Wenn die Reparatur plötzlich fast das 20-fache kostet

Handwerker haben einem Rentner aus Madiswil eine Offerte für 150 Franken gemacht, dann aber 2800 Franken verlangt – in bar.

Ein 84-Jähriger aus Madiswil fiel auf betrügerische Handwerker herein, welche ihn um 2800 Franken erleichterten.

Ein 84-Jähriger aus Madiswil fiel auf betrügerische Handwerker herein, welche ihn um 2800 Franken erleichterten.

(Bild: iStock)

Es ist ein schöner Frühlingsmorgen. Doch die Idylle hat ein jähes Ende, als ein Handwerker an der Tür eines Zweifamilienhauses im Dorfkern von Madiswil die Glocke betätigt. Der Mann, der gebrochen Deutsch spricht, sagt zu dem 84-jährigen Bewohner, er habe gesehen, dass die Dachrinne des Werkstattgebäudes defekt sei. Per Zufall habe er Werkzeug dabei, sodass er den Schaden im Handumdrehen reparieren könnte: zu einem Preis von 150 Franken.

Der Rentner, der nicht mehr gut hört und sieht, fühlt sich überrumpelt. Trotzdem willigt er aufgrund der preiswerten mündlich erhaltenen Offerte ein, denn er will der Tochter und Hausbesitzerin eine kleine Freude machen. Der unbekannte Handwerker tritt darauf etwas in den Hintergrund, um drei Männer, die flugs aus einem weissen Lieferwagen mit ausländischen Nummernschildern steigen, die Arbeit machen zu lassen.

Opfer unter Druck gesetzt

Kaum ist die Reparatur ausgeführt, folgt der Schock. Der Handwerker präsentiert dem Rentner eine Rechnung über 2800 Franken, die bar bezahlt werden muss. Die Erklärung: 150 Franken sei der Preis pro Laufmeter. Repariert wurde jedoch nur ein kurzes Stück der Rinne. Der Geprellte denkt zuerst daran, die Polizei zu rufen. Warum er es nicht getan hat, weiss er nicht. Sein Denken und Handeln habe plötzlich nicht mehr funktioniert. Er sei von dem vermeintlichen Spengler wie hypnotisiert oder manipuliert worden.

Als er dem Rechnungssteller erklärt, dass er nicht so viel Geld zu Hause habe, wird er von diesem zuerst unter Druck gesetzt und dann mit dem Lieferwagen kurzerhand zur Bank gefahren. Die Bankangestellte stutzt zwar, dass der sehbehinderte Mann allein vorspricht und um die Aushändigung von Bargeld bittet, sie stellt den Betrag dann aber aus. Da der Geprellte danach wieder nach Hause gefahren wird, gelingt es der 87-jährigen Ehefrau, das Nummernschild des Gaunerfahrzeugs zu notieren.

Dem Rentner ist es zwar peinlich, dass er von einem wildfremden Mann übers Ohr gehauen werden konnte, trotzdem erzählt er abends seiner Tochter, was vorgefallen ist. Die Frau, die ihren Familiennamen nicht in der Zeitung lesen will, handelt rasch und verständigt die Polizei. Einen Tag später wird Anzeige gegen unbekannt eingereicht.

Berner Zeitung

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