Zum ersten Mal haben alle Berner Gemeinden ein finanzielles Polster

Kanton Bern

Es war für die Berner Gemeinden ein gutes Jahr: Ende 2017 wies keine Kommune einen Bilanzfehlbetrag auf. Das ist nicht etwa dem neuen Rechnungslegungsmodell zu verdanken.

Die Berner Gemeinden generieren einen Ertragsüberschuss von durchschnittlich 88 Franken je Einwohner. (Im Bild Steffisburg)

Die Berner Gemeinden generieren einen Ertragsüberschuss von durchschnittlich 88 Franken je Einwohner. (Im Bild Steffisburg)

(Bild: Christoph Gerber)

Béatrice Beyeler

Es ist eine Erfolgsnachricht, welche der Kanton vermelden kann: Zum ersten Mal seit Beginn der Datenerhebung vor 25 Jahren wies Ende 2017 keine einzige der noch 351 Gemeinden im Kanton Bern einen Bilanzfehlbetrag auf. Jede Kommune verfügte also über ein finanzielles Polster in Form von Eigenkapital. «Das Jahr 2017 war für die Gemeinden ein gutes Jahr», titelt die Gemeindedirektion denn auch in ihrer Medienmitteilung. Der Kanton erhebt die statistischen Daten zur Finanzlage der Gemeinden jedes Jahr. Da das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) diese noch analysiert und kommentiert, erscheinen die Berichte jeweils um ein Jahr versetzt.

Das Eigenkapital der Berner Gemeinden wuchs 2017 um 5,6 Prozent. Die Ergebnisse der Jahresrechnungen wiesen erneut ein Plus auf, und zwar in Höhe von 88 Franken pro Einwohnerin und Einwohner. Der grösste Aufwandposten war nach wie vor die Soziale Sicherheit mit knapp 1700 Franken pro Einwohnerin und Einwohner.

Da die Berner Gemeinden ihre Rechnungen 2017 bereits zum zweiten Mal nach dem neuen Rechnungslegungsmodell HRM2 führten, lässt sich nun erstmals ein Vergleich ziehen: Das bereits gute Vorjahresergebnis von 75 Franken pro Kopf konnte um 13 Franken übertroffen werden.

Vom Schock erholt

«Die Entwicklung ist nicht der Einführung von HRM2, sondern der guten Wirtschaftslage zu verdanken», betont Iris Markwalder, Leiterin Gemeindefinanzen beim AGR. Ein solches Resultat wäre bei gleicher Wirtschaftslage auch mit dem alten Rechnungslegungsmodell möglich gewesen. Die Wirtschaft habe sich vom Frankenschock erholt, und in der Folge sei auch der Steuerertrag bei den Gemeinden wieder angestiegen. Die Steuereinnahmen legten um drei Prozent zu und betrugen knapp 2800 Franken pro Einwohnerin und Einwohner. «Das macht rund ein Drittel der gesamten Einnahmen aus», sagt Markwalder.

Steuern gesenkt

41 Gemeinden haben 2017 ihre Steueranlage geändert, 26 von ihnen veranlassten dabei eine Senkung. Die mittlere Steueranlage blieb 2017 unverändert bei 1,74 – die tiefsten Anlagen finden sich im Verwaltungskreis Oberaargau, während sie im Berner Jura am höchsten ausfallen. In den letzten Jahren zeigt sich eine Konzentration zur Mitte hin: Fast drei Viertel aller Berner Gemeinden haben eine Steueranlage zwischen 1,60 und 1,99.

Die zurückhaltende Investitionstätigkeit der Gemeinden habe ebenso zum guten Resultat beigetragen, führt die Leiterin Gemeindefinanzen weiter aus. Wohl aus Vorsicht hätten die Kommunen wenig Geld ausgegeben – was weniger Abschreibungen zur Folge hat. Ein Investitionsstau sei deswegen aber nicht zu befürchten, beruhigt Markwalder.

Auch für 2018 und das laufende Jahr rechnet sie mit guten Abschlüssen. Eine Prognose für die weitere Zukunft sei indes schwierig. Weil aber etwa die Investitionstätigkeit der Gemeinden wieder zunehmen dürfte, könnte es sich nur um kurzfristige positive Ergebnisse handeln.

Im unteren Drittel

Dass der Fusionsdruck gerade auf kleine Gemeinden durch die gefüllten Kassen abgenommen hat, lasse sich nicht von der Hand weisen. «Die Finanzen sind aber nicht der einzige Grund für einen Zusammenschluss», betont Markwalder. Sie führt etwa die Schwierigkeiten, Behörden- und Verwaltungsstellen zu besetzen, ins Feld.

Weniger rosig hingegen schnitten die Berner Gemeinden auch 2017 im interkantonalen Vergleich ab. Beim Selbstfinanzierungsgrad rangiert der Kanton Bern im unteren Drittel. Dies, weil der Ertragsüberschuss noch nicht ausreiche, um eine gute Selbstfinanzierung von durchschnittlich 100 Prozent zu erreichen. «Das liegt an der wirtschaftlichen Struktur unseres Kantons», erklärt Markwalder. Beim AGR sei man sich durchaus bewusst, dass trotz des guten Resultats längst nicht alles im grünen Bereich liege.

Berner Zeitung

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