Der Schatten von Huttwil

Redaktor Jürg Rettenmund zum Negativentscheid der Stimmberechtigten von Huttwil, dem regionalen Verein Kibe Land für die Kindertagesstätte im Baurecht abzutreten.

Jürg Rettenmund

Wäre Huttwil Zürich und gäbe es im Fernsehen die Sendung «Giacobbo/Müller» noch, die Gartenmäuerchen, die für die engen Verhältnisse an der Südstrasse sorgen, würden bestimmt dort auftauchen. Denn sie haben ähnlichen Symbolcharakter wie der Schattenwurf, der in der Wirtschaftsmetropole den Bau eines neuen Fussballstadions verhinderte.

Doch anders als in Zürich war es in Huttwil nicht urbaner überbordender Bürokratismus, der etwas Neuem zum Stolperstein wurde, sondern das urdemokratische Gefäss der Gemeindeversammlung. Dabei sei hier den Nachbarschaftsrechten auf keinen Fall die Berechtigung abgesprochen. Sie gelten aber nicht absolut, sondern müssen mit Anliegen der Allgemeinheit abgewogen werden. Diesbezüglich verhielt sich Nachbar Adrian Nyffenegger an der Versammlung vorbildlich: Er begründete seine Opposition mit Zurückhaltung und Anstand.

Fataler ist die negative Grundstimmung allem Neuen gegenüber, das nicht mit des Huttwilers teuren Lieblingsbeschäftigung zu tun hat, dem Eislauf. Wer etwas Neues wagt, stösst in Huttwil auf Hohn und Widerstand, ehe er nur den Mund aufmachen kann. Das gilt für eine Kindertagesstätte, einen Brunnenplatz als Begegnungsort oder einen Mammutpark.

Dabei verändert sich gegenwärtig viel: Der Bahnhof ist neu, und an allen Ecken schiessen Wohnungen aus dem Boden. Kibe-Präsident Philippe Groux jedenfalls ist zuzustimmen, wenn er festhält: «Der Entscheid der Gemeindeversammlung ist sicher kein positives Signal dazu, Familien mit Kindern in die vielen neuen Wohnungen zu locken.»

jürg.rettenmund@bernerzeitung.ch

Berner Zeitung

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