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«Keiner hat einen Schritt auf den andern zugemacht»

Der Untersuchungsbericht des Kantons zum Belpberger Schulkonflikt liegt vor. Mängel zeigt er vor allem in Sachen Kommunikation auf. Eltern wie Lehrer

Der Kanton schiebt niemandem die Schuld in die Schuhe. Der Untersuchungsbericht zum Fall Belpberg stellt grundsätzliche Kommunikationsprobleme zwischen den Eltern und dem Lehrer ins Zentrum. «Es wäre falsch, von einer Eskalation oder Schuld zu sprechen», sagt Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne). Bei Streitigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich würden alle Betroffenen ihren Teil dazu beitragen. Auf dem Belpberg hatten besorgte Eltern an der Gemeindeversammlung im Dezember gefordert, die Unterrichtsweise des Mittelstufenlehrers zu prüfen. Der Streit um dessen Fähigkeiten eskalierte, der Lehrer liess sich dispensieren (wir berichteten). Die Erziehungsdirektion hat danach Schulinspektor Marcel Fuchs beauftragt, den Konflikt zu untersuchen. Nun liegt das mehrseitige Dokument vor. Aus Datenschutzgründen wird es aber nicht öffentlich gemacht. Fehler auf beiden Seiten Der Bericht habe das zu Tage gebracht, was den beteiligten Personen schon bekannt war, sagt Pulver. Und zwar, dass neben dem Kerngeschäft des Unterrichtens die Information, Kommunikation und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern zentrale Elemente seien. «Dass diese im Fall Belpberg ungenügend vorhanden waren, war der eigentliche Auslöser für den Konflikt.» Das Vertrauensverhältnis sei gestört gewesen. Pulver nimmt beide Parteien in die Pflicht: Am betroffenen Lehrer sei zwar fachlich nichts auszusetzen, er habe jedoch seine Kommunikationspflicht nicht erfüllt. Konkrete Beispiele will der Erziehungsdirektor aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht nennen. Die Eltern auf der anderen Seite hätten auch «nicht nur deeskalierend» reagiert. «Keiner hat einen Schritt auf den andern zu gemacht, so war die Situation ziemlich verfahren.» Die Vorwürfe der Eltern, der Lehrer habe die Aufsichtspflicht verletzt, zu wenig Autorität gezeigt oder Schüler diskriminiert, hat der Bericht nicht bestätigt. Manko bei Behörden Ebenfalls beleuchtet hat Schulinspektor Fuchs die Rolle der Behörden. Diese hätten «keine nachweisbaren Fehler begangen», sagt Pulver. Schulleitung und Schulinspektor hätten vieles unternommen, um den Konflikt zu klären. «Vielleicht hätte aber noch mehr gemacht werden können. Letztlich sind es Laienbehörden, die gelegentlich an ihre Grenzen stossen.» Der kantonale Berufsverband der Lehrerinnen und Lehrer (Lebe) forderte vom Kanton, aus dem Fall Belpberg Lehren für den ganzen Kanton zu ziehen. Für Bernhard Pulver ist der Fall aber nicht wegweisend. «Er ist zu speziell und eignet sich nicht für allgemein gültige Ableitungen zur Zusammenarbeit Lehrern–Eltern.» Das sieht Lebe-Mediensprecher Michael Gerber anders. «Wir hätten keine Forderungen gestellt, wenn das ein Einzelfall wäre.» An vielen anderen der 600 Schulen im Kanton würden latent ähnliche Probleme herrschen. Lebe werde mit Bernhard Pulver nochmals das Gespräch suchen. Dass auch Lebe den Bericht nicht einsehen darf, bedauert Gerber. «Er hat gerne unterrichtet» Auf dem Belpberg ist es ruhiger geworden. Doch für Gemeindepräsident Fritz Tschirren (parteilos) ist die Sache noch nicht vom Tisch. Er wolle bald ein weiteres Gespräch mit den Eltern führen, um die Wogen zu glätten. Derzeit wird die Klasse von einem Stellvertreter unterrichtet. Für das neue Schuljahr sucht die Gemeinde nun eine neue Lehrkraft. Klar ist: Der bisherige Lehrer kehrt nicht zurück. Der 59-Jährige versucht, in einer anderen Gemeinde eine Arbeit zu finden. Fritz Tschirren sagt dazu: «Er möchte sicher Lehrer bleiben. Er hat immer gerne unterrichtet.» Simone Lippuner>

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