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Küre verschönert auf 15 Quadratmetern

Stadt BernSeit 10 Jahren führt Kurt Kirchhofer in

«Jetzt hast du eine Traumfrisur, so werden Models gemacht und nicht anders», sagt Coiffeur Kurt Kirchhofer zu seiner Kundin. Er ist mit seiner Arbeit restlos zufrieden. Die junge Frau lächelt und steht nach über einer Stunde vom Stuhl auf. Geschnitten und in Form gebracht wurde ihr Haar mittels Thera-Cut. «Das ist eine warme Schere, die beim Schneiden das Haar versiegelt; so werden die Haare wieder lang», meint der 61-jährige Kurt Kirchhofer. «Sag Küre, ich bin schliesslich ein Berner», bemerkt er und hantiert am Elektrokabel der Schere, das sich zwischen alten Zeitschriften verheddert hat. «Seit 35 Jahren schneide ich mit dieser Schere, und es gibt bis heute nichts Besseres.» Auch das metallene, verbeulte Waschbecken hat Jahrzehnte auf dem Buckel. «Das stammt aus den Dreissigerjahren, das ist noch Material – heute ist ja alles aus Plastik.» Im Laden gibts nur einen Coiffeurstuhl – und zwei Spiegel, alte Garderobenspiegel aus dem Warenhaus Globus. «The Hairdresser» heisst dieser Einmannbetrieb. Seit 10 Jahren betreibt Kirchhofer sein Geschäft an der Postgasse in der Berner Altstadt. Berns kleinster Salon Es ist eng auf diesen 15 Quadratmetern. Die Diele ist bloss 2,10 Meter hoch, hier hängen Leuchter aus der Mitte des letzten Jahrhunderts und Weihnachtsschmuck. Die Wände sind über und über behangen mit Reklameschildern, Konzertplakaten, Zöpfen, Perücken (die man auch mieten kann), Toupets, Modeschmuck, einer Barbie-Puppe, Gestellen voller Schokolade und Biscuits, Kerzen, einem steinalten Fön, Bürsten, Bildern und Sprüchen. Einer davon: «Die Pflege von Freundschaften ist die beste Altersvorsorge.» Dann wieder massenhaft durcheinandergestapelte Zeitschriften – von Männern für Männer – und Zeitschriften mit Frauenfrisuren. «Früher hatte ich noch jede Menge Kuscheltierchen, die habe ich an Kindergärten verschenkt», erzählt Kirchhofer. Die hölzerne Wanduhr zeigt 16.45 Uhr. «Sie läuft schon lange nicht mehr, aber sie gefällt mir», sagt der Coiffeur, der im Sternzeichen des Stiers geboren ist und infolgedessen – wie er sagt – ein Ästhet ist. «Ich habe einen blauen Anzug und blaue Schuhe, ich habe einen roten Anzug und rote Schuhe», zählt er auf. Im Geschäft trägt er allerdings keinen von beiden. «Weiss du, warum ich Coiffeur geworden bin?», fragt Küre Kirchhofer und fährt gleich selber fort: «Ich habe als kleiner Bub immer die Bäbi meiner Schwester frisiert, ich liebe Puppen.» Coiffeur und Puppendoktor Seine Lehre habe er im Breitenrain im Coiffeurgeschäft Süssmeier gemacht. «Das war gleichzeitig eine Puppenklinik, ich habe frisiert und Puppen repariert.» Später liess sich Kirchhofer noch als Damencoiffeur ausbilden. London, New York, Paris Nach seiner Lehrzeit ging er nach London, dann nach New York, dann Paris. «Überall habe ich mich weitergebildet, in New York die perfekte Form gelernt, in Paris die Koloration.» Später leitete Kirchhofer Läden in Hamburg, München und Köln. Vor 35 Jahren hat er in Zürich ein Coiffeurgeschäft eröffnet, vor 10 Jahren den «Hairdresser» an der Postgasse. Kurt Kirchhofer lebt in Zürich, sein Salon in Bern ist nur Dienstag und Donnerstag ab 15 Uhr und am Samstag ab 14 Uhr geöffnet. «Oft arbeite ich bis spätabends», sagt er. Und dann schneidet er noch im Berner Oberland Haare. Allerdings nicht in einem Coiffeursalon. «Ich wandere gern, bin oft in den Bergen und habe meine Schere immer dabei.» Er kenne viele Leute, denen er in der Wohnung die Haare mache. «Ich habe sogar schon unterwegs spontan Jägern eine tolle Frisur verpasst», erzählt Kurt Kirchhofer. Diese Geschichte nimmt man dem redseligen Coiffeurmeister tatsächlich ab. Urs Wüthrich >

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