Bystronic will effizienter werden

Niederönz

Die Bystronic nimmt die Sanierung ihrer alten Fertigungshalle in Angriff. Das 6,5-Millionen-Franken-Projekt ist speziell: Bei laufendem Betrieb wird ein Neubau über das bestehende Gebäude «gestülpt».

Anwohner und Behördenvertreter liessen sich am Mittwoch von Architekt Patrick Müller (rechts) über die Pläne informieren.

Anwohner und Behördenvertreter liessen sich am Mittwoch von Architekt Patrick Müller (rechts) über die Pläne informieren.

(Bild: Marcel Bieri)

Sebastian Weber

Eine Halle abbrechen und eine neue bauen. So kennt man das. So einfach lässt sich das Projekt der Bystronic Laser AG in Niederönz allerdings nicht realisieren. Denn die Zielsetzung, die er erhalten habe, sei klar gewesen, sagt Patrick Müller vom Architekturbüro Dietrich aus Lotzwil: «Eine Sanierung der Gebäudehülle bei mehrheitlich laufendem Betrieb.» So wird die Arbeit in der Fertigungshalle 1 an der Industriestrasse während der knapp einjährigen Bauzeit insgesamt nur gerade während ungefähr dreier Wochen stillstehen. Solch ein Vorhaben sei «sehr selten», sagt Müller, und benötige eine besondere Planung. «Die einzige Möglichkeit ist, die neue Halle über die bestehende ‹drüberzustülpen›.»

Soll moderner werden

Wie dies genau vor sich gehen soll, erklärte der Architekt am Mittwochabend an einem Informationsanlass bei der Bystronic Anwohnern und Behördenvertretern. Mittels Pfählungen und Einzelfundamenten werden in einem ersten Schritt die Voraussetzungen dafür geschaffen, die neue Halle später abstützen zu können.

Anschliessend werden die Fachwerkträger über der alten Halle montiert, auf denen schliesslich das neue Dach angebracht wird. Während der Durchführung dieser Arbeiten muss der Betrieb abschnittsweise für kurze Zeit stillgelegt werden. «Aus Sicherheitsgründen», wie Patrick Müller erklärt.

Schliesslich soll in einer letzten Phase der Abbruch der bestehenden Halle über die Bühne gehen. Bevor letztlich der Innenausbau erfolgen kann: Neben der Sanierung des Gebäudes ist auch eine Modernisierung der darin untergebrachten Fertigung vorgesehen. Das Untergeschoss bleibt derweil unverändert.

Schlecht isoliert

Für die Bystronic macht das Projekt, für das sie vorige Woche das Baugesuch eingereicht hat, gleich aus mehreren Gründen Sinn. Die beiden Hallenschiffe wurden in den 1980er-Jahren erbaut und weisen mittlerweile mehrere Mängel auf. «Das Dach und die Heizung hätten sowieso bald saniert werden müssen», sagt Geschäftsführer Marco Vinanti. Das Gebäude ist schlecht isoliert. So besteht im Winter ein grosser Wärmebedarf, während im Sommer die enorme Hitze zum Problem werden kann. «Das ist heute so nicht mehr vertretbar», meint Patrick Müller. Die grossen Temperaturschwankungen können so weit gehen, dass es eine Auswirkung auf die Qualität der produzierten Teile hat. «An besonders heissen Tagen kann es zu einer Ausdehnung des Materials kommen», sagt Fabian Furrer, Leiter Produktion. Dann muss etwa am frühen Morgen oder leicht ver­zögert produziert werden. «Das schränkt uns natürlich ein», so Vinanti. Es würden hochmoderne Produkte in einer veralteten Halle produziert.

Um das Klima in den Griff zu bekommen, beinhaltet das Projekt daher auch eine bessere Dämmung der Fertigungshalle. Zudem sieht es vor, die bestehenden Ölheizungen ausser Betrieb zu nehmen. Der Neubau wird künftig über die Zentral­heizung aus Halle 2 versorgt. «Es wird dann noch die Hälfte der bisherigen Energie verbraucht, um die Halle zu beheizen», so Müller.

Durchlaufzeit verkürzen

Die Bystronic erhofft sich von der neuen Halle aber vor allem eine positive Auswirkung auf die Produktivität. Zwar wird der Neubau nur unwesentlich breiter als das bisherige Gebäude: Die zur Verfügung stehende Fläche steigt von 4460 auf rund 4700 Quadratmeter. Und auch die Firsthöhe wird nur gerade 1,5 Meter höher als bisher. Dennoch wird die neue Halle durch den Wechsel vom Sattel- zum Flachdach deutlich an Höhe und somit auch an Platz gewinnen. Was vor allem der Kranbahn im Innern zugutekommt.

Für Marco Vinanti ist daher klar: Die Halle, aber auch die damit einhergehende Layoutplanung, also die optimierte Anordnung der Maschinen und Räume, wird der Bystronic in Niederönz zu mehr Effizienz verhelfen. «Die Arbeitswege werden vereinfacht, die Produktionsdauer verkürzt.» Ziel sei es, die Durchlaufzeit in der Fertigung von aktuell 20 Tagen auf 7 Tage zu reduzieren. Und Fabian Furrer verdeutlicht: Nimmt die Bystronic einen Auftrag an, dauert es bis zur Verladung aktuell zwischen 22 und 30 Tage. Bis 2020, so das Ziel, möchte die Bystronic diese Spanne auf 15 Arbeitstage senken.

Die Baukosten für das ganze Vorhaben belaufen sich auf 6,5 Millionen Franken. Die Arbeiten sollen im Juli dieses Jahres beginnen.

Berner Zeitung

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