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Mühleberg: Die BKW muss noch einmal kräftig investieren – oder abschalten

AtomdebatteDas Atomkraftwerk Mühleberg bleibt am Netz. Vorerst. Das könnte sich ändern, falls die Betreiberin BKW die zahlreichen neuen Auflagen der Aufsichtsbehörde Ensi nicht erfüllt. Der erste Tag der Entscheidung ist der 30.Juni.

Die Atomaufsichtsbehörde Ensi spricht Klartext: Bis in acht Wochen müssen die BKW und die anderen Betreiber der Schweizer Atomkraftwerke nachweisen, dass ihre Anlagen ein Hochwasser, wie es in der Schweiz nur alle 10000 Jahre vorkommt, überstehen, ohne dass Radioaktivität austritt. Werde dieser Nachweis bis zum 30.Juni nicht erbracht, werde das entsprechende AKW vorsorglich ausser Betrieb genommen. Das sagte Ensi-Präsident Hans Wanner gestern vor den Medien in Brugg. Dasselbe Ultimatum gilt für den Beweis der Erdbebensicherheit, allerdings ist dafür die Frist grosszügiger bemessen: Bis Ende März 2012 müssen die AKW-Betreiber nachweisen, dass die Kernanlagen auch ein Erdbeben, wie es sich nur alle 10000 Jahre ereignet, überstehen. Mühleberg: Aare als Problem So weit die Auflagen, die jedes Schweizer AKW erfüllen muss. Darüber hinaus hat die Atombehörde gestern für jedes Werk individuelle Forderungen erlassen. Am stärksten nachbessern müssen Mühleberg und Beznau (siehe Grafik unten). Besonders in sich hat es folgender Auftrag, den die BKW erfüllen muss: Das Ensi akzeptiert nicht, dass die Aare für das Notstandsgebäude in Mühleberg die einzige Wasserlieferantin ist. Die Behörde befürchtet, dass bei einem Störfall die Wasserleitung, die von der Aare zu den Notsystemen führt, verstopft sein oder der Fluss aus anderen Gründen als Wasserspender ausfallen könnte. «Ohne Wasser kann man den Reaktor nicht mehr kühlen», sagte Wanner. Das Ensi fordert deshalb eine alternative Wasserquelle. Das könnte etwa ein Grundwasserbrunnen sein. Für entsprechende Vorschläge hat die BKW bis am 31.August Zeit. Das ist aber noch nicht alles. Der Stromkonzern muss sich innerhalb derselben Frist überlegen, wie er die Notkühlung des Abklingbeckens – dort werden die gebrauchten Brennstäbe zwischengelagert – genügend vor Erdbeben oder Überflutung schützen will. Diese Forderung ist laut Atomaufsicht aktuell nicht erfüllt. BKW: «Strenge Auflagen» Die BKW reagierte gestern einigermassen ernüchtert auf den neusten Forderungskatalog der Atomaufsicht. Sprecher Antonio Sommavilla sprach von «sehr strengen Auflagen», die weit über die aktuellen Vorgaben hinausgingen. Zu welchen Investitionen die BKW noch bereit ist, liess sich der Sprecher nicht entlocken. BKW-Präsident Urs Gasche räumte aber ein, dass es für die Investitionen eine Schmerzgrenze gebe. Er mochte sogar nicht ausschliessen, dass die BKW das bald 40-jährige AKW Mühleberg aus wirtschaftlichen Gründen vorzeitig vom Netz nimmt (siehe Interview rechts). Ein wichtiger Test steht Mühleberg erst noch bevor: Die Atomaufsicht hat gestern noch einmal betont, dass die Zuganker, welche den rissigen Kernmantel stabilisieren sollen, nicht als definitive Lösung akzeptiert werden. Eine definitive Beurteilung steht aber noch aus. Sollte das Ensi die BKW zwingen, den Kernmantel zu ersetzen, würde das rund eine halbe Milliarde Franken kosten. Spätestens dann würde der Stromkonzern wohl die Konsequenzen ziehen.Philippe Müller>

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