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Der erste Schritt vors eigentliche Publikum

Erneut stellt der Abschlussjahrgang der Hochschule der Künste Bern seine Diplomwerke bis zum 9. Juli im Kunsthaus aus.

Für die Wohnzimmerinstallation von Vaselin Aktekin wurde im Kunsthaus eigens ein Raum eingebaut.
Für die Wohnzimmerinstallation von Vaselin Aktekin wurde im Kunsthaus eigens ein Raum eingebaut.
Olaf Nörrenberg

Die Diplomausstellung der Absolventen des Bachelorstudiengangs Fine Arts der Hochschule der Künste Bern hat in Langenthal bereits Tradition. Im Laufe ihres Studiums haben zwar alle Studierenden schon mehrere Werke ausgestellt, dies aber bisher immer nur im halb öffentlichen Rahmen der Hochschule.

Anlässlich der Diplomausstellung haben sie jeweils erstmals die Gelegenheit, ihr Schaffen der Öffentlichkeit zu präsentieren und sich nebst dem Urteil ihrer Dozenten auch den Rückmeldungen aus der Öffentlichkeit zu ­stellen. Es ist eine umfangreiche Ausstellung, die definitiv einen Besuch lohnt. Die Räumlichkeiten des Kunsthauses werden intensiv genutzt und mit interessanten neuen Ansätzen gefüllt.

Marmor und Imitat

Schon auf der Treppe im Eingangsbereich wird man von einer ersten Skulptur von Adriane Morard empfangen. «Promises (Distinction)» weist den Weg hinauf in die Ausstellung und scheint mit einer Kombination aus echtem Marmor und Marmorimitat-Klebefolie die Schnittstelle zwischen realer Welt und geschütztem Hochschulrahmen abzubilden, welche die Ausstellung den Studierenden bietet.

Manche der Studierenden probieren ganz neue Herangehensweisen aus. Die Fotografin Valérie Meier etwa setzt ihre Werke in einem wie ein Schlafzimmer eingerichteten Zimmer in Szene. Die Bilder, oft von Menschen aus ihrem Umfeld, sind dabei mit verschiedenen Mitteln an den Wänden befestigt.

Auf dem Boden liegt eine Matratze, daneben steht ein voller Aschenbecher, überall liegen Kleider verstreut, dazwischen ein leerer Joghurtbecher, in der Ecke eine Topfpflanze. Die Szene hat eine ganz eigene Anmut, die bewusst auf klassische Ästhetik verzichtet.

Den Alltag arrangiert

Auch ein Werk von Vaselin Aktekin braucht ein ganzes Zimmer für sich – dieses wurde sogar eigens dafür in einen der Räume im Kunsthaus eingebaut: ein Wohnzimmer, mit einem Sofa, Zeichnungen und ein Graffito an der Wand.

Auf dem Fernseher wird ein Film mit Musik gezeigt. Alle Elemente in dem Zimmer sind scheinbar schnell entstanden und aus dem Alltag inspiriert, aber mit viel Sorgfalt passend ­arrangiert.

Im Korridor des ersten Stocks befinden sich vierzehn Bilder von Irene Habegger. Auf den meisten sind ihre Freunde zu sehen, die sie mit einer überraschenden Kombination aus groben Pinselstrichen und feinfühliger Darstellung porträtiert, andererseits, auf den Bildern «Wand I–IV», schemenhafte Figuren, die den Menschen plötzlich ganz ­unnahbar und entfremdet wirken lassen.

Sehen und Nichtsehen

Trotz der grossen, sehr bunten und vielfältigen Ausstellung wirken viele Werke wie Ruhepole auf den Betrachter. Ein solches Werk ist «Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild» von Corinna Münster. Dabei handelt es sich um mit Autolack schwarz lackierte Sperrholzplatten in einem mehrheitlich abgedunkelten Raum.

Der Schein des dahinterliegenden Fensters bietet gerade genug Licht, damit man nach einiger Gewöhnung an die Lichtverhältnisse langsam sich selber und den Raum um einen herum erkennen kann. Ein spannendes Spiel aus Sehen und Nichtsehen, der Licht absorbierenden Wirkung der Farbe Schwarz und der Reflexion einer glänzenden Oberfläche.

Eine Starthilfe

Durch die Ausstellung bekommen die Studierenden Einblick hinter die Kulissen einer Kunstausstellung jenseits der Hochschule. Sie lernten, welche Anforderungen eine Gruppenausstellung an die Kooperation und Kommunikation zwischen den Künstlern stellt, und bekämen eine Starthilfe für ihren weiteren Weg als Künstler, meint Anselm Stalder, Leitung Studienbereich Fine Arts an der HKB.

Vernissage: heute Dienstag, 18 Uhr, Kunsthaus Langenthal.

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