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Kopfweh statt kosmische Energien

In Zollikofen laden zwei Geistheiler zu einem

Mit ein, zwei Zentimetern Abstand legt der Geistheiler seine Hände über den Kopf des Klienten. Dann berührt er dessen Schultern, später den Rücken. Die Behandlung dauert fünf Minuten. Der Journalist langweilt sich ein bisschen. Das Kopfweh, das ihn seit Stunden plagt, hält an. In Zollikofen hat das «Das Zentrum – ein Ort der Begegnung und Lebensgestaltung» zu einem Abend der Geistheiler eingeladen. Hinter dem Zentrum steht Marietta Keller (62). In früheren Büroräumen an der Buchsstrasse 9 leitet sie unter anderem Engelseminare und mediale Zirkel. Sie selbst versteht sich als spirituelle Heilerin und psychologische Beraterin. Heiler Kurt bleibt anonymAn diesem Abend arbeitet sie mit Kurt zusammen. Kurt ist ausgebildeter Geistheiler. Er hat eine hohe Position in der Bundesverwaltung. Deshalb will er anonym bleiben. Neben der Heilerin und dem Heiler sitzen vier Besucher im Kreis, eine Frau, drei Männer. Ausser dem Journalisten haben alle Erfahrungen mit spirituellem Heilen. Der Journalist bleibt ein Aussenseiter. Der Abend beginnt mit einer Vorstellungsrunde. Die drei Gäste schimpfen über die Pharmaindustrie und den Impfzwang und loben Homöopathie und die traditionelle chinesische Medizin. Und natürlich vertrauen sie «jenen Kräften, die uns zufliessen». Geistheiler Kurt («Wir duzen uns doch») wehrt ab. Er könne bloss unterstützen und nicht den Arzt und die Schulmedizin ersetzen. Die Hirnhälften streiten Geistiges Heilen geht davon aus, dass jeder Mensch mit unsichtbaren Energien verbunden ist. Kosmische Phänomene beeinflussen dieses System. Ein Schöpfer, Gott oder eine andere Kraft, reguliert es. Wenn der Fluss der Energien gestört ist, kann ihn der Heiler aktivieren oder harmonisieren. So erklärt es Kurt. Es bleibt eine Glaubensfrage: Wer Aussersinnliches akzeptiert, steigt ein. Wer nur Erklärbares toleriert, bleibt draussen. Der Journalist hat ein Bein drinnen, das andere draussen. Seine beiden Hirnhälften quatschen durcheinander. Die rechte, für Emotionales zuständig, sagt: Ja, mach mit. Die linke streitet fürs Rationale und ruft: Humbug. Zu sich selbst gelangen Der interne Disput im Kopf stört den Journalisten auch bei der Einstiegsrunde, bei der es darum geht, zu sich selber zu gelangen. Selber finden? Das Vokabular ist bekannt. So spricht man beim autogenen Training, beim Ausdruckstanz und beim Meditieren. Auch die Übungen überraschen nicht. Marietta Keller fordert auf, den Atem zu hören und ans Herz zu denken. Ans Nichtdenken denken Dann die Probe: Handauflegen. Geistheiler Kurt und Marietta Keller behandeln nacheinander jeden der vier Besucher, halten die Hände über den Kopf, berühren die Schultern. Wie empfohlen, versucht der Journalist, nichts zu denken. Doch statt nichts zu denken, denkt er ans Nichtdenken. Er bemüht sich erfolglos, so ruhig zu sitzen wie die anderen. Und ist froh, dass es nach zweimal fünf Minuten zu Ende ist. Nachher ist sich die Runde einig: Es sei viel Energie geflossen. Man will sich zu weiteren Sitzungen treffen. Der Journalist verzichtet. Statt Energien spürt er Kopfweh. Peter SteigerSpirituelles Heilen kostet bei Marietta Keller 60 Franken. Eine Behandlung dauert rund 30 Minuten. 031 9224802. www. das-zentrum.ch. >

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