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Mit ihr geht eine Ära zu Ende

Gestern hatte sie ihr Büro zum letzten Mal offiziell offen, Grund genug für einen Rück- und einen Ausblick: Zielebachs Gemeindeschreiberin Verena Niederhauser wird pensioniert – und übergibt gleich an die Kollegen in Wiler.

In der alten, bald 125-jährigen Schmitte wird es von nächster Woche an spürbar ruhiger werden. Zumindest im Ökonomieteil, in dem seit dem Umbau von 1998/1999 die Gemeindeschreiberei von Zielebach untergebracht ist, denn so hat es die Gemeindeversammlung im letzten Winter beschlossen: Auf Anfang Mai 2010 übertragen die Zielebacher ihre Verwaltung den Nachbarn in Wiler, die für sie bereits die Rechnung führen. Dafür legen sie 80000 Franken pro Jahr aus und sparen im Vergleich zu heute rund 25000 Franken, einen Steuerzehntel, wie Gemeindepräsident Hans Ulrich Käser vorrechnet. Weiterhin vor Ort Wobei: Ganz verschwinden wird die Verwaltung aus dem 330-Seelen-Dorf nicht. Das zu betonen ist Verena Niederhauser wichtig. Es ist der letzte Donnerstagvormittag im April, damit sind die zwei letzten Stunden angebrochen, in denen die scheidende Gemeindeschreiberin ihr Büro offiziell offen hat – aber eben, sie sagt es nochmals, auch fortan ist der Schalter bedient. Wenn auch nur zwei Mal zwei Stunden in der Woche, doch viel mehr ist es ja auch bisher nicht gewesen. Das Büro war jeweils am Montag für drei und am Donnerstag für zwei Stunden für die Leute offen. Vor- und Nachteile Trotzdem denkt Verena Niederhauser, dass gerade dieser Punkt von vielen als Nachteil empfunden werden könnte. «Mit meinen gut 70 Stellenprozenten war ich ja weit mehr als nur während der offiziellen fünf offenen Stunden im Büro», sagt sie. Ja, zuletzt sei sie eigentlich fast jeden Tag ein paar Stunden anzutreffen gewesen. «Die Leute wussten, dass sie nur ans Fenster kommen mussten, und dann machte ich ihnen auf.» Verena Niederhauser denkt dabei an die vielen älteren, nicht mehr so mobilen Leute im Dorf. Anderen wiederum, fährt sie fort, sei es wohl so ziemlich egal, wo die Verwaltung stehe, und sicher: «Einige werden den Zusammenschluss begrüssen.» Immerhin stehe dem Dorf nun auch die Verwaltung in Wiler offen, und dort gälten viel ausgedehntere Öffnungszeiten. Sagts und weist auf einen provisorischen Aushang an der Eingangstür, der genau diesen Vorteil hervorstreicht. Und das Dorfleben? Wie sich das Ende der eigenen Verwaltung sonst noch auswirkt? Zumal Zielebach bereits in zwei Monaten auch noch die Schule und damit einen für das Dorfleben fast noch zentraleren Treffpunkt verlieren wird? «Sicher», sagt Verena Niederhauser mit einem Blick zurück auf ihre Amtszeit, «in den letzten bald zwanzig Jahren ist sicher einiges vom ursprünglichen Zusammenhalt verloren gegangen.» Nicht nur, weil immer mehr Leute auswärts arbeiteten, sondern auch, weil mit der Feuerwehr eine weitere dörfliche Institution in einem grösseren Ganzen aufgegangen sei – «das sagen mir die Leute immer wieder». Eine umso wichtigere Rolle spielt deshalb in Zukunft wohl das Schmittefest, das Sommerfest rund um die alte Schmitte also, das von den Parteien ins Leben gerufen worden ist und nun von den Hornussern getragen wird. Positiv wirkt sich weiter aus, dass Laden wie Beiz bis heute überlebt haben – und sogar im Gemeindehaus steht das Leben ausserhalb der Öffnungszeiten nicht still. Der Gemeinderat und die Baukommission werden hier weiterhin tagen. Kaderlöhne machens aus Auf diese zwei Gremien macht die Gemeindeschreiberin noch speziell aufmerksam. «Wir haben nach wie vor eigene Behörden, die in eigener Verantwortung entscheiden», betont sie. Das sei der grosse Unterschied zu einer Fusion, bei der diese Souveränität verloren gegangen wäre – und auf die Frage, wo die Ersparnis liege, wenn sich Zielebach weiterhin ein Büro vor Ort leiste: Die Verwaltung komme für Zielebach vor allem deshalb günstiger, weil nun ein Gemeindeschreiber gleich für zwei Gemeinden tätig sei und damit ein Kaderlohn wegfalle. Nun in den Ruhestand Verena Niederhauser selber muss sich in Zukunft nicht mehr mit solchen Fragen auseinandersetzen. Sie wird genau auf den Wechsel hin pensioniert. Stephan Künzi>

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