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Knallen Feuerwerke, leiden die Hunde

Zum 1.August gehört

«Vor allem für Hunde und Katzen sind die Knallereien am 1. August jeweils ein Riesenproblem», weiss Tierarzt Andreas Löhrer von der Kleintierpraxis und Tierklinik in Interlaken. Auch Löhrer kann dem Explodieren von Feuerwerk und Knallkörpern oder Petarden nichts abgewinnen. Für viele Tiere, die ein viel sensibleres Hörvermögen besitzen als Menschen, bedeutet dies Stress pur und löst Panik aus. Zum Schutz Kopfhörer tragen oder die Ohren verstopfen, ist keine Lösung: Die Tiere fühlen sich damit nicht wohl und wehren sich dagegen. Flucht ins Ausland «Ein Patentrezept gegen die Lärmbelästigung gäbe es nicht, sagte der Tierarzt, der privat Hirtenhunde züchtet und sie schon ab der ersten Lebenswoche mit Geräuschen in Kontakt bringt, um die Hundebabys an Lärm zu gewöhnen. Wie viele andere Hundehalter weiche auch er jeweils am 1. August für kurze Zeit ins grenznahe Ausland aus, erklärte Andreas Löhrer. Auch Hundebesitzerin Andrea Mona aus Matten flüchtet mit der hochsensiblen Labradorhündin Terza alljährlich für einen ganzen Tag in den Schwarzwald. «Dort ist man sehr hundefreundlich, und es ist ruhig», erklärt sie. Die Angst nimmt zu «Die ärgerliche Knallerei wird immer schlimmer und beschäftigt uns von Jahr zu Jahr mehr», gibt Andreas Löhrer zu bedenken. Und: «Es gibt viele hypersensible und traumatisierte Hunde, die in wachsendem Ausmass unter Schreckhaftigkeit leiden.» Es werde zurzeit abgeklärt, ob Erbanlagen als Ursache mitspielten, so Löhrer. Auch Hanspeter Frutigers Hündin Leila bekommt Panik, fängt an zu zittern und versteckt sich, wenn es knallt. «Mein Hund bleibt daheim, und alle Fenster und Läden sind zu», sagt der Interlakner. Es sei nicht richtig, dass einige Hundehalter ihre Tiere mit ans Feuerwerk nähmen und sie damit quälten. Beruhigungsmittel Paste Die Tierklinik gibt als leichtes Beruhigungsmittel unter anderem eine Paste an Tierhalter ab. «Diese Paste verdeckt aber nur die Symptome der Angst und behebt die Ursache nicht», erklärt Andreas Löhrer. Beruhigungsmittel sollten ausprobiert werden, bevor man sie im Ernstfall anwendet, weil die Reaktionen sehr unterschiedlich sein können. Auch angstlösende Mittel oder Pheromone (Botenstoffe) können laut dem Tierarzt in bestimmten Fällen helfen. Manche Hundehalter hätten Erfolge mit Bachblüten oder homöopathischen Mitteln. Julia Hüss aus Beatenberg, Tiergehilfin im 2.Lehrjahr in der Tierpension Lanzenen, hat folgende Tipps: «Hunde suchen enge, höhlenartige Zufluchten. Am besten setzt man sie in eine Box und bringt sie in einen kühlen, dunklen Keller. Weiter legen wir Tücher über die Hundeboxen, lassen das Radio laufen und stellen den Tieren Wasser bereit. So überstehen die Hunde den Lärm gut.» Auch Katzen jammern Die Tiergehilfin in Ausbildung weiss, dass auch andere Vierbeiner unter der Knallerei der Feuerwerkskörper leiden. «Katzen nehmen wir nachts ins Haus. Denn sie reagieren draussen panischer. Dunkelheit oder Boxen brauchen Katzen nicht, aber es dürfen keine spitzen Gegenstände herumliegen, an denen sich die Tiere in Panik verletzten könnten». sagt Julia Hüss. Zur Beruhigung wird in der Tierpension die Paste vom Tierarzt, mit Honig vermischt, an die Tiere verabreicht. Jedoch: «Die Paste wirkt nicht sonderlich stark», sagt Julia Hüss. Auch der Interlakner Landwirt Daniel Balmer kennt das Problem der erschreckten Tiere: «Erstaunlicherweise macht der Krach den Kühen und Hühnern weniger. Geplagt sind unsere Hunde und Katzen, die müssen wir ins Haus nehmen und vor dem Lärm schützen.» Der Schweizer Tierschutz schreibt in seinem Merkblatt «Nichts für feine Ohren» über Nutz- und Wildtiere: «Nebst Schweinen, Kühen und Schafen reagieren besonders Pferde und Wildtiere empfindlich auf plötzliche Lärmquellen. Die Tiere können sich bei einer Fluchtreaktion erheblich verletzen. Strassenunfälle können eine der Folgen sein.» Knallerei nur am 1. August Im Anzeiger forderte denn die Einwohnergemeinde Interlaken: «Das Abbrennen von knalligem beziehungsweise Lärm verursachendem Feuerwerk ist nur am Nationalfeiertag, 1.August, gestattet». Als Alternative bietet sich Feuerwerk ohne Knalleffekte an. Monika Hartig/sum >

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