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Neues Signal

Johannes Hofstetter

Mit seinem Entscheid, die Alkoholikerszene aus der Innenstadt zu verbannen, beweist der Burgdorfer Gemeinderat Mut. Einer sozialen Randgruppe das Aufenthaltsrecht auf öffentlichem Grund zu entziehen läuft dem Trend entgegen, Hilfsbedürftigen immer mehr Zuwendung von karitativen Institutionen zuteil werden zu lassen. Nur: Wenn er es mit den Bewohnern und Geschäftsleuten im Bahnhofquartier nicht ganz verscherzen will, bleibt dem Rat nichts anderes übrig, als durchzugreifen. Die Leute, die in der Innenstadt leben und arbeiten, haben die Szene jahrelang geduldet. Der Ärger begann erst, als die Exekutive den Alkis in diesem Sommer das zentral beim Bahnhof gelegene Rondell überliess. Für Süchtige aus umliegenden Gemeinden war dies ein Signal: In Burgdorf, wussten sie, können sie ihre Zeit praktisch unbehelligt von Polizisten und Sozialarbeitenden an bester Innenstadtlage totschlagen. In unmittelbarer Nähe zu den Grossverteilern mit dem Billigbier im Regal. Doch mit dem Zurverfügungstellen dieses Platzes leistete die Stadt nicht nur den Bewohnern des Bahnhofquartiers einen Bärendienst. Auch weit hilfsbedürftigere Fürsorgeempfänger, die mit Süchtigen nicht das Geringste zu tun haben, sahen sich auf einmal als Sozialschmarotzer verunglimpft. Sie wurden von Leuten, die ungerne differenziert denken, in denselben Topf geworfen wie die Alkis. Zu hoffen bleibt, dass die Burgdorfer Liegenschaftsdienste bald einen neuen Aufenthaltsort für die Alkis finden. Je weiter dieser von den Getränkeverkäufern entfernt liegt, desto weniger Anziehungskraft verübt er auf auswärtige Szenetouristen. Niemand bestreitet, dass Süchtige als Teil der Gesellschaft denselben Respekt verdienen wie andere Menschen auch. Nur ist es auch an den Süchtigen, sich diesen Respekt zu verschaffen. Zum Beispiel, indem sie sich – auch wenn frühere Versuche gescheitert sein mögen – aktiv darum bemühen, ihre Lage zu verbessern, statt sie zu beklagen. johannes.hofstetter@ bernerzeitung.ch >

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