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«Nicht die Wahrheit gesagt»

Weber BenteliDas Verfahren gegen Weber Benteli ist eingestellt. Dies ändert allerdings nichts an der Frustration ehemaliger Mitarbeiter, die bis heute den Eindruck haben, dass sie an der Nase herum-

Die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte des Kantons Bern hat sich gründlich mit der konkursiten Druckerei befasst. Alle Geschäftsberichte ab dem Jahr 2003 wurden überprüft, ab dem Jahr 2006 wurden sämtliche Details der Buchhaltung unter die Lupe genommen. Nun liegt ein 83 Seiten dickes Dossier vor, das belegt, dass die Vorwürfe einer Buchhalterin, die sechs Monate vor dem Konkurs entlassen wurde, nicht zutreffen: Kapitalabflüsse in Millionenhöhe hin zur deutschen Muttergesellschaft Arques Industries AG wurden nicht festgestellt. «Im Gegenteil», sagt Staatsanwalt Markus Scholl, «das deutsche Mutterhaus musste wegen des Konkurses seiner Beteiligungsgesellschaft einen Kredit in mehrfacher Millionenhöhe abschreiben.» «Nicht strafbares Handeln einzelner Verantwortlicher hat zum Konkurs geführt», lautet Scholls Fazit. Ursache waren laut dem Staatsanwalt die Überkapazitäten im Markt sowie die fremdfinanzierte Rollen-Offset-Rotationsdruckmaschine, die nie genügend ausgelastet werden konnten. Diese war 2004 noch von der Weber Farbendruck AG angeschafft worden. Strafbar gemacht im Sinne des Gesetzes hat sich gemäss den Untersuchungen niemand. Doch wie das «Bieler Tagblatt» in seiner heutigen Ausgabe berichtet, sind Verhaltensweisen der Direktion zutage getreten, die zumindest moralisch unschön sind. Erhoben werden die Vorwürfe von Z.*, der den Untergang der einst renommierten Brügger Druckerei bis zum Konkurs im Oktober 2009 miterlebt hat. Z. ist überzeugt, dass zumindest der Zeitpunkt des Konkurses von der Direktion bestimmt worden ist. An Brisanz gewinnt diese Aussage, weil das Beco Berner Wirtschaft nicht vorgängig informiert worden war. Denn bei Massenentlassungen wie bei Weber Benteli, wo 260 Personen arbeitslos wurden, ist dies zwingend vorgeschrieben. Z. hat eine Indizienkette aufgebaut. Sein erster Beleg für die These: «Der ehemalige CEO Martin Brawand hat seinen Arbeitsvertrag mit Swissprinters bereits vor dem Konkurs erhalten.» Der CEO habe sich somit vorzeitig abgesetzt. Allerdings hat der ehemalige Weber-Benteli-CEO seine Arbeit bei Swissprinters nie antreten können. Brawand wollte dies gestern nicht kommentieren. Das zweite Indiz von Z. bezieht sich auf das Kallnacher Unternehmen Marti Logistik: Ihm schuldet die konkursite Weber Benteli AG fast eine halbe Million Franken. «Man hat Gläubigern wie Marti nicht die Wahrheit gesagt», so Z. Ein oder zwei Monate vor dem Ende habe es mit Marti eine Zahlungsvereinbarung gegeben. Dies trotz des Wissens, dass Weber Benteli kurz vor dem Konkurs stand. Wohl deshalb, so die Vermutung von Z., damit Marti weiterhin Transporte übernahm. Das dritte Indiz betrifft die Sozialversicherungsbeiträge. Zwar wurde nach dem Konkurs festgestellt, dass diese bezahlt worden waren. Laut Z. war die Druckerei allerdings im Rückstand und bezahlte die Beiträge erst einen oder zwei Tage vor dem Konkurs. B.*, der die Druckerei bereits einige Zeit vor dem Konkurs verlassen hat, spricht von einem undurchsichtigen Geschäftsgebaren der Direktionsmitglieder: Zum obersten Kader von Weber Benteli gehörten vier Personen. Allerdings seien nur zwei über die tatsächliche finanzielle Lage der Druckerei informiert gewesen. Dass nicht offen informiert wurde, frustriert Z. bis heute, gut zweieinhalb Jahre nach dem Konkurs. Denn bereits im Januar 2009 habe das mittlere Kader einen Massnahmenplan entworfen, um Weber Benteli wieder auf Kurs zu bringen. «Noch im Sommer hat die Direktion gesagt: Das brauchen wir nicht», erinnert sich Z. Dann plötzlich habe die Direktion willkürlich einen Vorschlag aus dem Massnahmeplan herausgegriffen: die Lohnkürzung. «Weder sahen wir Zahlen, noch gab es ein regelmässiges Reporting wie in anderen Druckereien», bestätigt B. Dies habe mehr und mehr zur Verunsicherung der Mitarbeiter geführt, die zumindest ahnten, dass es um ihren Arbeitgeber nicht gut stand: «Sie hatten Angst um ihren Lohn.» Z. hat nach längerer Arbeitslosigkeit eine neue Stelle gefunden und ist glücklich an seinem Arbeitsplatz. Allerdings wartet er immer noch auf das Geld, das ihm Weber Benteli schuldet. Doch das Verfahren dauert immer noch an. Bis dahin bleibt offen, ob überhaupt genügend Geld vorhanden ist, um Z. und seine vielen ehemaligen Arbeitskollegen auszubezahlen. Lotti Teuscher/BT * Namen der Redaktion bekannt. >

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