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Karl Schranz – «grösster Skifahrer aller Zeiten»

«Wengen ist meine zweite Heimat», sagte Skilegende Karl Schranz bei unserem

Lauberhornrennen, das ist Naturkulisse pur: Eiger, Mönch, Jungfrau, Hundschopf, gepaart mit spannendem Skisport. Dazu gehören aber auch die legendären Köpfe, die Skigeschichte geschrieben haben. Einer von ihnen ist Karl Schranz (73). Viermal gewann er die «Hore»-Abfahrt (1959, 1963, 1966, 1969) und zweimal die Kombination (1965 und 1966). OK-Präsident Viktor Gertsch nennt ihn den «König vom Lauberhorn». Österreicher? «Zuerst bin ich St.Antoner, dann Tiroler und erst dann Österreicher», sagt der erdverbundene Arlberger bei unserem Besuch in seinem Viersternhotel «Karl Schranz» in St.Anton. «Aber: Wengen ist meine zweite Heimat.» In drei Stunden fährt der «Löwe vom Arlberg», wie er auch genannt wird, von seinem Wohnort nach Lauterbrunnen. Und: «Solange mich die Bähnler nach Wengen hinauf immer noch erkennen, ohne auf die Billettkontrolle zu pochen, so lange komme ich zum Rennen», meint Schranz. Die Fahrkarte wird ihm jeweils mit der Einladung zugestellt. Von Adolf Ogi gewürdigt Adolf Ogi als Sportgesandter der Vereinten Nationen würdigte den Arlberger anlässlich seines 70.Geburtstags in St.Anton als den «grössten Skifahrer aller Zeiten» mit einer Urkunde. Karl Schranz ist seit über einem halben Jahrhundert mit dem Skisport eng verbunden. Ein Erlebnis vor fünfzig Jahren bleibt dem Schreibenden als damaligem Torwart in lebendiger Erinnerung: 1961 in Mürren, Slalomhang am Kandahar-Rennen: Ein schlecht gewachsener Haselstock – die Krümmung neigt leicht in die Piste hinein. Prompt fädelt ein Österreicher ein Das Donnerwetter vom Pistenrand folgt sogleich: «He, Torwart – stecke die Stange besser ein!» Es war der polternde Schranz. Torwart Ryter korrigiert. Trotzdem, die Bewunderung für den «besten Skifahrer aller Zeiten» bleibt ihm lebenslang erhalten. Das Kandahar-Budget von 1961 betrug laut Balz Spörri 35000 Franken. Im Vergleich: Fürs Lauberhorn 2012 werden sechs Millionen Franken budgetiert. Die traditionelle Arlberg-Kandahar-Rennserie wurde später durch den von Serge Lang gegründeten Weltcup abgelöst. Die Olympischen Winterspiele 1972 in Sapporo standen im Brennpunkt des Arlbergers und auch der skigeschichtlichen Entwicklung. Der aufmüpfige Schranz wurde als Einziger in einem Theatercoup wegen Verstosses gegen die damaligen heuchlerischen und nicht mehr zeitgemässen olympischen Amateurregeln kurzfristig vom Start ausgeschlossen. Das Beispiel vom Lauberhornrennen zeigt, dass die Kommerzialisierung und das Skimarkendenken bereits in den 60er-Jahren der gängigen Praxis entsprach. Schranz erinnert sich an seinen väterlichen Freund aus Meiringen: «Am Vorabend des Rennens kam Gladi, Arnold Glatthard, Generalimporteur der erfolgreichen Kneissl-Ski, zu mir und sagte: ‹Es würde mich freuen, wenn du morgen auf Kneissl-Ski siegen würdest.›» Olympiagold fehlt Wie war es damals 1972 mit der Schranz-Sperre und der Abfahrtsgoldmedaille von Bernhard Russi? «Ja, hätte der ‹Koarl› die Goldmedaille 1972 heimgebracht, wenn nicht der greise Branditsch, der höchste Olymper, der Spielverderber gewesen wäre?» Bei dieser Frage kommt Feuer ins Foyer des Hotels «Karl Schranz». Die unzähligen hier postierten Pokale kommen fast zum Erzittern. Der Zeitgeist der ebenfalls schmuck ausgestellten Erinnerungsbilder, Promis von Lilo Pulver bis zur Königin Elisabeth von England und dem Boxer Joe Luis, wird förmlich spürbar. Schranz, ganz der «Löwe vom Arlberg», beteuert: «Ja, ich hätte gewonnen – sag das nur deinem Ogi! Warum? Die Trainingsbestzeiten und die auf mich zugeschnittene riesenslalomähnliche obere Strecke am Mount Eniwa sprachen für mich. Ebenso habe ich vorgängig in Kitzbühel gesiegt», rechtfertigt sich die Skilegende. Was sagen die damals erfolgreichen Schweizer dazu? «Das ist eine hypothetische Frage», liess Russi in einem früheren Gespräch verlauten. «Mitentscheidend war auch das Material» sagt Adolf Ogi. «Speziell der Rossignol-Ski versprach in dieser Zeit Erfolg.» Fakt ist: Mit seriöser Arbeit schuf der damalige Delegationschef Ogi das erfolgreiche Umfeld für die goldenen Schweizer Tage von Sapporo. Immerhin, Schranz zeigte Grösse im sportlichen Unrecht. Er gratulierte Russi per Telegramm: «Dein Lauf war fantastisch. Ich gratuliere zu diesem grossen Sieg.» Ein Adelbodner? «Meine Vorfahren sind aus der Schweiz ins österreichische Pitztal eingewandert», erzählt Karl Schranz gegenüber dieser Zeitung. Woher? (Fuss-)Spuren hat der Karli im Lohnerdorf hinterlassen. 1970 siegte er am Chuenisbärgli und denkt gerne an diese Zeit mit Fred Rubi zurück. Anwohner Gody Schranz erinnert sich noch bestens an den Tiroler, wie er aktuell auf TeleBärn berichtete. Er habe jeweils vor dem Start die Strecke zu Fuss von unten nach oben erkundet. Keine heimatlichen Wurzeln führen jedoch ins Engstligental zurück. Das hat der versierte Heimatkundler Christian Bärtschi auf unsere Anfrage festgestellt. Samuel Ryter>

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