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Nach dem Whisky kommt der Kater

BurgdorfDer Kater-Slam machte seinem Namen alle Ehre. Verkatert trafen sich fünf Wortkünstler am Samstagmorgen,

Samstagmorgen um 11 Uhr. Adrian Merz sitzt im Burgdorfer Stadthauskeller. Er liest eine SMS auf seinem Handy und lacht laut heraus. «Gaby kommt nicht, ihr geht es nicht so gut», sagt er mit rauchiger Stimme zu seinen Tischnachbarn und fügt an: «Wollen wir noch ein bisschen warten? Vielleicht gesellt sich ja noch jemand dazu.» Der Grund für das morgendliche Zusammentreffen ist der sogenannte Kater-Slam. Dieser Anlass sei eine Neuerfindung, sagt Mitorganisatorin Nicole Käser, welche die «Agentur für ansprechenden Unfug» betreibt. Der Kater-Slam ist quasi der zweite Teil des Dichterwett-streits, des sogenannten Poetry-Slams, der am Freitagabend im Casino-Theater Burgdorf erstmals über die Bühne ging. Peter Schläfli vom Casino sei mit der Idee, einen solchen in Burgdorf zu veranstalten, zu ihr gekommen, berichtet Käser. Bei der Organisation mitgeholfen habe auch Adrian Merz, der als Moderator durch den Freitagabend führte. Insgesamt neun Slam-Poeten traten zum Wettkampf gegeneinander an. Dabei galt es, mehrere Regeln zu beachten: Die Texte mussten aus der eigenen Feder stammen, durften höchsten sechs Minuten dauern, Musik und Requisiten waren keine erlaubt. Als Jury wurden unwillkürlich sieben Personen aus dem Publikum ausgewählt. Dem Sieger winkte eine Flasche Whisky. Und wie es der Brauch in der Slam-Szene will, wurde die Flasche vom Gewinner direkt auf der Bühne geöffnet. Text in der Bar verloren Am Morgen danach lohnt sich das Warten von Adrian Merz und seinen Tischnachbarn: Plötzlich treffen noch zwei weitere Wortkünstler ein. Einer von ihnen trägt einen schwarzen Hut. «Hey, das ist meiner», ruft Merz. «Hast du zufällig auch meine Texte?» Die habe er nämlich ebenfalls in der Bar liegen gelassen. Die Stimmung unter den fünf Slam-Poeten an diesem Morgen ist fröhlich, von Katerstimmung kann keine Rede sein. Zuerst gibt Merz eine Kostprobe seiner Wortgewandtheit – notabene auswendig, ohne Manuskript. Er beschreibt die leidige Notwendigkeit des Einkaufens. Seine Nachfolger befassen sich mit den Irrtümern der Dialekte, seidigen Haaren und Schuppen und einem Dackel Namens Fido. Rund eine Stunde dauert das «literarische Frühstück», das ohne Jury und Bewertung durchgeführt wird. Nächstes Jahr wieder Nicole Käser ist mit dem Poetry-Slam vom Freitagabend zufrieden. «Rund 100 Zuschauer haben den Wettstreit mitverfolgt.» Hingegen hätte sie am Kater-Slam etwas mehr als die die anwesenden 15 Personen erwartet. Dennoch werde es auch im nächsten Jahr nach dem Dichterwettstreit am Folgetag ein «literarisches Frühstück» geben. Bestärkt in ihrem Vorhaben wird Käser durch die Aussage des Slam-Poeten Phibi Reichling, der gemeinsam mit Michèle Friedli am Freitagabend als Sieger gekürt wurde. «Ich fand den Anlass sehr gut», sagt er beim Gehen Er sei überzeugt, dass sich die Veranstaltungen nach zwei bis drei Durchführungen in Burgdorf etabliert hätten.Jacqueline Graber>

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