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Mit Glockengeläut gehts ins Tal

Für die Hirtenfamilien ist es stets ein besonderes Ereignis, wenn es nach vier Monaten Alpsömmerung talwärts geht. Vorfreude und Anspannung waren am Samstag auch bei Frank Marro und Angela Andrey zu spüren.

Die Speckrösti, deren Duft sich am frühen Samstagmorgen in der Küche der Alphütte Thossrain verbreitet, rühren der Alphirt Frank Marro und seine Freundin Angela Andrey kaum an. Dazu sind beide viel zu nervös. Denn nach 16 Wochen Alpsömmerung im Grand-Chalet im Breccaschlund und in der Vorweid Thossrain geht es für sie und die Tiere zurück ins Tal. Doch der Alpabzug endet für sie nicht in Plaffeien, sondern in Heitenried. 27 Kilometer Fussmarsch sind angesagt. Mit rund 120 Rindern und einem vorgegebenen Zeitplan bedarf dies einer guten Koordination und geübter Helferinnen und Helfer. Bereits den siebten Sommer hirtet der 33-jährige Frank Marro im Grand-Chalet. Der Alpabzug sorgt bei ihm jedoch immer noch für ein ordentliches Kribbeln im Bauch. «Ich hoffe jedes Mal, das alles gut klappt.» In diesem Jahr will er es aber nicht so weit kommen lassen wie im Vorjahr, als ihm die Magennerven derart zusetzten, dass er am abendlichen Dankesessen nicht teilnehmen konnte. Teamarbeit ist wichtig Rund 20 Verwandte und Bekannte sitzen um 6 Uhr morgens um die beiden grossen Holztische in der Alphütte, um sich für die lange Heimreise zu stärken. Die Stimmung ist ausgelassen und die Vorfreude spürbar. «Gute Helfer sind sehr wichtig», erklärt Frank Marro und gibt ihnen immer wieder Anweisungen, wie er den Aufbau der Herde plant. Damit die Tiere immer schön zusammenbleiben und eine kompakte Herde bilden, ist Teamarbeit gefragt. Als sich die Konturen der Berge langsam am Himmel abzeichnen, ist es Zeit, den Tieren den Blumenschmuck umzubinden. Gewaschen wurden sie bereits am Vortag. Auch das Hirtepaar und die Helfer machen sich für ihren grossen Auftritt parat und schlüpfen in Tracht und Bergschuhe. «Sitzt meine Frisur?», fragt Frank Marro und putzt sich noch schnell die Zähne. Mit «Hooop, hooop, hooop»-Rufen werden die Tiere um 7.10 Uhr aus dem Stall gelockt. Unüberhörbar zieht die Herde los in Richtung Schwarzsee. Das Glockengeläut, die tief liegenden Wolken und die Morgendämmerung sorgen für eine besondere Stimmung. Doch für Frank Marro und die Helfer ist Konzentration gefragt. Der Weg ist zum Teil sehr steil, und die Tiere sind voller Energie. Dabei gilt es jetzt, die Kräfte von Mensch und Tier für den Marsch gut einzuteilen. Ein flottes Tempo Bergmeister Marius Sturny von der Alpgenossenschaft Heitenried, der die beiden Alphütten gehören, fährt mit seinem Jeep vorneweg und sorgt dafür, dass die Herde keinen Autos ausweichen muss. Die Tiere sind flink unterwegs. «Sie wollen wohl heim», meint Frank Marro. Um 9.40 Uhr trifft die Truppe als Erste des Alpabzuges in Plaffeien ein,und es wird richtig laut im Dorfkern. Trotz schlechten Wetterprognosen säumen bereits einige Hundert Zuschauer die Strasse und winken und rufen ihnen zu. Diese Motivationsspritze können sie gut gebrauchen. Weitere drei Stunden ist die Truppe unterwegs, bis sie um 12.45 Uhr müde, aber zufrieden in Heitenried eintrifft. Gemäss Organisatoren kamen trotz regnerischem Wetter rund 10000 Besucher, um die rund 1000 Tiere zu empfangen. Der Protest des Alpteams Stoss gegen die Windenergieanlage auf dem Schwyberg verlief ohne Zwischenfälle.ak/hus >

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