Der Sound dreier Teenager

Langenthal

Mit ihrem Film «Aysha Kevin Michele» hat die Künstlerin Flo­rine Leoni den Hauptpreis des Aeschli­mann-Corti-Stipendiums gewonnen. Ihre Arbeit gibt Einblick in das Leben dreier Jugendlicher auf der Suche nach sich selbst.

<b>Drei Jugendliche auf der Suche:</b> Kevin, Aysha und Michele (v.l.) sind Protagonisten im Film von Florine Leoni.<p class='credit'>(Bild: zvg)</p>

Drei Jugendliche auf der Suche: Kevin, Aysha und Michele (v.l.) sind Protagonisten im Film von Florine Leoni.

(Bild: zvg)

Helen Lagger@FuxHelen

Drei Teenager sitzen zusammen auf einem Sofa und schauen im Fernsehen, wie einer von ihnen – es ist Kevin – sich vor der Kamera macht. Ein Film-im-Film-Moment. Die 1980 geborene Künstlerin Florine Leoni hat drei ­Jugendliche mit der Kamera begleitet und daraus den knapp halbstündigen Film «Aysha Kevin Michele» (2017) gemacht.

Dafür ist sie nun mit dem Hauptgewinn (20'000 Franken) des Aeschlimann-Corti-Stipendiums ausgezeichnet worden. Es gilt als einer der wichtigsten Förderpreise im Kanton Bern.

Am Anfang habe ihr Interesse für Jugendliche gestanden, die aus dem System rausgefallen seien, so Florine Leoni. Eltern und Schule seien mit ihnen überfordert, nun müssten sie sich Neuem stellen. «Ich wollte schauen, was für Ressourcen die drei haben.»

Der mal leise, mal brachiale Sound im Film stehe für die Rastlosigkeit und den Drive, den die Jugendlichen haben, so Leoni. Die Jury lobt die «intensive, subtile und einfühlsame Arbeit».

In Leonis Film wechseln sich lustige und berührende Momente ab. Aysha mag Pferde und Justin Bieber, Michele liebt schnelle Autos, und Kevin will Rapper werden. Warum sie im Heim und nicht bei ihren Familien leben, erfährt man nicht.

Moderne Kalligrafie

Leonis Film war bereits in der Weihnachtsausstellung in der Kunsthalle in Bern zu sehen. Nun ist er Teil der Ausstellung im Kunsthaus Langenthal, die alle 18 für den Förderpreis nominierten Positionen vereint. Im Gegensatz zu anderen Jahren lasse sich dieses Jahr kein Trend zu einem Medium hin feststellen.

Die Beiträge seien äusserst unterschiedlich, so die Juryvorsitzende Eva Inversini. Aufgefallen sei ihr einzig, dass die einzelnen Kunstschaffenden sich mehrheitlich auf ein Medium konzentriert hätten, statt zu mixen. Samuli Blatter etwa hat sich ganz dem Zeichnen verschrieben. Er füllt unterschiedliche Papierformate mit seiner ureignen, rabenschwarzen Kalligrafie.

Eine Entdeckung auf den zweiten Blick stellen die Gemälde von Nicolas Grand dar. Er malt auf weiss grundierte Holzplatten mit lasierender Farbe und fettlöslichem Farbstift. Dies erlaube ihm ein rasches Wegnehmen oder Löschen beim Malprozess. Von weitem wirken die Bilder wie abstrakte Farbstudien. Erst wenn man an das Bild herantritt, lassen sich Figurengruppen, Bäume und Tiere erkennen.

Die sinnlichsten Arbeiten stammen von einem «lediglich» Nominierten, dem Fotografen Alexander Jaquemet. Seine grossformatige Fotografie «Irrlicht I» (2018) besteht aus einem aufgenommenen Himmelsverlauf. Man kann in das verführerisch glänzende Hellblau regelrecht abtauchen. Es sind Fotografien, die Exotik und Fremdheit der Natur sichtbar machen.

Ausstellung: 1. 6.–26. 6., Kunsthaus Langenthal.

Berner Zeitung

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