Zum Hauptinhalt springen

«Mal schauen, was die Zeit bringt»

Er ist Reiseberater, Schauspieler und Sänger: Sergio-Maurice Vaglio, aufgewachsen in Interlaken, wohnhaft am Murtensee, mit Büro in Bern, ist einer, der immer in Bewegung ist. Doch gestresst wirkt er ganz und gar nicht.

«Wie ich mich selbst beschreiben würde? Hmm Am ehesten wohl als reisefreudigen Sänger, der gerne schauspielert und auf der Bühne steht.» Sergio-Maurice Vaglio (38) lehnt sich im Stuhl hinter dem Arbeitspult etwas zurück und betrachtet kurz die Decke. In seinem kleinen Reisebüro im Berner Mattequartier kommt unweigerlich Ferienstimmung auf: Kataloge und Broschüren laden zum Bade in glasklarem Meerwasser oder animieren zu einem abenteuerlichen Individualtrip. Ja, die Reiserei. Bereits die KV-Stifti absolvierte der Secondo aus dem Berner Oberland in einem Reisebüro. Danach folgten Streifzüge unter anderem durch die USA, durch Kanada, Thailand und die verschiedensten Länder Europas. Im letzten Jahr schliesslich eröffnete er in Bern eine Filiale der elterlichen, in Interlaken ansässigen Reisefirma. «Reisen erweitert den Horizont und ist für mich ein Grundbedürfnis», sinniert Sergio Vaglio. Karriere in Deutschland Doch seine Leidenschaft gehört nicht ausschliesslich der Reiserei. Schon kurz nach der Lehre stand für Vaglio fest, dass er sich auch künstlerisch entfalten und weiterbilden wollte. 1992 und 1993 absolvierte er die Schauspielschule am Konservatorium in Bern. Zudem nahm er private Gesangsstunden mit Schwerpunkt Musical. Die Ausbildung sollte schon bald Früchte tragen. Bereits in der Saison 1995/1996 erhielt er sein erstes Engagement in Deutschland: Vaglio spielte den «Eddie» in der «Rocky Horror Show» in Augsburg. Danach gings Schlag auf Schlag: «Les Misérables» in Duisburg, «Mozart» in Wien, «Deep» in Zürich, «Evita» in Thun und so weiter. Zwölf Jahre lang stand Sergio Vaglio auf Musicalbühnen im In- und Ausland. «Dann hatte ich irgendwie genug», erinnert er sich, «ich musste mich wieder neu orientieren.» Der Musik blieb er zwar treu, produzierte etwa ein Album mit eigenen Popsongs (Life Vest Under My Seat) oder gab Gospelkonzerte – doch von Musicals wollte er (vorerst) nichts mehr wissen. Bei «Dällebach Kari» dabei Lebte er jahrelang von den Engagements bei Musikshows, so gibt ihm die Arbeit in seinem Reisebüro seit 2009 nicht zuletzt auch finanziell den nötigen Rückhalt. Und: «Ich habe riesig Spass daran, mich hier voll zu engagieren», betont er. Doch das Blatt wendet sich bereits wieder ein wenig, die komplett musicalfreie Zeit sollte nicht allzu lange dauern. Bereits im letzten November bekam Sergio Vaglio nämlich eine Anfrage, ob er für die Thuner Seespiele beim «Dällebach Kari» mitmachen könnte. «Nach einem Probesingen sagte ich im Januar schliesslich zu. Die Crew stimmt, die Stimmung ist gut, und ich freue mich auf das Stück», berichtet er. In der Geschichte über das Berner Original spielt er eine fiktive Figur mit der Bezeichnung «Professor/Alkohol». Eine Figur, die den Dällebach-Kari schliesslich in den Ruin treibt. Die intensive Probephase beginnt Mitte Mai, die Aufführungen dauern vom 14.Juli bis zum 28.August. «Das gibt natürlich viel zu tun. Während dieser Zeit muss also regelmässig eine Vertretung dafür sorgen, dass die Geschäfte im Reisebüro weitergehen», meint Vaglio. Und unaufgeregt und ruhig fügt er an: «Das klappt schon irgendwie.» Eine Reise nach Indien Sergio Vaglio ist einer, der nie gestresst wirkt, wenn er aus seinem Leben erzählt – obwohl er eigentlich immer auf Draht ist und neue Projekte im Köcher hat. Er könne sich eben sehr gut regenerieren an seinem Wohnort am Murtensee. «In meinem Fischerhäuschen tanke ich so richtig auf und geniesse die Ruhe und die Zeit für mich allein. Ich liebe es, nahe am Wasser zu sein.» Und was bringt die Zukunft? Als Erstes erscheint im September unter seinem Pseudonym Maurice Merlo das neue Album «The Cologne Trilogy». Eine Scheibe mit gefühlvollen, trip-hop-angehauchten Sounds, die durchaus etwas daran erinnert, dass Vaglio auch schon als Gastsänger bei der Berner Kultband Lunik mitmischte. Ja, und dann wäre da noch dieser Reisetraum: «Ich möchte mehrere Monate in Indien verbringen. Kultur, Land und Leute kennen lernen. Möglichst noch, bevor ich 40 bin.» Ob das bei seinen verschiedenen Aktivitäten so rasch zu Stande kommt, steht allerdings noch in den Sternen. «Mal schauen, was die Zeit bringt.» Sagts und betrachtet wieder kurz die Decke in seinem Reisebüro. Christian Werder Die Aufführungen: «Dällebach Kari», Thuner Seespiele, 14. Juli bis 28. August. >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch