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Nicht länger kneifen

svend Peternell

«Der Regierungsrat und der Verwaltungsrat der Spital STS AG warten auf ein Signal von uns.» Das sagte Hanspeter Grundisch, der zusammen mit drei weiteren Exponenten die Saaner Spitalinitiative für einenAkut-Spital-Standort Zwei-simmen lanciert hatte. An der Saaner Gemeindeversammlung hatte er natürlich auf ein Signal in die Gegenrichtung gehofft: Auf die Annahme der Initiative. In der Tat wäre dieses Signal für Regierung und Verwaltungsrat der Spital STS AG einfacher zu interpretieren gewesen: Als politische Willenskundgebung der Saaner nämlich, auf ein eigenes Akut-Spital zu verzichten und dieses den Nachbarn im Obersimmental zu überlassen. Es ist aber anders herausge-kommen. Wie ist nun dieses Nein der Saaner zu interpretieren? Die Saaner wollen, wenn nicht ein Akut-Spital, so doch ein Gesundheitszentrum mit einer stationären Akutabteilung und Notfallstation im Saanenland. Das ist nachvollziehbar und gut begründet, wenn man die Zentrumsfunktion und Wirtschaftskraft des Saanenlandes mit seinem Tourismuspotential und den Übernachtungszahlen anschaut – und diese mit dem Obersimmental vergleicht. Der Fall scheint klar. Nur könnten die Saaner bei den Fallpauschalen, die ab 2012 gelten, ein Problem bekommen: Wenn die «Kundschaft» aus dem Obersimmental den Weg nach Saanen als zu weit erachtet und direkt nach Thun ins Spital fährt, schrumpft der Markt. Bei Saanen kommt die (kapitale) Kundschaft der Gäste, der halb- und privat Versicherten, hinzu. Ihr Fehlen bei einer Standortwahl Zweisimmen würde wirtschaftlich schwer ins Gewicht fallen. Wie auch immer dieses Nein vom Freitag zu verstehen ist: Es braucht jetzt einen übergeordneten Entscheid – und zwar schnell! Der Regierungsrat, der schon aus politischen Überlegungen von einem Standort in Saanenmöser abriet, ist gefragt. Wie will er jetzt gewichten: Setzt er politisch – trotz dem klaren Nein aus Saanen – auf Zweisimmen als Gesundheitszentrum mit Akut-Versorgung, das gemäss Studien gesundheitsökonomisch selber ein finanziell belasteter Pflegefall ist? Oder setzt er auf den Standort Saanen, der wirtschaftlich die eindeutig stärkere Position einnimmt? Der Regierungsrat als politische Entscheidungskraft und der Verwaltungsrat der Spital STS AG als wirtschaftlicher Verantwortungsträger werden sich in der Standort-Vergütungsfrage finden müssen, wenn die Wahl des Regierungsrates auf Zweisimmen fallen sollte. Um die Gesundheits- und Spitalversorgung in der Region Obersimmental und Saanenland ohne Verschlagen von noch mehr Geschirr zu gewährleisten, muss eine Lösung her. Jetzt kann der Regierungsrat nicht länger kneifen. s.peternell@bom.ch>

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