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Der Ball liegt beim Gemeinderat

Der FC Langenthal stösst mit der veralteten Infrastruktur auf der Rankmatte an Kapazitätsgrenzen. Hilfe von der Politik ist schon seit längerer Zeit in Aussicht. Nun sollen endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Sie alle wollen, dass es vorwärtsgeht: (v. l.) Vorstandsmitglied Thomas Biedermann, FCL-Präsident Guido Bardelli, Gemeinderätin Helena Morgenthaler (SVP) und Stadtpräsident Reto Müller (SP).
Sie alle wollen, dass es vorwärtsgeht: (v. l.) Vorstandsmitglied Thomas Biedermann, FCL-Präsident Guido Bardelli, Gemeinderätin Helena Morgenthaler (SVP) und Stadtpräsident Reto Müller (SP).
Thomas Peter

Der rollende Ball weckt die Spielernaturen. Stadtpräsident Reto Müller (SP) kickt das runde Leder stilsicher übers Feld zu Thomas Biedermann, Vorstandsmitglied des FC Langenthal. Eine Schusstechnik, wie sie nur der Torwart des SC Grossrat beherrscht. Aber sollte das Zusammenspiel eigentlich nicht umgekehrt sein?

Schon beim Fototermin wird klar, dass die Beziehung zwischen dem FCL und dem Gemeinderat derzeit nicht nur spielerischer, sondern auch politischer Natur ist. Ein Bild sagt ja bekanntlich mehr als tausend Worte.

Da sollte die Symbolik schon die richtige sein. Hier ist der Fall klar: Der FCL übergibt den Ball an den Gemeinderat. «Und wir werden ihn auch nicht wieder querspielen», verspricht Müller.

Viel Mittelfeldgeplänkel

Aber um was geht es? Im Kern wird über die Zukunft des Fussballs in Langenthal entschieden. Wo soll dieser stattfinden? Auf welchem Terrain? Und wer zahlt am Schluss die Rechnung?

Die Akteure in diesem Poker sind der FCL sowie der Gemeinde- und der Stadtrat. Das Spiel zieht sich nun bereits über Jahre hin. Im Fussball würde man von einem klassischen Mittelfeldgeplänkel sprechen. Hier grob zusammengefasst die bisherigen Spielzüge:

  • November 2013: Der FCL lanciert in Eigenregie ein Kunstrasenprojekt für die Rankmatte. Er wird aber vom damaligen Gemeinderat zurückgepfiffen. Die Stadt hat eigene Pläne und vertröstet den FCL auf später.
  • April 2015: Die Stadt wagt ihren eigenen Angriff. Sie will zwei Kunstrasenfelder und neue Garderoben im Hard bauen. Der FCL ist happy. Eine Abstimmungsvorlage wird ausgear­beitet.
  • Juni 2016: Nach einigen Querpässen zwischen Gemeinde-und Stadtrat kommt plötzlich Torschlusspanik auf. Mit der gleichzeitigen Sanierung der Dreifachturnhalle Hard laufen die Kosten für Kunstrasen und Garderoben aus dem Ruder. Zu gross die Gefahr, beim Stimmvolk in einen Konter zu laufen. Das Projekt wird abgespeckt.
  • März 2017: Das Stimmvolk heisst die Turnhallensanierung mit grossem Mehr gut. Was folgt, ist eine Blutgrätsche: Der Stadtrat bedient den Gemeinderat gegen dessen Willen mit einem Steilpass. In 2 Jahren muss die Exekutive eine neue Vorlage für Kunstrasen erarbeiten, so der Auftrag.

Das Protokoll zeigt: Es war vor allem die Kunstrasendebatte, die im Zentrum der Diskussion stand. Aber eigentlich ist diese Frage nur die Spitze des Eisbergs.

Ein hügeliges Terrain

Das zeigt sich bei einem Rundgang auf dem Gelände. Thomas Biedermann öffnet die Türe zu einer der Kellerkabinen. Sie hat etwa die Grösse eines Kinderzimmers. Eine Sitzbank, ein paar Wandhaken, ein abgenutzter Massagetisch: Mehr ist da nicht. «Wenn man den Gegner beeindrucken will, schickt man ihn hier runter», sagt Biedermann mit einem Augenzwinkern.

