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Das Projekt bewegt schon jetzt die Gemüter

Die Burger haben sich entschieden, keine Einsprache gegen den Perimeterplan einzulegen.Die Diskussion und die anschliessende Abstimmung machen aber deutlich, dass die Gesamtmelioration alles ­andere als unumstritten ist.

Spuren des Bibers: Das Nagetier sorgt in den Drainageleitungen für Rückstau und ist den Burgern daher ein Dorn im Auge.
Spuren des Bibers: Das Nagetier sorgt in den Drainageleitungen für Rückstau und ist den Burgern daher ein Dorn im Auge.
Marc Dahinden

Andreas Kubli von der Geobau Ingenieure AG hat seine Ausführungen noch lange nicht beendet, da prasseln auch schon die ersten Fragen auf ihn ein. An der ausserordentlichen Burgergemeindeversammlung am Mittwochabend in Thörigen bestätigt sich rasch: Das Thema Gesamtmelioration Bleienbach-Thörigen-Bettenhausen bewegt die Gemüter.

Die Skepsis bei den meisten der 25 anwesenden Burgerinnen und Burgern ist gross. Vieles wird hinterfragt: Wer für den Unterhalt des neuen Wegnetzes zuständig wäre?, will etwa einer von ihnen wissen. Weshalb eine Neuvermessung nötig sei?, ein anderer.

Kubli, der geduldig alle Fragen beantwortet, ist darum bemüht, die Vorzüge des Bodenverbes­serungsprojekts aufzuzeigen. So stellt er etwa fest, dass so oder so eine Neuvermessung nötig werde, im Falle einer Melioration die Kosten hierfür aber wesentlich geringer seien, weil dann die Anzahl der Grenzpunkte und Parzellen kleiner sei. Kommt hinzu, dass die Vermarchung dann ebenfalls von Subventionsbeiträgen profitieren würde. Weiter könnten auch die Unterhaltskosten für die Flurwege reduziert werden.

«Ein ungutes Gefühl»

Besonders in einem Punkt bleibt aber der Versuch des Ingenieurs, den Burgern ihre Ängste zu nehmen, erfolglos: «Eine Abschätzung der Gesamtkosten ist zum jetzigen Zeitpunkt sehr schwierig», sagt er. Was es gibt, sind ­Erfahrungswerte von bereits durchgeführten Gesamtmeliorationen. Aufgrund dieser rechnet man mit Kosten von 18 000 Franken pro Hektar. Hiervon übernehmen Bund und Kanton rund zwei Drittel. Die restlichen etwa 6 000 Franken teilen sich zu je 50 Prozent Gemeinde und Eigentümer.

«Ich habe ein ungutes Gefühl dabei, über einen Kredit oder eine Genossenschaftsgründung abzustimmen, wenn wir die genauen Kosten nicht kennen», zeigt sich einer der Anwesenden kritisch. Wobei Burgerpräsidentin Anita Howald an dieser Stelle präzisieren muss: «Wir stimmen heute Abend nur über den Perimeterplan ab, welcher derzeit öffentlich aufliegt.» Es gehe vorerst nur um die Frage, ob die Burgergemeinde gegen diesen Einsprache einlegen wolle. Die Frist hierfür läuft noch bis am 7. März.

Aber auch der Burgerrat selbst, der sich grundsätzlich für den ­Perimeterplan ausspricht, teilt in der Person von Gad Günter seine Bedenken bezüglich der Kostenfrage mit. «Das ist sicher eine Schwierigkeit.» Letztlich hingen die Kosten von den baulichen Massnahmen ab, erklärt Kubli. «Wie diese aussehen, zeigt sich aber erst nach den Gesprächen mit den Grundeigentümern.»

Der Nager als Ärgernis

Emotional wird es schliesslich, als die Versammlung, die immer wieder in einzelne Gespräche verfällt und von Anita Howald einmal gar zur Ordnung gerufen werden muss, auf die Finanzierung zu sprechen kommt. Burgerrat Gad Günter gibt zu bedenken, dass man, sollte die Melioration realisiert werden, auch über eine Reduktion des Burgernutzens nachdenken müsse. «Bevor wir beim Burgernutzen etwas abziehen, passen wir lieber den Pachtzins an», teilt einer der Anwesenden lautstark mit. Auch über diesen müsse man sprechen, bestätigt Gad Günter.

