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Künftig können die Statthalter sonntags ausschlafen

KircheLetzten Sonntag musste der Emmentaler Regierungsstatthalter Markus Grossenbacher zum letzten Mal von Amtes wegen in die Kirche. Künftig hat der Kanton Bern bei einer Pfarrinstallation nicht mehr mitzureden.

Die Bänke in der Kirche Kirchberg sind an diesem grauen Sonntagmorgen gut besetzt. Es findet ja auch kein gewöhnlicher Gottesdienst statt. Nebst den kirchlichen Mitarbeitern soll der neue Pfarrer Jiri Dvoracek offiziell in sein Amt eingesetzt werden. «Pfarrinstallation» lautet der Fachausdruck dafür. «Dabei sind wir ja keine Spengler», witzelt der Emmentaler Regierungsstatthalter Markus Grossenbacher, der an diesem Morgen als Vertreter des Kantons eine zentrale Aufgabe zu erfüllen hat: Nach der Predigt schreitet er ans Rednerpult, überbringt der Gemeinde zuerst «die besten Grüsse und Wünsche» von Kirchendirektor Christoph Neuhaus und stellt fest: dass Jiri Dvoracek am 29.November 2011 von der Kirchgemeindeversammlung als neuer Pfarrer gewählt worden ist, dass die Wahlurkunde rechtmässig unterzeichnet worden ist und dass die Kirchendirektion am 15.Dezember 2011 die Wahlanerkennung ausgesprochen hat. Also kann der Statthalter in Kirchberg sagen: «Herr Dvoracek, durch Annahme der Wahl sind sie berechtigt und verpflichtet, in der Kirche Kirchberg als Pfarrer zu wirken. Ich übergebe ihnen die Wahlurkunde und Sie gelten somit, was den Staat betrifft, als in das Amt eingesetzt.» Eine Ära geht zu EndeWegen dieser Aufgabe konnte Grossenbacher als Regierungsstatthalter in den vergangenen 14 Jahren von Amtes wegen 24-mal an einem Sonntagmorgen nicht ausschlafen. Aber das hat ihn nie gestört. «Pfarrinstallationen sind eine der wenigen Gelegenheiten, wo sich Kirche und Staat in der Öffentlichkeit treffen», sagt er. «Für mich ist diese Aufgabe nie ein Geschäft gewesen», zu wertvoll seien ihm die daraus entstandenen Kontakte zu den Pfarrerinnen und Pfarrern. Pfarrinstallationen hätten zu den Höhepunkten seiner Tätigkeiten gehört, sagt Grossenbacher. Doch ausser für den Seeländer Gerhard Burri, der im April in Studen noch eine verspätete Pfarrinstallation vorzunehmen hat, fällt diese Aufgabe für die Statthalter künftig weg. Gewöhnliche Angestellte Seit Anfang 2012 werden die Pfarrerinnen und Pfarrer im Kanton Bern nicht mehr für eine 6-jährige Amtszeit gewählt, sondern mit öffentlich-rechtlichem Vertrag auf unbestimmte Zeit angestellt. Einsetzungsfeiern werden weiterhin stattfinden, «aber sie werden zur rein innerkirchlichen Angelegenheit», sagt Grossenbacher und fügt an: «Ich werde die Pfarrinstallationen vermissen.»Susanne Graf>

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