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Kunz: «Auch der Rücktritt ist eine Option»

Christoph KunzDie WM-Bilanz des «Behindertensportlers des Jahres» fällt trotz Gewinn der Bronzemedaille im Riesenslalom durchzogen aus. Der 28-jährige Monoskifahrer aus Reichenbach will nun auf einer viermonatigen Weltreise Distanz zum Spitzensport gewinnen – und Bilanz ziehen. Denn: Heute ist noch unsicher, ob er überhaupt weiterfährt.

Im letzten WM-Rennen hat es doch noch geklappt: Nach zwei Ausfällen und dem 7. Rang im Super-G gewannen Sie Bronze im Riesenslalom. War das für Sie eine grosse Erleichterung? Christoph Kunz: Ich bin froh, habe ich mein Ziel, eine WM-Medaille zu gewinnen, schlussendlich erreicht. Der dritte Platz war für mich ein versöhnlicher Abschluss der Titelkämpfe. Insgeheim hatte ich mir aber etwas mehr erhofft vorab in der Abfahrt? Ja. Die Königsdisziplin Abfahrt ist das wichtigste Rennen, es war mein grosses Ziel. Ich fühlte mich vor dem Start sehr gut und war bis zum Ausfall ja auch mit der besten Zwischenzeit unterwegs. Das Ausscheiden war dann Pech. Im Skirennsport spielt halt auch das Glück eine nicht unwesentliche Rolle. Letztes Jahr an den Paralympics in Vancouver war mir dieses mit Gold und Silber hold, an der WM in Sestriere nun eher nicht. War es schwierig, die Spannung bis zur letzten Entscheidung aufrecht zu erhalten? Nach dem Aus in der Abfahrt und der Enttäuschung im Super-G war es wirklich eine Herausforderung, für den «Riesen» wieder die richtige Einstellung zu finden. Das hauptsächlich, weil ich mich unter Druck gesetzt habe. Nun sind Sie zurück in der Heimat: Trauern Sie mit etwas Distanz dem verpassten Weltmeistertitel nach? Weltmeister zu werden, das wäre eine ganz grosse Sache gewesen. Doch mein Minimalziel habe ich mit Bronze erreicht. Die WM war klar der Höhepunkt dieser Saison. Die war für mich speziell, da ich diesen Winter erstmals nicht mehr als Bankkaufmann gearbeitet habe. Es war eine Art Probesaison als Profisportler. Wie geht es für Sie nun konkret weiter? Weltcuprennen stehen keine mehr auf dem Programm, deshalb ist die Saison für mich nun bereits abgeschlossen. Mitte Februar werden meine Frau Steffi und ich auf Weltreise gehen. Wohin wird Sie diese führen? Geplant ist, dass wir zuerst zwei Monate Neuseeland und Australien bereisen. Anschliessend geht es nochmals für zwei Monate nach Amerika. Diese Reise ist ein grosser und langgehegter Traum von uns. Und wenn Sie im Sommer vom Reisen zurückkehren, sind der Schnee und das Skifahren nicht eben die aktuellsten Themen rücken mit der möglichen Saisonvorbereitung aber schon wieder spürbar näher. Der Möglichen? Ist heute demnach nicht sicher, dass Sie ihre Karriere als Spitzensportler fortsetzen werden? Ich werde meine Situation genau analysieren und das Ganze etwas setzen lassen. Dann werde ich mich entscheiden, wie es weitergeht. Es ist aber so, dass auch der Rücktritt vom Spitzensport eine Option ist. An den Paralympics 2014 im russischen Sotschi hätten Sie den Olympiasieg in der Abfahrt zu verteidigen Ob ich bis Sotschi weitermache, hängt unter anderem auch davon ab, ob ich künftig auf die Unterstützung des einen oder anderen zusätzlichen Sponsors zählen kann. Bezüglich Sponsoring hatte ich mir nach meinen Erfolgen an Olympia schon etwas mehr erhofft. Ohne zusätzliche Geldquellen wird es keinen Spitzensportler Christoph Kunz mehr geben? Um an der Weltspitze, die bei uns, wie eben an der WM festgestellt, immer breiter wird, mitfahren zu können, ist ein sehr professionelles Arbeiten unumgänglich. Und ein solches ist nur möglich, wenn man sich voll auf den Sport konzentrieren kann. Das wiederum bedingt eine ausreichende finanzielle Unterstützung. Wie es aber auch kommen mag: Sicher ist, dass der Sport weiterhin ein wichtiger Teil meines Lebens ist. Was sieht Ihre berufliche Zukunft vor – werden Sie im Sommer wieder bei Ihrer langjährigen Arbeitgeberin in Frutigen als Banker arbeiten? Bei der Frutigkasse habe ich per Ende Oktober auf die Wintersaison hin gekündigt. Im Moment ist meine berufliche Situation nach unserer Weltreise offen. Sie sind 28-jährig. Ist für Sie und Ihre Frau auch der Wunsch nach Kindern ein Thema? Nun planen wir erstmal unsere Reise und dann schauen wir weiter. Es ist aber ein grosser Traum von uns, dereinst Kinder zu haben.Interview: Jürg Spielmann >

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