Auch die Garderoben im oberen Stockwerk sind ähnlich spartanisch gehalten. Duschen hat es nur wenige. Der FCL muss sich deswegen immer wieder Sprüche seitens der Gegner anhören. Diese Sprüche fangen bei den Kabinen an und gehen auf dem Spielfeld weiter.

Normalerweise hat ein Fussballrasen eine Lebensdauer von 10 Jahren. Das Grün auf der Rankmatte ist aber bereits gut 80-jährig. Die vielen Freiwilligen hegen und pflegen den Rasen zwar in aufopfernder Manier. Aber die Unebenheiten lassen sich nur noch schlecht ka­schieren.

Böse Zungen munkeln, der FCL führe zurzeit die 2.-Liga-Tabelle nicht zuletzt deshalb an, weil er als einziges Team mit dem hügeligen Terrain auf der Rankmatte zurechtkomme.

Kaum Ausbaumöglichkeiten

Lohnt es sich überhaupt noch, in diese Rankmatte zu investieren? «Langfristig sehen wir die Zukunft der Ballsportarten auf dem Areal Hard», sagt Reto Müller. Auch der FCL, dem das Areal Rankmatte gehört, hat ein Interesse für einen solchen Standortwechsel.

Die wenigen Ausbaumöglichkeiten auf dem Platz sind bereits ausgeschöpft. Aber der Handlungsbedarf ist mittlerweile so gross, dass auf eine langfristige Lösung gar nicht mehr gewartet werden kann. Deshalb auch der Auftrag vom Stadtrat.

Reto Müller und Helena Morgenthaler (SVP), Letztere leitet im Gemeinderat das Ressort Sport und Kultur, können noch nicht sagen, ob der Gemeinderat das Kunstrasenprojekt im Hard oder auf der Rankmatte umsetzen will. Sie stellen aber in Aussicht, dass der Entscheid bald gefällt wird.

Ein Kunstrasenfeld kostet etwa 1,2 bis 1,5 Millionen Franken. Lebensdauer: 10 bis 15 Jahre. Würde das Feld auf der Rankmatte verlegt, wäre das bloss eine vorübergehende Lösung. Aber es würde die Zeit überbrücken, bis der Gemeinderat ein Gesamtkonzept für die Sportstättenplanung erarbeitet hat.

Die Finanzierung eines solchen Feldes ist kein Geschenk an die Langenthaler Fussballer, sondern mit Erwartungen verbunden. «Wir betrachten das als Investition, und diese hat einen Gegenwert in der Bilanz», sagt Müller. Aber die Stadt weiss, was sie am FCL hat.

«Gerade in der Integration leistet der Verein unheimlich viel», sagt Morgenthaler. Gut die Hälfte aller FCL-Spieler haben einen Migrationshintergrund. Der Club wurde für sein Engagement im Bereich Integration schon mit dem Sozialpreis der Stadt ausgezeichnet.

Auf die lange Bank geschoben

Langenthals Fussballer, die immer etwas im Schatten des alles überstrahlenden SC Langenthal stehen, haben also durchaus bewiesen, dass sich eine Investition in sie lohnt. FCL-Präsident Guido Bardelli wäre jedenfalls froh, wenn bald mal eine Entscheidung gefällt wird.

«Das Thema Kunstrasen wurde immer wieder auf die lange Bank geschoben.» Der Club ist vom alten Gemeinderat seit 2013 immer wieder vertröstet worden. Es mangelte an Entscheidungsfreudigkeit.

Jetzt ist die Chance gross, dass sich das ändert «Beim jetzigen Gemeinderat habe ich den Eindruck, dass mehr auf einen eingegangen wird», sagt Bardelli. Oder um es in Fussballsprache zu sagen: Der neue Gemeinderat lässt etwas offensiver spielen.

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