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Langenthal als Sprungbrett zum Erfolg

Seine Jugendzeit in Langenthal hat Heinz Holliger nie vergessen. «Ich hatte gute Lehrer, deren Unterricht mich geprägt hat», sagt der 70-Jährige. Und kulturell sei damals «viel gelaufen», es habe viele Konzerte gegeben.

Wenn Heinz Holliger über seine Jugend erzählt, kommt er in Fahrt. «Diese Zeit ist mir sehr präsent», sagt er im Gespräch mit der BZ. Holliger ist in Langenthal aufgewachsen, als jüngstes von vier Kindern. Der Vater war Hausarzt, die Mutter arbeitete in der Praxis mit. Holligers Jugend war unbeschwert und lehrreich. «Ich hatte grandiose Lehrer. In der Schule lernte ich Dinge, die ich heute noch jeden Tag anwende.» So erinnert er sich an Flora Berger, seine Lehrerin in der 5.Klasse. Und an Deutschlehrer Walter Hugi, der ihm die Literatur nahebrachte. «Neben der Musik ist Literatur mein zweites Standbein», erklärt Holliger.

Die Oboe im Radio

Die Umgebung von Langenthal, die Landschaft ums damalige Dorf, hatte es ihm als Jüngling ebenso angetan. «Und die totale Freiheit, die ich genoss», schwärmt Holliger. Seine Eltern waren berufstätig, die älteren Schwestern ausgeflogen, und der Bruder hatte wenig Zeit für ihn. Wenn er allein war, spielte er oft die Schallplatten seiner Eltern, vor allem klassische Werke, oder hörte Radiosendungen mit klassischer Musik. Er spielte bereits Blockflöte und Klavier, als er, zehnjährig, den Klang der Oboe vernahm. Und wusste: Dieses Instrument wollte er spielen. Heinz wurde mit einer Klarinette vertröstet, doch nach wenigen Stunden hängte er dieses Instrument an den Nagel und fand als Oboenlehrer den Solo-Oboisten des Berner Stadtorchesters. Fortan erhielt er in Bern Musikunterricht. «Ich war stolz», erinnert er sich, «mit meiner Mappe allein in die grosse Stadt zu fahren.»

«Jede Menge Oratorien»

Langenthal in den Fünfzigerjahren: ein Dorf in der bernischen Provinz. Konnte sich dort die herausragende musikalische Begabung von Heinz Holliger entfalten? Wie empfindet der Künstler heute das damalige Umfeld? «Es hat mich jedenfalls nicht behindert», schmunzelt er und erzählt von Orchestern, Chören und Veranstaltungen, die im damaligen Langenthal einen grossen Stellenwert hatten. Holliger: «Es ist jedenfalls sehr viel gelaufen damals.»

Heinz war erst elfjährig, als er in den Orchesterverein eintrat. Der Dirigent, ein Geiger des Stadtorchesters Bern, verhalf dem Orchester zu einer beachtlichen Qualität. Zusammen mit Langenthaler Chören wurden Konzerte gegeben, manchmal sang Heinz auch im Chor mit. «Wir haben jede Menge Oratorien und Kantaten aufgeführt», sagt er. Das habe in der Schule teils zu Widerstand geführt. «Die Lehrer meinten, das sei nicht gut wegen der Hausaufgaben.» Damals habe es aber auch weniger Schönes gegeben: «Zum Beispiel den Kadettenuntericht. Der gefiel mir nicht, weil man dort schiessen musste.» Die Pfadi aber genoss er, für Pfadiabende schrieb er gar Musikstücke.

«Verschandelter» Platz

Zum heutigen Langenthal hat der in Basel lebende Holliger keine grosse Beziehung mehr. Er besucht hie und da das Grab seiner Eltern. Die heutige Stadt ist ihm teilweise fremd geworden. Denn mit den neuen Überbauungen kann er sich nicht anfreunden. «Den Spitalplatz zum Beispiel haben sie verschandelt», meint er und beklagt, dass der «Tell» und das Burgunderhaus für den Coop bzw. fürs McDonald’s verschwunden sind.

Auch mit 70 Jahren ist Holliger ein vielbeschäftigter Musiker: Er komponiert, dirigiert Orchester und spielt Oboe. Und er gesteht: «Ich habe mich noch nie eine Sekunde gelangweilt.»

Quelle:Brigitte Bachmann-Geiser, «Heinz, Kindheit und Jugendzeit des Musikers Heinz Holliger in Langenthal». Die Vernissage des Buches fand gestern Abend in Langenthal statt.

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