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Motivation der Studenten hängt durch

Rund 150 Studentinnen und Studenten haben

Ein wahrer Umsturz sieht anders aus, obwohl der Vorgang für die Universität Bern aussergewöhnlich und zuletzt in den Achtzigerjahren vorgekommen ist. Knapp 150 der insgesamt rund 13000 Studentinnen und Studenten der hiesigen Uni halten die Aula der Universität Bern besetzt. Die Stimmung ist friedlich, beinahe entspannt. Die Anwesenden bedienen sie sich am improvisierten Buffet, decken sich mit Infomaterial ein, rauchen auf dem Balkon Zigaretten, diskutieren über allerlei Alltägliches, aus den Boxen tönt Reggaemusik. Dass es hier um handfeste Interessen geht, verraten einzig die Fahne auf dem Dach des Uni-Hauptgebäudes («Uni besetzt») und Plakate, die an der Aussenfassade hängen («Die Uni brennt auch bei uns»). Hängematte im Fokus An der ersten grossen Versammlung um kurz nach 10 Uhr vormittags geht es indes nicht heiss zu und her. Dies obwohl die Besetzer campusweit auffallen. So müssen drei Seminare, die in der Aula vorgesehen waren, kurzfristig umplatziert werden, eine Vorlesung fällt komplett aus. Viele Schaulustige kommen aber nur kurz hoch in die Aula im zweiten Stock, knipsen ein Foto und drehen wieder ab. Am Ende bleibt es bei den etwa 150 Leuten, die in einem ersten Teil über die anstehende Teilrevision des Universitätsgesetzes informiert werden. Eine Mobilisierung der Massen ist das nicht. Dabei teilen die meisten Studenten wenigstens ansatzweise die Klagen der Besetzer. «Gegen den Bologna-Bschiss», «Studieren statt Ökonomisieren», steht auf Tafeln und Leinentüchern geschrieben. Sie zielen auf eine Reform, welche das Studentenblut derzeit in Wallung bringt: Bologna (siehe Kasten). Philipp Lutz, Sprecher der Besetzer und Student der Sozialwissenschaften im ersten Semester, erklärt: «Die Ziele der Bologna-Reform sind hehr, aber kaum eines wurde verwirklicht.» Als Beispiele nennt er die noch nicht umgesetzte Mobilität, dank der die Studierenden mit ihren Abschlüssen auch an anderen Hochschulen weiterstudieren könnten. Er kritisiert auch die Verschulung und die «Ökonomisierung» des Studiums, und meint damit die Jagd nach Kreditpunkten, die ein Student für seinen Abschluss braucht. Arbeitsgruppen haben im Verlauf des Tages alle Forderungen der Besetzer zusammengetragen. Neben Bologna sind auch die Teilrevision des Uni-Gesetzes oder die Studiengebühren ein Thema. Bis in die Nacht hinein suchten die Demonstranten nach konkreten Formulierungen für ihre Anliegen. Uni-Leitung offen Die Leitung der Uni Bern duldet den Protest in der Aula und gibt sich gesprächsbereit. «Allerdings ist unsere Ansprechspartnerin die StudentInnenschaft der Uni Bern SUB», hält Uni-Generalsekretär Christoph Pappa fest. Diese beteiligt sich laut eigenen Angaben nicht an der Besetzung, teilt aber die Forderungen der Demonstranten. «Wir wählen für unsere Anliegen den institutionellen Weg», stellt Vorstandsmitglied Gabriela Irimia klar. Für Pappa finden die Berner Proteste ihr Vorbild in Deutschland und Österreich, wo Zehntausende Studentinnen und Studenten seit Wochen demonstrieren. «Die Situationen sind allerdings nur bedingt vergleichbar», betont Pappa. Tatsächlich kämpfen Studierende im benachbarten Ausland stets mit überfüllten Hörsälen, Massenprüfungen und und kennen sogar bei obligatorischen Lehrveranstaltungen lange Wartezeiten. Reformbedarf erkannt Geht es um Bologna, rennen die Besetzer offene Türen ein. Bildungsministerinnen und -minister aus 46 Ländern – darunter der damalige Bundesrat Pascal Couchepin – haben bereits im April an einer Bologna-Nachfolgekonferenz den Handlungsbedarf erkannt und packen die Probleme an. Die Schweizerische Universitätskonferenz legt bis Ende Jahr einen ersten Zwischenbericht zur Bologna-Reform vor. 2008 ist in der Schweiz übrigens eine erste Bilanz gezogen worden. Eine Umfrage unter 5000 Studierenden zeigte: Drei Viertel sind zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrem Studium, nur gerade elf Prozent sind enttäuscht. Michael Widmer>

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