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Weniger Sozialhilfe-Bezüger – Deutlich höhere Kosten

Die Zahl der Sozialhilfe-Bezüger im Kanton Bern ist 2012 leicht zurückgegangen. 49'835 Menschen waren auf Sozialhilfe angewiesen, etwa 400 weniger als im Vorjahr.

Sozialhilfe im Kanton Bern: Weniger Bezüger, aber höhere Kosten.
Sozialhilfe im Kanton Bern: Weniger Bezüger, aber höhere Kosten.
Patric Spahni

Im Kanton Bern ist die Zahl der Sozialhilfe-Bezüger im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Das zeigt ein am Freitag publizierter Bericht der Fürsorgedirektion. Der Trend wird sich aber kaum fortsetzen, befürchten Sozialarbeiter.

Im Gegenteil: Die jüngsten Sparbeschlüsse des Grossen Rates drohen die Sozialhilfekosten wieder in die Höhe zu treiben, wie der Fachverband BKSE schreibt. Die Kürzungen bei der Verbilligung der Krankenkassenprämien könnte Menschen in die Sozialhilfe treiben, ebenso die Leistungsreduktionen bei Spitex und psychiatrischer Versorgung.

Nettokosten gestiegen

2012 waren kantonsweit 49'835 Menschen auf Sozialhilfe angewiesen, etwa 400 weniger als im Vorjahr. Die Sozialhilfequote sank damit geringfügig auf 5,03 Prozent.

Die Nettokosten in der individuellen Sozialhilfe sind demgegenüber massiv gestiegen – um fast 18 Prozent auf 442 Millionen Franken. Die Kostensteigerung ist allerdings grösstenteils systembedingt, wie dem Bericht zu entnehmen ist.

Denn ein Teil der Prämienverbilligungen werden - gemäss Beschluss des Grossen Rates - neuerdings über den Lastenausgleich Sozialhilfe verbucht. Das führte zu einer Kostenverlagerung von der Justiz-, Kirchen- und Gemeindedirektion zur Fürsorgedirektion. Zudem wurde auf Anfang 2012 ein Teuerungsausgleich gewährt.

Working Poor

Drei von zehn Sozialhilfe-Empfängern über 15 Jahre sind erwerbstätig, wie der Bericht zeigt. Von ihnen arbeitet fast ein Drittel Vollzeit, verdient aber zu wenig, um den Lebensunterhalt selbständig zu finanzieren («Working Poor»).

«Die Lohnstruktur scheint im Kanton Bern ein Problem zu sein», stellt der Fachverband BKSE dazu fest. Für ihn zeigt der Bericht generell, dass die Sozialhilfe zwar effizient arbeitet und die Beschäftigungs- und Integrationsprogramme erfolgreich sind.

Trotzdem dauere es immer länger, bis die Klienten wieder wirtschaftlich selbständig seien. Die durchschnittliche Unterstützungsdauer betrage inzwischen bereits mehr als neun Monate.

Mehr als Nothilfe

Aufgrund der Revisionen bei Invaliden- und Arbeitslosenversicherung habe sich die Sozialhilfe von der kurzfristigen Nothilfe weg und hin zur längerfristig nötigen Existenzsicherung entwickelt, schreibt der Fachverband.

Betroffen seien davon leider zu einem grossen Teil Alleinerziehende sowie Kinder und Jugendliche. Im Jahr 2012 waren rund ein Drittel der Sozialhilfe-Bezüger Kinder und Jugendliche.

(SDA)

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