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Neues Velo mit Easy-Rider-Feeling

Ein E-Bike, das von A bis Z in der Region Thun hergestellt wird, hat die Firma Proto GmbH aus Uetendorf lanciert. Es bietet dem Besitzer ein müheloses Dahingleiten mit Easy-Rider-Feeling. Der Preis ist hoch – und gehört zum Konzept.

Das Protobike erinnert optisch an eine Kreuzung zwischen Militärvelo und Motorrad. Und das ist kein Zufall: «Beim Design haben wir uns an alten Motorrädern, beispielsweise der Firma Norton, orientiert», sagt Roger Suter, einer der beiden Väter des E-Bikes und Mitbesitzer der Firma Proto GmbH in Uetendorf. Wer das Teil probefährt, wird mit Glückshormonen überflutet – vor allem, wenn er oder sie noch nie ein E-Bike gefahren ist: Ein paar leichte Umdrehungen der Pedale, und das Bike beschleunigt beeindruckend schnell. Gang zwei, Gang drei – und schon erreicht der Fahrer ein recht hohes Tempo, ohne sich im geringsten anstrengen zu müssen. Falls plötzlich ein Hindernis auftaucht, greifen die Scheibenbremsen vorne und hinten rasch und sicher. Wenn es bergab geht oder der Fahrer bremst oder rückwärts pedalt, lädt sich die Batterie auf, womit die Reichweite von rund 70 Kilometern noch grösser wird. Es gibt Schwierigeres «Ich fahre oft von meinem Wohnort im Gwatt nach Uetendorf und schaute mich deshalb nach einem E-Bike um», sagt Roger Suter. «Aber irgendwie konnte mich keines der Handelsüblichen überzeugen.» Was lag für den Elektroingenieur näher, als mit seinem Compagnon Daniel Blättler, seines Zeichens Maschinentechniker, ein neues Gerät auszutüfteln? Schliesslich ist ein E-Bike bezüglich Mechanik und Motorisierung um einiges simpler als die Maschinen, mit denen sich die Beiden sonst beschäftigen (vgl. Kasten). Neuland und Retro-Design Die Beiden machten unzählige Entwürfe, liessen sich von Velo-Profis beraten und scheuten sich nicht, Neuland zu betreten. Sie entwarfen eine Steuereinheit, die beim abwärts Fahren aus dem Motor einen Generator macht und dabei Strom erzeugt. Sie verzichteten auf die übliche Velokette, die immer wieder geölt und nachgespannt werden muss, und entschieden sich dafür für einen wartungsfreien Zahnriemen aus einem elastischen, glasfaserverstärkten Kunststoff. Und statt des gebräuchlichen Rohrrahmens entwarfen sie einen charakteristischen Kastenrahmen aus Aluminium. Dieser besticht nicht nur optisch, sondern bietet auch Raum für ein abschliessbares Batteriefach und eine Art Mini-Kofferraum, ebenfalls mit Schlüssel, in dem etwa ein Getränk verstaut werden kann. Der grossflächige Rahmen eignet sich auch gut, um Werbebotschaften oder Firmennamen zu transportieren. Speziell ist auch der Sattel im Retrodesign: Nicht nur die Höhe ist verstellbar, sondern auch der Abstand zum Lenker. «Ist der Sattel vorne und weit oben, fühlt man sich wie auf einem Militärvelo. Ist er hinten und unten, erlebt man ein Easy-Rider-Feeling wie auf einem komfortablen Motorrad», sagt Suter. Im Mai des letzten Jahres reisten Suter und Blättler an die Bike-Messe in Shanghai, um Komponenten wie Räder und Bremsen zu kaufen. «Würden wir diese Teile in der Schweiz beschaffen, müsste man für unser Bike nicht 5890, sondern rund 10000 Franken bezahlen», sagt Suter. Die meisten Komponenten werden jedoch in der Region Thun hergestellt. «Verschiedene Produktionsschritte können wir nicht selber ausführen. Aber im Glütschbachareal haben wir viele Firmen als Nachbarn, die diese Aufträge übernehmen können.» Dass das Bike nicht in einem Billig-Lohn-Land, sondern auf der Hochpreisinsel Schweiz hergestellt wird, schlägt sich auf die Anschaffungskosten nieder – knapp 6000 Franken für ein Velo sind schliesslich kein Pappenstiel. «Ja, das nehmen wir bewusst in Kauf», sagt Suter. «Wir wollen, dass die Leute in unserer Region Arbeit haben, und wir wollen ein Produkt verkaufen, das sich an ein zahlungskräftiges, urbanes Publikum richtet.»Bisher scheint die Rechnung aufgegangen zu sein: Allein durch die Website und Mund-zu-Mund-Propaganda fanden sich bereits die ersten Käufer, die ihre Protobikes am 30. April in Empfang nehmen konnten.Marc Imboden>

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