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Landverkauf wegen Finanzloch

Münchringen muss ein Defizit von 200000 Franken verkraften. Unter anderem habe ein Sanierungsboom im Dorf das Loch in die Kasse gerissen, sagen die Behörden. Der Verkauf von gemeindeeigenem Bauland wird wieder Thema.

Münchringen steht das Wasser bis zum Hals. Nicht, weil der Urtenenbach zu überschwemmen droht – sondern weil die Gemeinde bei Jegenstorf eine Rechnung mit Riesendefizit präsentieren musste. Bei einem Aufwand von 1,7 Millionen Franken fehlen über 200000 Franken in der Kasse. Die 24 Anwesenden haben die Rechnung an der Gemeindeversammlung dennoch einstimmig genehmigt. Viel saniert, wenig bezahlt Gemeindeschreiberin Brigitte Lakowitz begründet das Finanzloch mit weniger Steuereinnahmen. «Wir konnten einen Sanierungsboom feststellen», erklärt sie. Viele Einwohner hätten sich dem Wärmeverbund Münchringen angeschlossen und energetische Sanierungsarbeiten an ihren Häusern durchgeführt. «Diesen Unterhalt konnten sie von den Steuern abziehen.» Damit das Leck ansatzweise gestopft werden kann, wurde nun der Steuerfuss von 1,44 auf 1,54 Einheiten und die Liegenschaftssteuer um 1 auf 1,5 Promille erhöht. Der Gemeinderat werde sich im September um weitere Sparmassnahmen kümmern. Im Zuge der prekären Finanzlage kommt nun ein altes Thema frisch auf den Tisch: der Verkauf der Gemeindeparzelle im Aengerich. Münchringen brachte das Thema bereits im Dezember vor die Gemeindeversammlung. Der Verkauf der 4600 Quadratmeter grossen Parzelle, die seit sieben Jahren als Bauland eingezont ist, sollte 2,5 Millionen Franken in die Kasse spülen. Die Gemeinde mit ihren 600 Einwohnern müsse ein moderates Wachstum anstreben, hiess es. «Vermögen verschleudert» Doch zwei Drittel lehnten den Verkauf der Parzelle am Urtenenbach ab. Die Gegner argumentierten mit finanzpolitischen Aspekten. Es solle nicht auf Kosten neuer Generationen Vermögen verschleudert werden, sagt der Münchringer Andreas Huber noch heute. Mit einem Landverkauf seien die Probleme auch nicht gelöst. Zudem sei der Hochwasserschutz in diesem Gebiet nach wie vor Thema. «Nicht nur der Urtenenbach, sondern auch das Oberflächenwasser, das von Jegenstorf runterkommt, ist gefährlich.» Huber befürchtet bei einem Verkauf für die Gemeinde grosse finanzielle Risiken. Im Rahmen der aktuellen Ortsplanungsrevision verschickte die Gemeinde nun Fragebögen, um die Bedürfnisse der Grundeigentümer abzuklären. Darunter fiel auch die Parzelle im Aengerich. «Das geriet einigen in den falschen Hals», weiss Huber. Man vermutete, dass die Gemeinde auf einen Verkauf zurückkommen will, obwohl das Nein vom Dezember eigentlich einer Rückzonung in eine Landwirtschaftszone bedarf. «Verschenkte Millionen» Doch was jetzt mit der Parzelle passiert, wird sich im Lauf der Ortsplanungsrevision zeigen. Huber: «Falls sich die Gemeinde entscheidet, dass noch mehr Bauland eingezont werden muss, wäre ein Verkauf der Aengerich-Parzelle als kleineres Übel wieder denkbar.» Jedoch auch nur, wenn das Hochwasserproblem gelöst sei, betont er. Wie aus der Umfrage resultierte, spricht sich nun doch eine Mehrheit für einen baldigen Verkauf aus. «Wir werden früher oder später sicher nochmals einen Anlauf nehmen», sagt Gemeindeschreiberin Brigitte Lakowitz. «Ansonsten wären das verschenkte Millionen.» Simone LippunerKennzahlen Rechnung 2009: Aufwand 1,68 Mio. Franken, Verlust 205300 Franken, Steuerfuss (2009) 1,44.>

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