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«38 Prozent aller Ehen in der Schweiz sind interkulturell»

In der Schweiz heiraten immer mehr Paare mit unterschiedlichem religiösem und kulturellem Hintergrund. Psychologin Maximiliane Uhlich untersucht das Phänomen an der Universität Bern.

Frau Uhlich, wie viele gemischte Ehen gibt es in der Schweiz?Maximiliane Uhlich: Zwischen 1998 und 2013 wurden laut Bundesamt für Statistik (BFS) 84 090 interreligiöse Ehen geschlossen. Etwa 38 Prozent aller Ehen in der Schweiz sind interkulturell, was im Vergleich zu anderen Ländern relativ hoch ist.

Auf welche Faktoren führen Sie den hohen Anteil solcher Ehen zurück?Aufgrund der zunehmenden Globalisierung und Migration nehmen gemischte Ehen zu. Die grösste Gruppe interreligiöser Ehen sind christlich-muslimische, da der Anteil der muslimischen Gemeinschaft in der Schweiz im Vergleich zu anderen religiösen Gemeinschaften re­lativ hoch ist. 2013 waren es laut BFS 5,1 Prozent der Bevölkerung. Bei interkulturellen Partnerschaften kommen schweizerisch-italienische und schweizerisch-deutsche Paare am häufigsten vor, da aus diesen beiden Ländern die grössten Einwanderungsgruppen in die Schweiz kommen.

Wie schätzen Sie diese Entwicklung gesamtgesellschaftlich ein?Das bedeutet hauptsächlich mehr Diversität, also eine bunte und durchmischte Schweizer Gesellschaft. Je mehr gemischte Paare es geben wird, desto mehr wird es zur Normalität, was langfristig zu mehr Toleranz führt. Dass wir heute schon einen beachtlichen Anteil solcher Paare haben, zeigt, dass es bereits in einem gewissem Mass akzeptiert wird.

Sie machen eine Studie zu interkulturellen und interreligiösen Ehen. Wieso ist diese Forschung wichtig, und was erhoffen Sie sich für Erkenntnisse?Momentan ist das Thema relativ schlecht erforscht, und es gibt hauptsächlich Erkenntnisse zu westlichen Paaren aus derselben Kultur und mit derselben Religion. Dies ist erstaunlich, wenn man bedenkt, in was für einer globalisierten Welt wir leben. In der Studie untersuchen wir vor allem die Faktoren, die zum Gelingen oder Scheitern solcher Partnerschaften führen. Dabei geht es um Partnerschaftszufriedenheit, den Umgang mit Konflikten oder darum, wie unterschiedliche Religionen im Beziehungsalltag gehandhabt werden.

Wie profitiert die All­gemeinheit?Es geht darum, Ressourcen und Herausforderungen dieser Partnerschaften zu identifizieren, die beispielsweise aufgrund unterschiedlicher Sozialisierung oder wegen sprachlicher Barrieren bestehen können. Dies beinhaltet zwar ein höheres Konfliktpotenzial. Gleichzeitig eignen sich die Paare vermutlich Strategien zur Konfliktbewältigung an, wenn sie häufiger Konflikte haben. Dies ist gesamtgesellschaftlich relevant, da es zeigen kann, wie das Zu­sammenleben von Menschen aus verschiedenen Kulturen in der Schweiz funktionieren kann. Daneben wollen wir die Ergebnisse an die Praxis weitergeben, etwa an Paarberatungsstellen.

Informationen und Anmeldung zur die Onlinestudie über inter­kulturellen und interreligiöse Paare: www.paare.unibe.ch

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