weiterhin markant ansteigt. Im neuen Schuljahr sind es rund 106'000 im ganzen Kanton. Vor Jahresfrist waren es noch 104'800. Von 2000 bis 2009 lag die durchschnittliche Geburtenrate im Kanton Bern bei 8'770, in den letzten fünf Jahren aber schon bei 9'830 Kindern.

Die Folge: Die Zahl der Schülerinnen und Schüler in der Volksschule wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen, ebenso die Zahl der Schulkassen. Das ist ein Hauptgrund für den Lehrermangel.

Hinzu kommt, dass eine grosse Gruppe von Lehrkräften aus den geburtenstarken Jahrgängen in die Pension übertritt. Ein dritter Treiber: Durch die Einführung des Lehrplans 21 hat sich die Zahl der Wochenlektionen erhöht.

Motion für höhere Löhne

Dass die Schulleitungen verzweifelt nach Lehrkräften suchen, hat auch mit den im Kantonsvergleich tiefen Berner Löhnen auf der Unterstufe zu tun. Die Evangelische Volkspartei (EVP) möchte diese nun anheben. In einer im Grossen Rat eingereichten Motion fordert sie vom Regierungsrat, die Primarlehrkräfte von Gehaltsklasse 6 auf 7 hochzustufen.

Die EVP geht gar über diese nicht neue Forderung hinaus und will eine Erhöhung auf die Gehaltsklasse 8 in die Finanzplanung aufnehmen. Der Vorstoss könnte es in dieser Deutlichkeit schwer haben. Bis jetzt hat der Grosse Rat aus Spargründen eine kollektive Lohnerhöhung aufgeschoben. Sie würde den Kanton 18 und die Gemeinden rund 7 Millionen Franken kosten.

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