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Michel ist morgen Aeschbachers Gast

kiesenSie hat das Schloss Kiesen bewohnbar gemacht, in den letzten drei Jahren dorthin Tausende von Kunstfans gelockt, und morgen ist sie Gast in der Fernsehsendung «Aeschbacher»: die Künstlerin Chantal Michel.

Sind Sie nervös, dass Sie morgen von Kurt Aeschbacher live am Fernsehen interviewt werden? Chantal Michel: Ich bin nicht jemand, der gerne im Mittelpunkt und in der Öffentlichkeit steht. Menschenmengen, Fernsehkameras und Mikrofone machen mir Angst. Weshalb lädt er Sie in seine Sendung ein? Die Medien haben die letzten Jahre viel über mich berichtet. Das wird wohl bis nach Zürich gedrungen sein. Kennen Sie das Thema der Sendung? Das Thema ist «Unfassbar». Wird denn Ihre Kunst oder werden Sie selber als unfassbar wahrgenommen? Reaktionen in diese Richtung höre ich öfters. Ich bin, so glaube ich, schon ein wenig unfassbar – das hoffe ich wenigstens. Unfassbar sein heisst auch mysteriös, geheimnisvoll sein. Dinge tun, die Fragen aufwerfen und schwer einzuordnen sind. Unfassbare Dinge finde ich spannend. Und wie geht es nun mit Ihnen im Schloss Kiesen weiter? Im Februar hatte ich um Verlängerung gebeten. Seit ein paar Tagen weiss ich, dass ich bis Mitte Juli definitiv ausziehen muss. Wird das Schloss verkauft? Steht nun eine definitive Lösung fest? Das Schloss soll an eine Stiftung verkauft worden sein. Dieses Thema ist aber noch geheim. Wissen Sie, was Sie danach tun und wohin Sie ziehen werden? Ich bin immer noch auf der Suche nach geeigneten Räumen für mich, wo ich wohnen und künstlerisch tätig sein kann. Es sind Möglichkeiten im Gespräch, doch ist vieles noch unsicher. Muss der Wohnbereich vom Standort her identisch sein mit dem Ort, wo sie arbeiten? Je länger ich an einem Ort sein kann, desto komplexer und intensiver wird meine Arbeit. Räume sind existenziell für mich, um meine Träume und meine Kunst zu realisieren. Sie suchen doch schon länger. Weshalb konnten Sie noch nichts finden bis jetzt? Ich bin jedem dankbar, der mir dabei hilft. Es ist nicht einfach, passende Räumlichkeiten zu finden. Solche Orte können nicht gesucht werden, sie müssen einen finden. Es ist fast schwieriger, als einen Partner zu finden. Und was werden Sie nun bis Mitte Juli im Schloss Kiesen noch tun? Ich eröffne am 28.Mai meine neu gestaltete «Best of»-Ausstellung im Schloss, die bis am 3.Juli dauert. Ich zeige die besten Arbeiten, die in den letzten drei Jahren im Schloss entstanden sind – als Abschluss und Zusammenstellung einer unvergesslichen Zeit. Eine Dauerausstellung? Die Ausstellung ist jeweils am Samstag geöffnet und kann ausschliesslich auf Anmeldung und in Kombination mit einem Diner besucht werden. Die Kunst soll als sinnliche Sache erlebt werden, die auch durch den Magen geht. Sie soll Menschen bei Pasta und Wein auf wundersame Weise zusammenführen. Sie haben nun drei Jahre im Schloss gelebt und Tausende von Kunstinteressierten angelockt. Welche Bilanz ziehen Sie für sich persönlich? Ich habe viel gelernt und Dinge getan, die ich mir nie zugetraut hätte. Früher habe ich mich in den Häusern eingesperrt und bin erst wieder hinaus gekommen, wenn eine Arbeit fertig war. Ich war eine Einzelgängerin und flüchtete vor Menschen. Heute weiss ich, dass wir alle unsere Ängste haben und es nur wenig braucht, um sie zu brechen. Dient Ihnen heute das pure Gegenteil als Inspiration? Ich habe gemerkt, dass mir der Kontakt mit Menschen wichtig ist, ebenso die Möglichkeit, ihre Reaktionen auf meine Arbeiten direkt zu erleben. Das war früher nicht möglich, als die Arbeiten in meiner Abwesenheit in Museen und Galerien ausgestellt waren. Und das Schloss selbst war Ihnen auch eine Inspiration? Das Schloss war das Beste, was mir seit langem passiert ist. Doch ist es jetzt ausgelebt, und ich freue mich auf neue Räume, um mich weiterentwickeln zu können. Haben Sie zurzeit noch andere Projekte? Ich habe ständig neue Arbeiten gemacht und sie an vielen Orten ausgestellt. Am Freitag zum Beispiel reise ich nach München, um in einer Galerie eine Ausstellung von mir einzurichten. Wenn Sie wie morgen im Fernsehen auftreten und generell immer mehr in Kontakt mit den Menschen sind, werden Sie damit nicht fassbarer und verlieren das Unfassbare, das Mysterium, das Ihnen wichtig ist? Ich sehe mich als offenen und kontaktfreudigen Menschen und kläre meine unfassbaren Seiten gerne auf. Ich brauche aus meiner Person kein Mysterium zu machen. Und was wäre Ihr Traum für die Zukunft? Ich hoffe, dass ich bald einen Ort finde, an dem ich mich niederlassen, zur Ruhe kommen und arbeiten kann. Im Moment fehlt mir diese Basis, als ob mir jemand den Boden unter den Füssen weggezogen hätte. Das heisst konkret? Ich fühle mich so, als ob ich schweben würde. Doch ich lasse mich treiben und gehe dahin, wo mich der Wind trägt. Das ist keine einfache Situation für jemanden wie mich, die gerne alles unter Kontrolle hat. Franziska Streun«Best of» im Schloss Kiesen: Die Ausstellung kann nur in Kombination mit dem Diner besichtigt werden; jeweils Sa, vom 28.Mai–3.Juli; www.chantalmichel.ch. >

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