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Kleider machen Leute. Hüte genauso

bätterkindenDas grosse Jubiläum wirft seine Schatten voraus: Eveline Rinaldi und ihre Kolleginnen möchten, dass die Leute gediegen eingekleidet am Fest auftauchen.

So viele Hüte! Hier ein Dreispitz venezianischer Machart für den strammen Herrn, da ein lachsfarbener Rundhut mit Schleier für die noble Dame – oder darfs am Ende nur ein einfacher Strohhut in den Grundfarben Rot und Grün sein? Oder vielleicht nicht doch lieber ein stilvoller kleiner Zylinder in edlem Königsblau, wie ihn im vorletzten Jahrhundert auch Kaiserin Sissi aus Österreich getragen hätte? Eveline Rinaldi redet sich in Fahrt, derweil sie immer wieder in die Auslage auf dem Tisch nebenan greift und noch einen Hut zur Hand nimmt. Seit Jahr und Tag ist das schöne Kleid mit dem passenden Accessoire, ist der schöne Auftritt schlechthin ihr Beruf – und vor allem auch ihre Leidenschaft. «Ich nähe, seit ich denken kann», sagt die Kostümbildnerin aus Bätterkinden. Für das grosse Fest, mit dem ihr Dorf in einer Woche den 750.Geburtstag begeht, hat sich Eveline Rinaldi etwas Besonderes vorgenommen. Gemeinsam mit drei weiteren Frauen ruft sie dazu auf, sich für den Jubiläumsakt vom Sonntag und am liebsten gleich auch noch für das bunte Markttreiben tags zuvor schön herauszuputzen. Und eben für einmal auf die uniforme Kombination von Jeans, Hemd oder T-Shirt zu verzichten und sich dafür «vielfältig, bunt, interessant und einmalig» zu zeigen. So steht es in einem Aufruf, mit dem die vier das Dorf für ihr Projekt gewinnen wollen, denn: «Um einer Feier einen würdigen, besonderen Rahmen zu geben, zieht man sich dementsprechend an.» Das sei «in vergangener Zeit so üblich» gewesen – und auch heute nicht wesentlich anders. Riesiger Kleiderfundus Noch ist das Echo sehr verhalten. Einen Nachmittag und Abend lang hat sich Eveline Rinaldi mit ihren Frauen schon in der Schulanlage Dorfmatt bereitgehalten, um Tipps für die Wahl des richtigen Kostüms zu geben, doch gekommen sind nur einzelne. Das ist nun, beim zweiten Mal, nicht viel anders – warum wohl diese Zurückhaltung? «Viele scheinen nicht den Mut zu haben, sich einmal auf eine andere, ungewöhnliche Art zu zeigen», mutmasst die Kostümbildnerin. Dabei, fährt sie fort und gerät wieder ins Schwärmen, gäbe es doch so viele Möglichkeiten. Wie wärs zum Beispiel mit einem Ensemble aus der grossen Zeit des Bürgertums im 19.Jahrhundert, der Herr in Kniebundhose, dazu eine schöne Dame und vielleicht gar noch ein Dienstmädchen dazu? Oder mit einem kurzen Rock aus den 1950er-Jahren mitsamt bauschig weitem Petticoat darunter? Oder mit einem Outfit aus den Weiten der amerikanischen Prärie? Der Fantasie seien keine Grenzen gesetzt, betont Eveline Rinaldi, und weil sie zu Hause über einen Kleiderfundus von mittlerweile mehreren Tausend Stück verfüge, lasse sich ja sehr viel machen. Perücke vom Coiffeur «Es kann auch sein», fügt sie an, «dass jemand den eigenen Cowboyhut trägt, ihn ganz klassisch mit Jeans und Karohemd ergänzt und bei mir nur den passenden Gürtel holt.» Ohnehin seien bislang grösstenteils nur Beratungen nötig gewesen. Eveline Rinaldi erzählt von einem Paar, Mutter und Tochter, die am Fest Tracht tragen werden und nicht sicher waren, ob der alte Wagen und die alten Puppen, die sie dann dabei haben wollen, überhaupt passen. Oder von jener Frau, die sich eigens fürs Fest vom Coiffeur eine Perücke aufsetzen lässt und dann als Marktfrau unter die Leute geht – ob das vorgesehene Kleid wohl passe? Plötzlich tauchen doch noch Interessierte auf. Günter Hempen und Carola Buri werden am Jubiläumsakt dafür sorgen, dass alle Beteiligten zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Entsprechend gediegen soll ihr Auftritt sein, doch noch ist unklar, ob er einen Frack oder einen Smoking und sie einen langen oder einen kurzen Rock trägt. So viel macht die Kostümbildnerin aber gleich klar: Frack und kurzer Rock, nein, das geht definitiv nicht. Frack und langer Rock Schliesslich fällt der Entscheid zugunsten von Frack und langem Rock, und nun gilt es noch, Mass zu nehmen. Derart ausgerüstet, wird sich Eveline Rinaldi zu Hause auf die Suche nach den passenden Grössen machen und eine Auswahl vorlegen. In einer halben Woche, so macht man ab, sieht man sich zu diesem Zweck wieder.Stephan Künzi>

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