Zum Hauptinhalt springen

Mit einem blinden Pianisten und der «Nussknacker»-Suite

InterlakenHörvergnügen für Sehende und Nichtsehende: Zum 100.Geburtstag des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes beeindruckte das

«Grossartig, beeindruckend und differenziert», schwärmten Konzertbesucher am Sonntag im Theatersaal des Kursaals Interlaken. Und eine Zuhörerin lobte speziell, dass «Musik für jeden Geschmack geboten wurde». Mit brillanter Ouvertüre von Franz von Suppés «Leichte Kavallerie» eröffnete das Berner Konzertorchester den Auftakt des Jubiläumsjahres des Schweizerischen Blinden- und Sehbehinderten Verbandes (SBV). Der festliche Beginn passte zum feierlichen Anlass. Der älteste Selbsthilfeverband im schweizerischen Blindenwesen feiert sein 100-jähriges Bestehen. Unter dem Motto «Gemeinsam sehen wir mehr» möchte der Verband im Jubiläumsjahr an die sehende Öffentlichkeit treten. Das motivierte Laienorchester, angeführt von Profigeigerin Elisabeth Becker-Grimm, und der blinde Solist Josef Rédal eröffneten mit dem Paradestück der Romantik, dem Klavierkonzert in a-Moll von Robert Schumann, neue Möglichkeiten des gemeinsamen Musizierens. Mühelos überwanden Pianist, Dirigent Michel Biedermann und Orchester sämtliche Hindernisse. Von beiden Seiten gelang mit präziser Vorstellung, die Herausforderung zu meistern. Die Tempi wirkten gemässigt. Der Pianist spielte die Phrasen aus, raffiniert und differenziert mit sparsamem Pedaleinsatz. Dirigent Biedermann beeindruckte die Zusammenarbeit mit Rédai: «Ich musste noch intensiver hören und entdeckte, dass der Solist auf die Atmung horchte.» Dirigent, Orchester und Pianist meisterten eindrückliche Zusammenarbeit. «Bei der ersten Probe musste ich feststellen, dass der Solist die Bewegungen meines Dirigentenstabes nicht sehen kann», präzisierte Biedermann. Normalerweise spreche er in den Proben nicht viel. Jetzt mussten zwei Takte vorausgezählt oder vorgesungen und Details besprochen werden. Der Pianist fühlte sich vom Orchester voll angenommen: «Das spornte mich an», so Rédai. Anstelle von Zeichengebung funktionierte das Musizieren im Klavierkonzert mit innerem Fühlen und vertieftem Hören. Erst nach der Zugabe von Schumanns «Träumerei» wurde der blinde Tastenkünstler fürsorglich geführt von der Bühne entlassen. Schmissig, temperamentvoll und launenhaft folgten Stücke aus Tschaikowskis «Nussknacker»-Ballett. Dem Dirigenten gelang mit einfachen Mitteln, seine Mitstreiter zusammenzuführen und anzuleiten. Ohne jegliche Posen vermittelte er mit dem Orchester Rasse und Schmiss. Bildlich übertrugen Streicher und Bläser den «Blumenwalzer», charakteristische Tänze, hüpfende Kinder, die Szene des Grossvaters. Witziges Pizzicatospiel zu Piccoloklängen, abgestimmte Bogenstriche, ausgeglichene Bläsereinsätze, wetteifernde Hörner und Streicher mit Schlageffekten auf Perkussion sorgten für Hörgenuss pur. Die Weihnachtsgeschichte mit «Nussknacker» als Geschenk kam in abwechslungsreich variiertem, idealem Miteinander zum Ausdruck. Heidy Mumenthaler >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch