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Mit Mundartstücken zum Erfolg

Qualität – dieses Wort steht am Anfang der mittlerweile 50-jährigen Geschichte der Emmentaler Liebhaberbühne. Und es ist immer noch wichtig im Vokabular der Verantwortlichen Rudolf Stalder und Ulrich Simon Eggimann.

Es waren einmal drei Männer – Rudolf Stalder, Hans Wittwer und Hermann Menzi. Im Arbeitermännerchor Hasle-Rüegsau kreuzten sich ihre Wege, und bald war ihnen klar: Was hier theatermässig gespielt wird, ist nicht, was wir wollen. Der unterdessen verstorbene Hans Wittwer formulierte es vor Jahren so: «Vereinstheater sind paradox. Um am Unterhaltungsabend sechs Lieder zum Besten zu geben, übt ein Chor ein ganzes Jahr. Für das Theater aber, das ein bis zwei Stunden dauert, wird nur gerade ein Vierteljahr geprobt.» 10000 Zuschauer Im Jahr 1960 zogen Stalder, Wittwer und Menzi die Konsequenzen: In der Sonne Rüegsauschachen riefen sie die Emmentaler Liebhaberbühne (ELB) ins Leben, auf dass in Zukunft Theater mit Qualität gezeigt werde. Und siehe da, die Gruppe fand Zulauf und überlebte. Dieses Wochenende feiert die Emmentaler Liebhaberbühne in Burgdorf ihren 50.Geburtstag. Viel ist seit den Anfängen geschehen, vieles hat sich verändert. Aber immer noch gilt, was die drei Männer damals zum Alleingang trieb: Qualität muss auf die Bühne, anders funktioniert es nicht. Wohl nicht zuletzt darum hat sich die ELB zu einem Kulturbetrieb gemausert, der Zuschauerinnen und Zuschauer «von Basel bis nach Luzern und von Genf bis zum Bodensee» anzieht. Bei den anderen Die ELB hat bescheiden angefangen, als Gruppe, die sich von anderen Vereinen für deren Unterhaltungsabende anstellen liess. «In einem kleinen Lastwagen haben wir unsere Requisiten von Ort zu Ort gezügelt», erinnert sich Rudolf Stalder. Er ist der Einzige noch lebende der Gründerväter; als Schauspieler, Regisseur und «Hausautor» prägt er die ELB bis heute mit. An Schauspielern hat es zu Beginn nicht gemangelt: «Regisseur Hermann Menzi war bekannt, die Leute kamen von selber auf uns zu», sagt Stalder. Ein Wermutstropfen aber blieb: Die ELB war weder in Hasle noch in Rüegsau anerkannt, sie hatte keine Heimat. «Wir waren geduldet, aber nicht beliebt.» «Di zwöiti Frou» 1961 brachte die Liebhaberbühne dann die erste eigene Produktion auf die Bühne der Sonne: «Die zwöiti Frou» von Emil Balmer. Es folgten Inszenierungen in einem Kellertheater in Rüegsau, dann diente viele Jahre der Saal im Weissen Kreuz in Hasle als Spielort, bevor ab 1987 das Casino-Theater in Burgdorf zur «Heimatbühne» wurde. Seit 1995 tritt die ELB auch im Rüttihubelbad in Walkringen auf. Der Karrieresprung Den ganz grossen Karriereschritt machten die Emmentaler Theaterleute 1973 mit Friedrich Dürrenmatts «Der Besuch der alten Dame» – in der berndeutschen Fassung von Rudolf Stalder (siehe Kasten). Es war das erste von 15 Stücken, die das Schweizer Fernsehen aufgezeichnet und ausgestrahlt hat. Das Fernsehen. Es hat in der ELB-Geschichte schon früh eine Rolle gespielt: «Als wir anfingen, kam das Fernsehen so richtig auf», sagt Rudolf Stalder. Man hatte es plötzlich mit einem Konkurrenten zu tun, der es den Menschen einfach machte, sich unterhalten zu lassen. Sie mussten das Haus nicht mehr verlassen, ein Knopfdruck genügte, und schon flimmerten die Bilder ins Wohnzimmer. Besser als das Fernsehen «Es blieb nur eines – so gutes Theater zu bieten, dass die Leute uns immer wieder sehen wollten», sagt Stalder. «Wir haben uns unser Publikum ‹herangezüchtet› und müssen auch heute noch darauf achten, es bei der Stange zu halten.» Diese Einschätzung teilt Ulrich Simon Eggimann, seit Jahren Stalders Weggefährte bei der Liebhaberbühne und als Regisseur hauptverantwortlich für die Inszenierungen. Der ausgebildete Schauspieler und Opernsänger formuliert es so: «Die Emmentaler Liebhaberbühne ist heute ein professionell geführtes Amateurtheater.» Und auch er spricht die Qualität an, die die Aufführungen haben müssten. «Sonst haben wir keine Chance, die Leute ins Theater zu locken.» Ein besonderes Gewicht kommt in seiner Arbeit der «Personalplanung» zu: «Jeder Part muss mit der geeigneten Person besetzt sein», erklärt Eggimann. «Das Publikum spürt, wenn sich jemand in seiner Rolle nicht wohlfühlt. Da kann er oder sie sich noch so viel Mühe geben.» Immer MundartEin letzte Frage noch: Warum spielt die Emmentaler Liebhaberbühne in Mundart? «Wir machen Volkstheater, Theater für das Volk. Sprechen wir Dialekt, sind wir viel näher an unserem Publikum», erklärt Eggimann. Zudem sei Mundart für Amateure viel besser zu sprechen als Hochdeutsch. Eben: Es hängt viel von der Qualität ab. Cornelia LeuenbergerIn ihrem Jubiläumsjahr spielt die Emmentaler Liebhaberbühne «Heimisbach» von Simon Gfeller in einer Neufassung von Rudolf Stalder. www.elb.ch.>

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