«Ich bin mit der klaren Absicht hierhergekommen, Nein zu stimmen. Nun bin ich anderer Meinung.»

Versammlungsteilnehmer

Nicht weniger hitzig diskutiert wird auch über den eigentlichen Ursprung des Problems. Waren es doch die Aktivitäten des Bibers entlang der Altache, welche den Rückstau in den Drainageleitungen auslösten und die Gesamtmelioration erst aufs Tapet brachten. «Wenn der Biber weiterhin in der Altache bleibt, brauchen wir gar nicht erst etwas zu machen», meldet sich ein älterer Burger zu Wort. «Die Altache ist ein künstlich geschaffener Bach, in den eigentlich kein Nagetier gehört», lässt ein anderer wissen. «Wir müssen zuerst etwas gegen den Biber unternehmen.» Gegen diesen lasse sich nichts ausrichten, müssen sie sich von Andreas Kubli aber belehren lassen. «Der Biber ist geschützt.» Um die Nagetierproblematik zu lösen, gebe es die Möglichkeit, die Drainageleitungen von der Altache zu entkoppeln.

Die Stimmung kippt

Einige der Anwesenden stecken in der Folge klare Fronten ab: «Ich bin dafür, unser gesamtes Burgerland aus dem Perimeter herauszunehmen», meint einer von ihnen. Trotzdem: Im Verlauf der fast dreistündigen Versammlung beginnt die Stimmung nun spürbar zu kippen. «Ich bin mit der klaren Absicht hierhergekommen, Nein zu stimmen. Nun bin ich anderer Meinung», sagt zum Beispiel einer der Votanten. «Später, wenn es um die Gründung der Genossenschaft geht, können wir immer noch Nein sagen.»

Und einer der anwesenden Kleinbauern beginnt sich für die Melioration starkzumachen. «Dieses Projekt ist für uns eine grosse Chance. Wir können für ein gutes Bewässerungssystem sorgen, das Problem in der Altache ­lösen und die Zuständigkeiten bei den Flurwegen regeln.» Man müsse dabei vor allem an die kommenden Generationen denken.

Die grosse Angst davor, dass es vielleicht teurer werden könnte als angenommen, störe ihn sowieso, fügt ein anderer Teilnehmer an. «Wenn wir immer so denken, dann passiert nie etwas.» Mehrere Anwesende sprechen sich jetzt dagegen aus, dass Burgerland, das rund 34 Hektaren umfasst, aus dem Perimeter zu nehmen.

Der Rat will Wünsche äussern

Dass in Thörigen aber noch Gesprächsbedarf besteht, zeigt letztlich auch die Abstimmung selbst. Bei dieser überrascht der Burgerrat mit dem Vorschlag, neben den Varianten «Ja» und «Nein» zum Perimeterplan auch über eine dritte Alternative abstimmen zu lassen. Diese sähe vor, auf eine Einsprache zu verzichten, gleichzeitig aber den Burgerrat zu ermächtigen, mit einem Kostendach ausgerüstet mit der kantonalen Bodenverbesserungskommission in Verhandlung zu treten. «Wir möchten dort bereits vorgängig unsere Wünsche deponieren», erklärt Anita Howald. So wolle man sich zum Beispiel für eine Linienführung der Altache entlang der Gemeindegrenze einsetzen.

Dieser Vorschlag wird im Plenum aber kritisch aufgenommen. «Es wird zu einem späteren Zeitpunkt so oder so verhandelt werden müssen. Mit unseren Spezialwünschen werden wir daher nicht weit kommen», merkt einer der Landwirte an. Woraufhin der Rat diese Variante schliesslich wieder fallen lässt. Mit 15 Ja- gegen 8 Nein-Stimmen (bei 2 Enthaltungen) entscheidet sich die Versammlung nun dafür, auf eine Einsprache zu verzichten.

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