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Kunst aus Fundstücken

Ein schöner Bildband und eine Ausstellung zeigen das Schaffen der Berner Tänzerin, Künstlerin und Autorin Ursula Stricker.

Früher war sie in Bern, Paris und New York zu Hause, jetzt lebt Ursula Stricker vorwiegend in Oberdiessbach am Waldrand. Von ihren Spaziergängen bringt sie auffällige Holzstücke mit nach Hause, von Ferien im Süden Muscheln und Steine. «Ich habe schon immer Fundstücke aus der Natur gesammelt und sie im Atelier arrangiert», erzählt die Künstlerin. «Und eines Tages ist daraus eine kleine Frauengestalt gewachsen, die sich aufrichten und tanzen wollte.» Was so spielerisch klingt, ist in Wahrheit ein langer kreativer Prozess, in dem sich verschiedenste Naturfragmente zu einem neuen Ganzen fügen. Das ist technisch anspruchsvoll, verlangt ein geduldiges Pröbeln mit Leim, Ton und Farbe. Seit 1996 sind über hundert solche «Figurinen» entstanden, wie man die Statuetten antiker Kulturen nennt. Nur vier bis fünfzehn Zentimeter hoch, haben Ursula Strickers Kleinplastiken doch die Ausstrahlungskraft viel grösserer Werke. Da hüllt sich die aus einem gebogenen Aststück hervorgegangene «Madonna» im braunen Mantel, daneben scheint «Lakshmi» in der Spirale ihres bunten Göttergewandes zu wirbeln. Und das fragile Figürchen «Tai Chi» dreht sich tatsächlich, wirft mit Zweigarmen bewegte Schatten. Denn für Ursula Stricker ist alles Leben ein Tanz. Bekannt geworden ist sie mit ihren Performances und als Bewegungspädagogin in ihrem Studio «Etage» an der Konsumstrasse. Und immer hat sie gezeichnet: Das beginnt mit Kritzeleien, dann folgen zunehmend bewegte Aktstudien, die sich später zu kalligrafischen Zeichen verdichten. Eine Ahnung von dieser Vielfalt bekommt man in der kleinen Retrospektive im Kunstraum «Quer» zum Erscheinen des Kunstbuchs «Figurinen». Gekonnt gestaltet, stellt er in Bild und Text von Katharina Bütikofer zwei Dutzend Kleinplastiken vor, ergänzt mit Zeichnungen und Fotos von Strickers Tanzperformances. Ihre eigenen poetischen Texte regen an zu mehr Aufmerksamkeit für die Schönheit der kleinen Dinge, zu einem achtsameren Umgang mit der Natur. Marie-Louise ZimmermannBuch: Ursula Stricker: Figurinen, Stämpfli Verlag. Ausstellung: Quer, Junkerngasse 3, bis 17.12., Do 17–20 Uhr und 30.10., 20.11., 4.12., 14–17 Uhr. Vernissage: 22.10., 17–20 Uhr. >

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