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Naturschutz dank einem Kraftwerk

Ein Kraftwerkbau auf

«Es gibt keinen Stausee und auch die Engstligenfälle bleiben, wie sie sind». Adrian Brügger, Noch-Geschäftsführer der Bergbahnen Engstligenalp AG, beantwortet gleich zu Beginn zwei Fragen, die oft gestellt werden, wenn die Rede vom Kraftwerkbau ist. Und da die Engstligen-alp im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung ist, wird das Projekt von verschiedener Seite mit Argusaugen verfolgt. Auf einem Rundgang zeigen Adrian Brügger und Verwaltungsrat Samuel Moser, der die Bauherrschaft bis zur Anstellung des zukünftigen Geschäftsführers vertreten wird, wieso nach Abschluss der Bauarbeiten die Landschaft sogar besser aussehen wird als heute. «Kleine Beeinträchtigungen sind während der Bauphase nicht zu umgehen, zum Beispiel wenn gesprengt und Material transportiert wird.» Nur 100 Tage Zeit Die Baugrube zuvorderst auf der Kante der Engstligenalp wird täglich tiefer, dem harten Gestein wird mit Sprengstoff zu Leibe gerückt. Bis im November, wenn der Schnee fällt, sollen die neue Druckleitung sowie das unterirdische Maschinenhaus fertig und der Generator eingebaut sein. Rund 100 Tage Zeit bleiben dazu. «Man sieht nachher weniger als vom heutigen Kraftwerk, das aus dem Jahr 1935 stammt und dessen Konzession ausläuft. Zudem ist das heutige Maschinenhaus in der roten Zone und könnte durch einen drohenden Felssturz zerstört werde», begründet Brügger den Neubau. Samuel Moser sieht den Neubau als langfristige Investition: «Die Konzession läuft 40 Jahre, nach etwa 25 Jahren ist das Werk amortisiert und wir verdienen damit Geld.» Das kommt gelegen, da in 25 Jahren auch die Luftseilbahn voraussichtlich neu erstellt werden muss. «So können wir dann diesen Neubau finanzieren», ergänzt Adrian Brügger. Während das heutige Kraftwerk 70 Kilowatt Leistung erbringt, wird dank grösserer Höhendifferenz, effizienterer Technik und mehr genutzter Wassermenge maximal 570 Kilowatt erbracht, was den jährlichen Strombedarf von rund 500 Haushaltungen abdeckt. «Aufs ganze Jahr gesehen produzieren wir mehr Strom, als wir selber mit Luftseilbahn, Skiliften und Gebäuden auf der Alp verbrauchen», sagt Brügger. Im Sommer wird ins Netz eingespiesen, im Winter allerdings während etwa vier Monaten aus dem Netz bezogen. Engstligenfälle bleiben Heikles Thema ist der Natur- und Umweltschutz: Alte Anlagenteile verschwinden, es bleibt das Wehr zur Wasserableitung und neu wird ein Sandabscheider erstellt. Die neue unterirdische Leitung wird entlang des Wanderweges erstellt, die Maschinenanlage ist unterirdisch angelegt und das Wasser wird oberhalb der Engstligenfälle wieder eingeleitet. Nichts soll den gewohnten Blick aus dem Tal auf dieses Naturschauspiel trüben. Die Restwassermenge ist gesetzlich auf mindestens 74 Liter/Sekunde festgelegt. «Um die Bachlandschaft zu schützen, werden wir flexible Restwassermengen steuern, damit sicher immer genug Wasser im Bachbett fliesst und die Natur keinen Schaden nimmt», sagt der Geschäftsführer. Diese Mehrleistung gegenüber den Mindestanforderungen ist ein Punkt, wieso nur eine einzige Einsprache gemacht worden ist – und diese nach kurzer Zeit zurückgezogen wurde. «Wir haben im voraus viele Gutachten bezüglich Natur und Umwelt gemacht und das Projekt von Beginn weg entsprechend naturschonend geplant, so dass die kritischen Umweltschützer kaum etwas zu bemängeln hatten. Fakt ist, wir haben uns mit allen Unterlagen und Informationen eingedeckt, die für einen Gang bis ans Bundesgericht nötig gewesen wären, und haben diese auch den Einspracheberechtigten zur Verfügung gestellt», schaut Brügger auf die Planungsphase zurück. Vorbildlich ist auch die Baustelleninfrastruktur: Auf 1200 geplante Materialflüge mit dem Helikopter wird verzichtet. Stattdessen kommt eine Seilbahn zum Einsatz. «Die kostet uns gleichviel, hat aber den Vorteil grösserer Flexibilität. Und wir können sie auch als Kran auf der Baustelle einsetzen.» «Die Nutzung der Wasserkraft passt hervorragend in das Konzept der Engstligenalp. Wasser ist ein natürlicher Reichtum dieser Alp und die Art und Weise unserer Nutzung ist sehr nachhaltig», betont Samuel Moser. 1948 wurde die Engstligenalp unter kantonalen Schutz gestellt, um ein grosses Kraftwerkprojekt mit Staussee der Bernischen Kraftwerke zu verhindern. Dieser Schutz hat zwar seine Tücken, wenn etwas realisiert werden will. Doch: «Wir sind die besten Naturschützer hier oben», so Adrian Brügger. «Wir leben hier ausschliesslich von der intakten Natur – und Wasserkraftwerk heisst hier eben nicht Stausee.» Hans Rudolf SchneiderBaustellenführungen: 17. August, 14. September und 12. Oktober. Start 9 Uhr Talstation, Dauer ca. 3 Stunden. Inkl. Bahnfahrt und Mittagessen 50 Franken. Anmeldung bis am Vortag unter 0336733270 oder info@engstligenalp.ch >

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