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Leidet das Herz, leidet die Seele

Streikt das Herz, leidet oft auch die Psyche. Häufig ist es günstig, wenn die Rehabilitation des Herzens mit einer psychologischen Betreuung ergänzt wird. Das ist das Thema des Tags der Seelischen Gesundheit am kommenden Sonntag.

Etwa 50 bis 70 Herzinfarkte verzeichne das Spital Interlaken alljährlich, sagt Herzspezialist Ulrich Ingold. Das Ärzteam des Interlakner Spitals bietet ein Herz-Rehaprogramm an, das die enge Wechselbeziehung zwischen Herz und Psyche berücksichtigt. Denn Erfahrungen und medizinische Studien haben gezeigt, dass sich diese beiden Faktoren gegenseitig beeinflussen. Diesem Thema (Fachbegriff «Psychokardiologie») widmet sich denn auch der Internationale Tag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober. Herzinfarkt: Viele Faktoren «Der Druck an den Arbeitsplätzen ist in den vergangenen 20 Jahren stärker geworden», erklärt Herzspezialist Ulrich Ingold (Bild). Hoher Leistungsdruck allein bewirke in der Regel jedoch noch keinen Herzinfarkt. «Meist ist es ein Bündel von Ursachen, die schliesslich einen Herzinfarkt, einen Verschluss eines Herzkranzgefässes, auslösen», sagt Ingold. Risikofaktoren seien etwa eine familiäre Belastung, Rauchen, Bewegungsarmut, Übergewicht, Diabetes, zu hoher Blutdruck und Cholesterinspiegel. Risikofaktor Depressionen «Bei einem depressiven Menschen gerinnt das Blut anders. Die Ablagerungen in den Adern wachsen schneller», erklärt Thomas Ihde, Chefarzt Pschychiatrie (Bild). Dadurch erhöhe sich die Gefahr von Thrombosen, Hirnblutungen und vor allem eines Herzinfarkts. Die Herzfrequenz werde durch Stresshormone gestört und das Herz zunehmend geschwächt. Entgegen dem Volksglauben, Herzinfarkt sei eine Managerkrankheit, trifft es eher die unteren Einkommensklassen. «Herzinfarkt ist die Krankheit der Armen. Armut ist generell ein grosser Risikofaktor für alle Krankheiten», sagt Ihde. Alleinerziehende Berufstätige oder Menschen, die in vielen Sachzwängen steckten, seien gefährdet, aber auch jemand, der seine Träume aufgegeben habe. «Die wichtige Frage ist: Wie viel konnte man selber wählen? Oder wurde das über einen entschieden?», weiss Ihde. Von Herzinfarkten seien deutlich mehr Männer betroffen; Frauen seien vor allem nach der Menopause gefährdet, sagt Herzspezialist Ulrich Ingold. Die Sterblichkeit nach einem Infarkt habe massiv abgenommen. Gefährlich sei vor allem die Vorspitalphase. «Wenn es jemand bis ins Spital schafft, kann man ihn in der Regel gut behandeln», so Ingold. Heilung der Psyche «Das Herz ist unser zentralstes Organ und sehr verletzbar» sagt Thomas Ihde. Der Umgang mit dem Herzen basiere auf Achtsamkeit, und nach einem Infarkt solle man ausserdem gut zur Psyche schauen. Die Wechselwirkung zwischen Herz und Psyche, die lange Zeit nicht erkannt wurde, wurde in den vergangenen zehn Jahren intensiv erforscht. Auf diesen Erkenntnissen baut die Herz-Reha des Spitals Interlaken auf. Sie bietet dem Patienten Strategien für seine Genesung, an der er aktiv mitarbeitet. Erfahrene Fachpersonen wie Thomas Ihde beobachten psychische Faktoren vor oder nach einem Herzinfarkt. «Menschen gehen sehr unterschiedlich mit einem Infarkt um. Die einen kehren sofort wieder zum normalen Alltag zurück und wollen alles verdrängen», berichtet Ihde. «Andere reagieren völlig hilflos, haben plötzlich Angst vor jeder Anstrengung und vor dem Sterben.» Zu den Folgen eines Infarkts gehörten meist auch sexuelle Probleme. «Die Patienten und ihre Angehörigen getrauen sich oft nicht, dem Kardiologen Fragen zu sexuellen Schwierigkeiten zu stellen», sagt Thomas Ihde. Austauschen hilft Die Teilnehmer des Rehaprogramms treffen sich dreimal pro Woche für ein Ausdauer- und Krafttraining. «Die Betroffenen tauschen sich untereinander frei aus ohne Anwesenheit eines Profis. Das ist ganz wichtig. So können sie auch sexuelle Fragen einfacher unter sich besprechen», informiert Ihde. Die Herz-Reha funktioniere ähnlich wie eine Selbsthilfegruppe und entlaste auch die Angehörigen, denn Infarktpatienten seien oft nach drei Tagen schon wieder daheim. «Ernährung und Bewegung sind entscheidende Faktoren zur Vorbeugung eines Infarkts», sagt Herzspezialist Ulrich Ingold. Sein Rezept für die optimale Vorsorge: Die leichte Mittelmeerküche und ein Sport, der Freude macht. Monika Hartig • www.kardiobeo.ch • www.psychischgesund.ch >

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