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Mr. Migros mit der Kompaktkamera

Thomas Bornhauser

Freddie Mercury im Gegenlicht. Sein rechter Arm zeigt in den bewölkten Himmel. Heroisch ist das Foto der Mercury-Statue in Montreux. Nüchtern dagegen der Raum, in dem es hängt: ein Sitzungszimmer im «Park im Grünen» auf dem Gurten. Thomas Bornhauser hat den Augenblick am Genfersee mit seiner 400-fränkigen Nikon-Kompaktkamera gemacht. Der Akku würde rausfallen, wäre der Verschluss nicht mit einem Klebeband befestigt. Alle grossformatigen Fotos, die – auf Leinwand aufgezogen – an den Wänden des Gurtenpark hängen, hat der 60-Jährige mit dem unprätentiösen Apparat geschossen. Auch das von Spinnweben verhangene Fenster vor Romano Levis chaotischem Arbeitstisch. Der 2008 verstorbene Piemonteser war der berühmteste Grappa-Macher der Welt. «War er nicht im Strumpf, öffnete er gar nicht erst seine Türen», sagt Bornhauser, stolz darauf, dass er vor vier Jahren zu den Auserwählten gehörte. Der erste Abzug des stimmungsvollen Spinnwebenfotos hängt nun gegenüber dem aufgeräumten Pult von Gurtenpark-Chef Hans Traffelet. Auf der Speicherkarte seines Apparats befinden sich Aufnahmen der letzten sechs Jahre. Wie man die Digitalbilder im Bearbeitungsprogramm aufpeppt, weiss Bornhauser nicht. «Diese Schwäche ist meine Stärke», sagt er, «die Aufnahmen sind authentisch.» Bo als Marke Sonst mit einem gesunden Selbstbewusstsein gesegnet, führt der Migros-Sprecher gerührt und ein wenig schüchtern von Bild zu Bild und erklärt, wie es entstanden ist. Im Gegensatz zur Wirtschafts- und Medienwelt ist die Kunstszene noch nicht sein Parkett. Dabei hat er die Leidenschaft, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort abzudrücken, schon seit 30 Jahren. Die Resultate lagen lange in einer Schachtel irgendwo in seinem Haus in Wohlen. Der Grund dafür ist eher technischer denn psychologischer Natur: «Erst seit kurzem kann man mit finanziell vernünftigem Aufwand Fotos auf Leinwand aufziehen lassen», sagt Thomas Bornhauser, der sich in seinem Freizeitmetier Bo nennt. Für 2000 Franken verkauft er das Exemplar, fünf Abzüge existieren pro Bild. Bisher hat er sich mit Mund-zu-Mund-Werbung begnügt. So hängen Bos «Augenblicke» vor allem in den Büros und Wohnzimmern von Berner Promis, so bei Stadtratspräsidentin Vania Kohli, die das Mercury-Bild ausgesucht hat, ebenso Martin Heiniger, Chef der Von-Graffenried-Architekten. Die Ausstellung im Migros-Gurtenpark ist ein Heimspiel. Bald gilt es aber ernst für den Hobbyfotografen: Ende April hat er in der Berner Galerie Kunstreich seine erste Verkaufsausstellung. Gelingt es ihm, die boschen Kompaktkamerabilder als Marke zu etablieren? Falls ja, kann er sich vorstellen, als Rentner künstlerisch Gas zu geben. Das ist in vier Jahren. Klar ist: Die Konkurrenz schläft nicht. «Meine Frau hat jetzt auch das Fotografieren entdeckt. Sie ist gut.» Katharina Merkle>

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